Deutsche Exporte trotzen US-Zöllen – doch die Last bleibt
09.02.2026 - 04:21:12Deutschlands Exportwirtschaft zeigt sich widerstandsfähig, kämpft aber weiter mit den Folgen der US-Handelspolitik. Die EU setzt auf Deeskalation und verlängert ihre Gegenmaßnahmen.
Die neuesten Handelsdaten überraschten: Trotz eines von Konflikten geprägten Jahres legten die deutschen Exporte zum Jahresende 2025 unerwartet zu. Selbst das Geschäft mit den USA wuchs im Dezember. Dieser Lichtblick täuscht jedoch nicht über die tiefen Risse hinweg, die die US-Zollpolitik in die transatlantischen Handelsbeziehungen gerissen hat. Die Europäische Union reagierte kürzlich mit einer Verlängerung der ausgesetzten Gegenmaßnahmen bis August 2026 – ein klares Signal für den Wunsch nach Entspannung.
Die Ära niedriger Handelsschranken mit den USA ist vorbei. Seit Anfang 2025 gilt ein neues, hartes Regime. Der durchschnittliche US-Importzoll für EU-Waren sprang von rund zwei auf 15 Prozent. Diese Obergrenze wurde in einer Grundsatzeinigung festgelegt. Für Schlüsselindustrien trifft es jedoch noch härter: Auf Stahl- und Aluminiumprodukte werden saftige 50 Prozent Zoll fällig. Die Folgen sind spürbar. China hat die USA bereits wieder als Deutschlands wichtigsten Handelspartner abgelöst. Die globalen Handelsströme verschieben sich.
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Widerstandsfähig, aber geschwächt
Die robusten Exportzahlen belegen die Anpassungsfähigkeit der deutschen Unternehmen. Ein befürchteter Einbruch blieb aus. Doch Experten warnen vor zu viel Optimismus. Von einer nachhaltigen Erholung kann keine Rede sein. Deutschland hat international Marktanteile verloren. Die kumulierten Kosten der Dauerkrisen – Pandemie, Ukrainekrieg und nun der Zollstreit – werden auf fast eine Billion Euro geschätzt. Die oberflächliche Stabilität der Zahlen verbirgt also tiefe strukturelle Wunden.
Unberechenbarkeit als Geschäftsrisiko
Wie volatil die US-Politik ist, zeigt ein aktuelles Beispiel: Die im August 2025 verhängten 25-Prozent-Zölle auf indische Waren wurden plötzlich wieder aufgehoben. Der Grund? Indien sagte zu, kein russisches Öl mehr zu importieren und stattdessen mehr US-Energie zu kaufen. Dies zeigt exemplarisch: Zölle sind für Washington ein flexibles Werkzeug der Außenpolitik. Für europäische Unternehmen bedeutet das pure Planungsunsicherheit. Die Regeln können sich jederzeit ändern, abhängig von geopolitischen Interessen, die nichts mit Wirtschaft zu tun haben.
EU-Strategie: Stabilität um jeden Preis?
Die EU setzt eindeutig auf Beschwichtigung. Durch die Aussetzung von Vergeltungsmaßnahmen reagiert sie auf die US-Zusage der 15-Prozent-Obergrenze. Eine weitere Eskalation wird so verhindert. Doch der Preis ist hoch: Das hohe Zollniveau wird zementiert. Während eine Handelskriegsspirale vermieden wird, zahlen die europäischen Exporteure die Rechnung. Analysten fragen: Kauft die EU kurzfristige Stabilität mit dauerhaften Wettbewerbsnachteilen?
Ausblick: Anpassung als Überlebensstrategie
Für deutsche Exporteure bleiben die USA 2026 ein zentraler, aber schwieriger Markt. Die hohen Zollbelastungen, besonders für den Mittelstand im Maschinenbau, bleiben. Eine minimale Hoffnung gibt es: Der US Supreme Court prüft die Rechtmäßigkeit einiger unter Notstandsgesetzen verhängter Zölle. Ein Urteil könnte für neue Bewegung sorgen. Bis dahin bleibt den Unternehmen nur die fortgesetzte Anpassung: Lieferketten diversifizieren, Risiken streuen und flexibel bleiben. In einer unberechenbaren Handelslandschaft wird Agilität zum entscheidenden Wettbewerbsvorteil.


