Lisa Schulte hat Wunschliste für Olympia
30.01.2026 - 13:00:00Natürlich weiß Lisa Schulte ganz genau, dass Olympische Spiele kein Wunschkonzert sind. Trotzdem äußert die 25 Jahre alte Österreicherin zwei Punkte, die sie gerne in Cortina d'Ampezzo erleben würde. "Eine Medaille ist mein Ziel", sagt die Rodlerin. Und Punkt zwei? "Es wäre cool, wenn ich Mikaela Shiffrin über den Weg laufen würde und wir kurz quatschen könnten", verrät Schulte. Wunsch eins ist nachvollziehbar, aber was hat es mit der Nummer zwei, dem Treffen mit der zweifachen Olympiasiegerin und achtfachen Ski-Weltmeisterin aus den USA auf sich? "Mikaela ist für mich ein großes Vorbild", sagt die Frau mit den blonden Lockenhaaren. Umgehend liefert sie die Begründung hinterher: "Abgesehen von ihren skifahrerischen Qualitäten finde ich ihre mentale Stärke sehr beeindruckend, wie sie mit den Erwartungen und dem Druck umgeht. "Nach außen wirkt es so, dass sie extrem bei sich ist. Das ist sicher die Basis ihres großartigen Erfolgs. Und sie kommt in der Öffentlichkeit sehr sympathisch und ehrlich rüber." Die Chancen auf eine Begegnung schätzt Schulte trotzdem als gering ein: "Sie hat ihr eigenes Programm. Zudem ist sie doch einiges bekannter als ich." Die Österreicherin befürchtet, dass außer ihr noch mehr Olympiastarter denselben Wunsch haben wie sie.
An ihrer mentalen Stärke arbeitet Lisa Schulte schon seit einiger Zeit. Im vergangenen Sommer hat die 1,76 Meter große Athletin das Rennen bei den Olympischen Spielen schon einmal mit ihrem Coach durchgesprochen. Denn im Gegensatz zu den Entscheidungen im Weltcup wird nicht in zwei, sondern in vier Durchgängen über die Platzierungen entschieden. Zwischen Lauf zwei und drei liegt eine Nacht. "Nach dem ersten Tag muss man runterkommen und den Kopf freibekommen", sagt die Weltmeisterin von 2024, "und am zweiten Tag fängt es neu an." Das ist leichter gesagt als getan. Deshalb passt gut, was Schulte, die bislang ein Weltcuprennen gewonnen hat, ergänzt: "Bei Olympia passieren immer komische Dinge." Ihr Erfolgsrezept: "Vier konstante Läufe." Ihr kommt möglicherweise ihre Sympathie für die neu gestaltete Bahn in Cortina entgegen: "Die Bahn ist nicht besonders schnell, stellt aber gewisse Ansprüche. Ich mag Bahnen mit einem feineren Flow."
Ungewöhnlich ist auch das Leben der 25-Jährigen verlaufen. Geboren wurde sie in Deutschland, in Regensburg. Mit zwei Jahren siedelte Familie Schulte nach Nordrhein-Westfalen um. Nach sieben Jahren nahm ihr Vater einen Job in Tirol an. Seitdem ist das Stubaital ihre Heimat. "In der Grundschule hat eine Freundin gesagt, dass Rodeln megacool sei und ich das unbedingt probieren solle", berichtet Schulte, "dabei wusste ich damals gar nicht, was Rodeln ist." Die Freundin hatte recht, Lisa Schulte war sofort Feuer und Flamme, denn, dazu bekennt sie sich heute gerne, "Speed und Adrenalin sind meine Passion". Im Vorfeld der Youth Olympic Games 2016 in Lillehammer, bei denen ihr Bruder Bastian Vierter geworden war, nahm die Familie Schulte die österreichische Staatsbürgerschaft an.
Im Winter im Eiskanal unterwegs, im Sommer auf der Straße. Lisa Schulte lebt die Passion Speed und Adrenalin intensiv. Von ihrem Vater darf sie sich dessen Motorrad ausleihen. "Wenn's sich ausgeht, dann drehe ich gerne eine Runde", erzählt sie. Manchmal geht aber auch die Familie gemeinsam auf Tour. "Natürlich fahren wir Pässe rauf und runter", sagt sie, "gerne nach Italien auf einen Kaffee."
Doch es gibt auch noch eine andere, ruhige Seite bei Lisa Schulte. Sie kocht und backt sehr gerne, auch töpfern nennt sie als Hobby. Gerne geht sie auch auf Reisen. Wichtig sind ihr aber die Treffen mit Freunden, "leider fehlt es mir an der Zeit, gerade im Winter, wenn wir viel unterwegs sind".
Als ehrlich, empathisch und zielstrebig charakterisiert sich Lisa Schulte selbst. Zumindest zwei Eigenschaften sind hilfreich, dass mindestens einer ihrer beiden Wünsche für die Olympischen Spiele in Erfüllung gehen können.
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