Wenn Jugendliche seelisch kämpfen: Orientierung für Eltern in der dunklen Jahreszeit
28.01.2026 - 11:47:01Gerade in den Wintermonaten kann sich diese Unsicherheit verstärken. Weniger Tageslicht, fehlende Ablenkung, das Ende der Feiertage und der Druck eines neuen Jahres wirken auf viele Jugendliche belastend. Veränderungen, die zuvor kaum auffielen, werden nun sichtbarer. Für Eltern lohnt es sich deshalb, genauer hinzuschauen und Signale ernst zu nehmen.
Woran Eltern erkennen können, dass es mehr als Pubertät ist
Nicht jede schlechte Phase ist gleich ein Alarmsignal. Entscheidend ist, ob Veränderungen über längere Zeit anhalten, sich verstärken oder mehrere Lebensbereiche gleichzeitig betreffen. Bestimmte Entwicklungen sollten Eltern aufmerksam machen.
Rückzug aus Beziehungen: Wenn Jugendliche sich zunehmend von Familie und Freunden abkapseln, Einladungen meiden oder kaum noch Interesse an sozialen Kontakten zeigen, kann das auf innere Überforderung hinweisen – besonders, wenn dieses Verhalten neu ist oder deutlich zunimmt.
Anhaltende Gereiztheit oder emotionale Ausbrüche: Starke Reaktionen ohne klaren Anlass, häufige Wutausbrüche oder eine dauerhaft negative Grundstimmung können Ausdruck von Druck, Hilflosigkeit oder innerer Anspannung sein.
Veränderungen bei Schlaf und Ernährung: Sehr unregelmäßiger Schlaf, extremes Ausschlafen oder Schlaflosigkeit sowie auffällige Veränderungen im Essverhalten sind mögliche Zeichen psychischer Belastung, wenn sie nicht nur kurzfristig auftreten.
Interessenverlust: Aktivitäten, die früher wichtig waren, verlieren plötzlich an Bedeutung. Wenn Jugendliche kaum noch Freude empfinden und sich von Hobbys oder Bewegung zurückziehen, kann das ein Hinweis auf seelische Erschöpfung sein.
Körperliche Symptome ohne klare Ursache: Wiederkehrende Kopf-, Bauch- oder Gliederschmerzen können darauf hindeuten, dass sich psychischer Stress körperlich äußert.
Eltern als sichere Begleiter – nicht als Problemlöser
Wer Veränderungen beim eigenen Kind bemerkt, fühlt sich oft verantwortlich, sofort etwas tun zu müssen. Viele Eltern setzen sich unter Druck, die richtige Erklärung oder Lösung zu finden. Dabei ist es wichtig, die eigene Rolle realistisch einzuordnen. Eltern müssen keine Diagnosen stellen oder alles sofort klären.
Für Jugendliche ist es häufig schon entlastend zu erleben, dass ihre Gefühle wahrgenommen werden. Zuhören, präsent sein und Verlässlichkeit zeigen kann mehr bewirken als gut gemeinte Ratschläge. Auch Unsicherheit darf benannt werden. Sätze wie „Ich sehe, dass es dir gerade nicht gut geht“ oder „Ich bin da, auch wenn ich nicht alles verstehe“ schaffen Nähe und Vertrauen. Diese Haltung gibt Halt, selbst wenn es keine schnellen Antworten gibt.
Fünf Impulse, die Jugendlichen im Winter Stabilität geben können
1. Druck rausnehmen
Der Jahresanfang ist oft mit Erwartungen verbunden: neue Ziele, bessere Stimmung, mehr Leistung. Für Jugendliche kann dieser Anspruch zusätzlich belasten. Es hilft, bewusst zu vermitteln, dass niemand sofort funktionieren oder motiviert sein muss. Kleine Schritte sind ausreichend.
2. Rückzug zulassen, Kontakt halten
Alleinsein kann regulierend wirken. Wichtig ist, diesen Raum zu respektieren, ohne die Verbindung ganz zu verlieren. Kleine Zeichen wie eine kurze Nachfrage, ein gemeinsames Essen oder ein stilles Zusammensein signalisieren Nähe ohne Zwang.
3. Medienkonsum bewusst gestalten
Soziale Netzwerke verstärken Vergleiche, besonders in Phasen niedriger Stimmung. Statt Verbote auszusprechen, sind gemeinsame Absprachen sinnvoll. Feste Zeiten ohne Bildschirm können entlasten und Raum für andere Reize schaffen.
4. Mitbestimmung ermöglichen
Wer sich innerlich überfordert fühlt, erlebt oft Kontrollverlust. Jugendliche profitieren davon, wenn sie Entscheidungen mitgestalten dürfen – sei es beim Tagesablauf, bei Freizeitaktivitäten oder kleinen Alltagsfragen. Selbst kleine Wahlmöglichkeiten stärken das Gefühl von Selbstwirksamkeit.
5. Bewegung niedrigschwellig einbauen
Bewegung kann Spannungen abbauen und Stimmung regulieren, ohne Leistungsdruck. Spaziergänge, kurze Auszeiten an der frischen Luft oder lockere Aktivitäten helfen, wieder ins Spüren zu kommen.
Was Fachkräfte immer wieder beobachten
Menschen, die mit Jugendlichen arbeiten, betonen zwei zentrale Faktoren: emotionale Anerkennung und verlässliche Strukturen. Jugendliche brauchen nicht ständig Lösungen, sondern das Gefühl, mit ihren Empfindungen ernst genommen zu werden. Gefühle müssen nicht bewertet oder relativiert werden, um Halt zu geben.
Gleichzeitig wirkt ein überschaubarer Rahmen stabilisierend. Regelmäßige Schlafzeiten, gemeinsame Mahlzeiten oder feste Rituale geben Orientierung, besonders wenn innere Unruhe zunimmt. Struktur bedeutet dabei nicht Strenge, sondern Verlässlichkeit.
Viele Jugendliche suchen vor allem einen Ort, an dem sie nicht stark sein müssen. Eltern, die ruhig bleiben, ansprechbar sind und auch schwierige Phasen aushalten, schaffen genau diesen Raum. Das kann entlasten – ersetzt jedoch keine professionelle Unterstützung, wenn sich Belastungen verfestigen.
Wann externe Unterstützung sinnvoll ist
Wenn sich auffällige Veränderungen über Wochen oder Monate halten, sich verschärfen oder den Alltag deutlich beeinträchtigen, sollten Eltern nicht zögern, fachlichen Rat einzuholen. Anlaufstellen sind etwa Psychologen, Beratungsstellen oder Fachkräfte im Kinder- und Jugendbereich.
Hilfe anzunehmen ist kein Zeichen von Versagen, sondern von Verantwortung. Frühzeitige Unterstützung kann verhindern, dass sich seelische Probleme verfestigen, und Jugendlichen helfen, wieder mehr Stabilität und Orientierung zu finden.
Über Tamara Scherer:
Tamara Scherer ist Psychologin, Psychotherapeutin und Gründerin von TherapeutenWEGE. Sie begleitet Fachpersonen aus dem therapeutischen Bereich dabei, ihre berufliche Weiterentwicklung und die Gestaltung passender Angebote umzusetzen, sichtbar zu werden und ihre Lebensqualität sowie die ihrer Klienten nachhaltig zu verbessern. Mit ihrer Erfahrung aus klinischen Leitungsfunktionen und als Mentorin verbindet sie wissenschaftliche Fundierung mit Verkaufspsychologie und Praxisnähe. Mehr Informationen finden sie unter: https://tamarascherer-mentoring.com/
Fachliche Impulse für diesen Beitrag stammen zudem aus der praktischen Arbeit mit Jugendlichen im stationären und ambulanten Kontext, unter anderem aus dem Umfeld von Caremeleon, einem interprofessionelles Angebot für Jugendliche mit psychischen Belastungen. Weitere Informationen: https://tamarascherer-mentoring.com/ und https://caremeleon.ch/
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Ruben Schäfer
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