Gigabit-Offensive: Bund und EU drücken beim Glasfaserausbau aufs Tempo
24.01.2026 - 00:54:12
Deutschland und die EU beschleunigen den Ausbau der digitalen Infrastruktur mit Milliarden und neuen Gesetzen. Ziel ist der flächendeckende Wechsel von Kupfer zu Glasfaser.
Die Bundesregierung treibt die Modernisierung mit der „Gigabitförderung 2.0“ voran. Kürzlich wurden rund 1,8 Milliarden Euro für 536 neue Ausbauprojekte freigegeben. Das Geld fließt gezielt in Regionen, in denen sich ein privatwirtschaftlicher Ausbau für Telekommunikationsunternehmen nicht rechnet. Bundesdigitalminister Dr. Karsten Wildberger betonte bei der Übergabe der Förderurkunden: Der Erfolg werde nicht an der Fördersumme, sondern an der Zahl der realisierten und genutzten Anschlüsse gemessen.
EU-Kommission setzt mit Digital Networks Act Deadline
Parallel erhöht Brüssel den Druck. Die EU-Kommission legte am 21. Januar den Entwurf für den „Digital Networks Act“ (DNA) vor. Diese Verordnung zielt auf einen einheitlichen Telekommunikationsbinnenmarkt ab. Ein Kernpunkt: Alle Mitgliedstaaten müssen bis 2029 einen konkreten Plan für den Wechsel von Kupfer zu Glasfaser vorlegen. Die endgültige Abschaltung der alten Kupfernetze ist europaweit für den Zeitraum 2030 bis 2035 vorgesehen.
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Bundesnetzagentur bereitet Kupfer-Abschaltung vor
In Deutschland stellt die Bundesnetzagentur bereits die Weichen für diese technologische Zeitenwende. Sie hat ein Regulierungskonzept zur Konsultation vorgelegt, das den Rahmen für die geordnete Abschaltung des alten DSL‑Netzes bilden soll. Marktteilnehmer können bis zum 16. März Stellung nehmen. Ein Hauptziel ist es, gleiche Wettbewerbsbedingungen für alle Anbieter zu schaffen und Investitionen in Glasfaser planbar zu machen – unabhängig davon, welches Unternehmen in einer Region ausbaut.
Bürokratie bremst trotz Fortschritten
Vor Ort schreitet der Ausbau mit unterschiedlichem Tempo voran. Erfolgsgeschichten wie im Rhein-Kreis Neuss, der mit Bundesmitteln letzte Versorgungslücken schließt, stehen praktischen Hürden gegenüber. Branchenverbände kritisieren die oft noch zu bürokratischen und langwierigen Förderverfahren. Im Schnitt dauere es von der Antragsstellung bis zur Fertigstellung eines geförderten Projekts sieben Jahre. Gleichzeitig zeigt der 5G-Ausbau von O2 Telefónica im Westmünsterland, dass auch die mobile Infrastruktur parallel gestärkt wird.
Fundament für digitale Souveränität
Der beschleunigte Glasfaserausbau ist mehr als eine technische Modernisierung. Er ist die Grundlage für die digitale Wettbewerbsfähigkeit des Standorts Deutschland. Leistungsstarke Netze sind Voraussetzung für Zukunftstechnologien wie Künstliche Intelligenz (AI) und die Industrie 4.0. Die Pandemie hat zudem die Bedeutung stabiler Infrastruktur für Homeoffice und digitale Dienste verdeutlicht. Besonders in ländlichen Regionen ist der Nachholbedarf groß, um gleichwertige Lebensverhältnisse zu sichern und Produktivitätsverluste zu vermeiden.
Die kommenden Jahre werden zum Wettlauf gegen die Zeit. Mit den Fördergeldern und regulatorischen Vorgaben ist der politische Wille da. Die größte Herausforderung liegt nun in der schnellen und effizienten Umsetzung vor Ort.

