USA, Dänemark

Angriff oder Kauf: Widersprüchliche US-Signale zu Grönland

07.01.2026 - 05:29:30

Trump will Grönland - und das schon seit Jahren. Doch es ist unklar, wie genau die USA Kontrolle über die Insel erlangen wollen. Die US-Regierung sendet unterschiedliche Signale.

Im Streit um das zum Königreich Dänemark gehörende Grönland sendet die US-Regierung widersprüchliche Signale: Das Weiße Haus schließt einen Militäreinsatz ausdrücklich nicht aus, während der Außenminister Berichten zufolge von einem Kauf der autonomen Arktisinsel spricht. Die US-Regierung hat ihre Drohungen in der Sache zuletzt massiv verstärkt - sehr zum Ärger der europäischen Nato-Partner. 

Präsident Donald Trumps Sprecherin Karoline Leavitt erklärte zum amerikanischen Anspruch auf Grönland am Dienstagabend (Ortszeit): «Der Präsident und sein Team erörtern eine Reihe von Optionen, um dieses wichtige außenpolitische Ziel zu erreichen, und selbstverständlich steht dem Oberbefehlshaber der Einsatz des US-Militärs jederzeit als Option zur Verfügung.»

Trump soll neuen Plan zum Ankauf Grönlands verlangt haben

Außenminister Marco Rubio, der aktuell auch Trumps Nationaler Sicherheitsberater ist, sagte Medienberichten zufolge in einer vertraulichen Sitzung mit US-Abgeordneten, dass die jüngsten Drohungen keine militärische Invasion signalisieren sollten. Das Ziel sei ein Kauf Grönlands, berichteten das «Wall Street Journal» und die «New York Times» unter Berufung auf mit der Angelegenheit vertraute Personen. Die Sitzung fand am Montag statt.

Unter Berufung auf Beamte berichtete die «New York Times» weiter, dass Präsident Donald Trump seine Mitarbeiter um die Vorlage eines aktualisierten Plans für einen Erwerb der Insel gebeten habe. Trump hatte einen solchen Plan bereits während seiner ersten Amtszeit ins Spiel gebracht. 

Dänemark und Europäer wehren sich gegen US-Vorstöße 

Dänemark hat den US-Anspruch auf Grönland und die militärischen Drohungen entschieden zurückgewiesen. Regierungschefin Mette Frederiksen sagte: «Wenn die USA ein anderes Nato-Land angreifen, dann hört alles auf.» Das wäre das Ende des westlichen Verteidigungsbündnisses und damit auch der seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs bestehenden Sicherheitsarchitektur.

In einer gemeinsamen Erklärung machten Deutschland, Frankreich, Italien, Polen, Spanien, Großbritannien und Dänemark am Dienstag klar: Grönland gehört den Grönländern. «Es ist allein Sache Dänemarks und Grönlands, über Angelegenheiten zu entscheiden, die Dänemark und Grönland betreffen», hieß es in der auch von Bundeskanzler Friedrich Merz unterzeichneten Erklärung. Auch die Regierung in Grönland, wo nur rund 57.000 Menschen leben, lehnt die Begehrlichkeiten der US-Regierung ab.

Gegenwind auch im US-Kongress

Im US-Kongress gibt es in der Sache ebenfalls vereinzelt Kritik an Trumps Regierung. Die demokratische Senatorin Jeanne Shaheen und der republikanische Senator Thom Tillis, beide Mitglieder im Auswärtigen Ausschuss, teilten mit: Wenn Dänemark und Grönland klarstellten, dass die Insel nicht zum Verkauf stehe, müssten die USA ihre Vertragsverpflichtungen einhalten und die Souveränität des Königreichs Dänemark respektieren.

Trump verweist bei seinen Grönland-Besitzansprüchen immer wieder auch auf China und Russland. Wenn man sich Grönland entlang der Küste anschaue, sehe man überall russische und chinesische Schiffe, meint er. Es gehe nicht um Mineralien oder Öl, davon hätten die USA selbst genug. Die USA bräuchten Grönland für ihre nationale Sicherheit, argumentiert er. Trumps jüngste Äußerungen dazu folgten auf den US-Militäreinsatz in Venezuela und die weltweite Sorge, er könnte seinen Blick nun auch auf weitere Regionen werfen.

Klimawandel verstärkt Bedeutung Grönlands

Die größte Insel der Welt liegt zwischen den USA, Russland und Europa und ragt weit in den Polarkreis hinein. Aufgrund des Klimawandels wird die Arktis zunehmend für die zivile und militärische Schifffahrt interessant. Zudem werden in Grönland auch Vorkommen wichtiger Mineralien, darunter seltene Erden, vermutet. Seltene Erden stecken in allerlei täglichen Gebrauchsgegenständen wie Smartphones, Laptops und Fernsehern.

Trump hatte bereits 2019 in seiner ersten Amtszeit einen Besitzanspruch auf Grönland geäußert und wollte die Insel für die USA kaufen. Die Dänen hatten zunächst an einen Scherz geglaubt. Seitdem hat der US-Präsident seine Ansprüche auf die Arktisinsel mehrfach erneuert und dabei auch militärische Gewalt nicht ausgeschlossen, um Grönland unter seine Kontrolle zu bringen.

USA unterhalten in Grönland Militärstützpunkt 

Die USA haben schon jetzt weitgehende Rechte, die Insel zur eigenen Verteidigung zu nutzen - unter anderem durch ein Verteidigungsabkommen von 1951. Im abgeschiedenen Pituffik, etwa 1.500 Kilometer nördlich der Hauptstadt Nuuk, betreibt das US-Militär seit langem einen Militärstützpunkt. Dieser unterstützt Raketenwarnsysteme sowie Raketenabwehr- und Weltraumüberwachungsmissionen.

Grönland war bis 1953 eine Kolonie Dänemarks, hat aber seit 1979 immer größere Selbstverwaltungsrechte erhalten und ist inzwischen weitgehend autonom. Über Bereiche wie Außen- und Verteidigungspolitik entscheidet weiter Dänemark - durch die Anbindung an das Königreich ist Grönland auch Teil der Nato.

@ dpa.de

Weitere Meldungen

Grönland: Schneider warnt vor Ausbeutung von Rohstoffen Bundesumweltminister Carsten Schneider (SPD) hat mit Blick auf neue Konflikte um fossile Energien und Bodenschätze mehr Resilienz angemahnt.Zu den US-Plänen für eine Annexion Grönlands sagte Schneider der "Rheinischen Post": "Wir können froh sein, dass es noch Gebiete auf der Welt gibt, die nicht ausgebeutet werden. (Ausland, 10.01.2026 - 12:42) weiterlesen...

Laschet: Kein militärischer Beistand für Dänemark gegen die USA Der CDU-Außenpolitiker Armin Laschet hat dazu aufgerufen, die USA auf diplomatischem Weg von einem Griff nach Grönland abzubringen."Wir müssen den Amerikanern in diplomatischen Gesprächen deutlich machen, dass ein militärisches Vorgehen gegen ein kleines Nato-Land das letzte Vertrauen in die Allianz zerstören würde", sagte der frühere Parteivorsitzende und Kanzlerkandidat der Union den Zeitungen der Funke-Mediengruppe.Ein Ende der Nato könne nicht im Interesse Washingtons sein. (Ausland, 10.01.2026 - 11:57) weiterlesen...

Grönlands Politik: Wollen keine Amerikaner sein. Das wird nicht nur in Kopenhagen abgelehnt. Nato-Partner sind besorgt. US-Präsident Trump will das offiziell zu Dänemark gehörende Grönland unter seine Kontrolle bringen. (Ausland, 10.01.2026 - 05:26) weiterlesen...

Grönlands Parteichefs: Wir wollen keine Amerikaner sein. Das lehnt nicht nur Kopenhagen ab. Auch Grönlands Parteichefs sind sich in dieser Frage einig. US-Präsident Trump will das offiziell zu Dänemark gehörende Grönland unter seine Kontrolle bringen. (Ausland, 10.01.2026 - 02:55) weiterlesen...

Trump besteht auf Grönland und warnt vor Russland und China. Nun behauptet er: Wenn die USA es nicht täte, würden andere Länder Grönland einnehmen. Trump will die größte Insel der Erde unter seine Kontrolle bringen. (Ausland, 09.01.2026 - 23:11) weiterlesen...

Sorge um Grönland: Nato-Staaten werben für Arktis-Einsatz. Nato-Partner sind besorgt. US-Präsident Donald Trump will die größte Insel der Erde unter seine Kontrolle bringen. (Ausland, 09.01.2026 - 18:13) weiterlesen...