Auftakt in die «Todesgruppe»: DHB-Team heiß auf Revanche
21.01.2026 - 08:21:04Beim gemütlichen Teamabend in einem Restaurant in Silkeborg wollten Deutschlands Handballer die letzte Ruhe vor dem großen Knall genießen. Keine Kameras, kein Lärm, dafür leckeres Essen und entspannte Gespräche. Noch einmal Kraft tanken vor dem Hauptrundenstart am Donnerstag gegen Dänemark, das beste Team der Welt. Doch der Abend verlief anders als gedacht.
Die erwartete «Hölle von Herning» mit einer roten Wand aus 15.000 Fans dürfte sich wie schon in den Vorrundenspielen in ein schwarz-rot-goldenes Fahnenmeer verwandeln. Denn nicht der Co-Gastgeber aus dem Norden ist der Gegner. Sondern der WM-Vierte Portugal, der den Olympiasieger entzauberte und ihm die erste Niederlage in Herning seit 2014 zufügte.
«Das war schon überraschend. Es gab lecker Steak bei uns und ein paar Handys liefen. Wir sind auf keinen Fall satt. Wir haben jetzt richtig Feuer gefangen», sagte Kreisläufer Justus Fischer über seinen Titelhunger. Bundestrainer Alfred Gislason, der sich voll auf Dänemark eingestellt hatte, warnte vor dem Brüder-Duo Francisco und Martim Costa und berichtete: «Es hat mich einige Stunden Arbeit gekostet, umzuschalten auf Portugal.»
Ungewohnte Anwurfzeit: DHB-Team macht Spaziergang
Die DHB-Auswahl kann somit gleich zum Auftakt der zweiten Turnierphase Revanche nehmen für die bittere Niederlage im WM-Viertelfinale 2025. Durch das 30:31 nach Verlängerung hatte Deutschland damals seine Medaillenchance eingebüßt - trotz einer Gala-Vorstellung von Torhüter Andreas Wolff. «Es ist präsent, aber spornt uns an, dass wir es dieses Mal besser machen möchten», sagte Fischer.
Eine Umstellung für das DHB-Team bringt die frühe Anwurfzeit um 15.30 Uhr (ARD/Dyn). «Wir werden morgens auf die übliche Aktivierung verzichten. Wir werden einen Spaziergang machen und auf das Pre-Match-Meal verzichten, weil wir schon gegen 13 Uhr Richtung Halle aufbrechen», erklärte DHB-Teammanager Benjamin Chatton, nachdem Deutschland bislang immer um 20.30 Uhr gespielt hatte.
«Hitchcock-Klassiker im Zwei-Tages-Rhythmus»
Dass auf der deutschen Pressekonferenz am Vortag nur über die dänischen Überflieger gesprochen wurde und weder Spieler noch DHB-Verantwortliche Portugal als Auftaktgegner in Erwägung zogen, verdeutlicht die kleine Handball-Sensation.
Nach dem Duell mit den Südeuropäern wartet am Samstag Norwegen. Dann Dänemark am Montag, bevor es zum Hauptrundenabschluss am Mittwoch gegen Titelverteidiger Frankreich geht. «Das macht unsere Gruppe nicht nur wahrscheinlich zur schwersten Hauptrunde seit vielen Jahren, sondern zur absoluten Todesgruppe und verspricht Hitchcock-Klassiker im Zwei-Tages-Rhythmus», sagte Chatton.
Heißt: Jedes Spiel ein Thriller, körperliche Dauerbelastung und dramatische Spielverläufe. Deutschland bestimmt selbst, ob es lieber einen Horrorstreifen dreht oder einen Psychokrimi mit Happy End. «Die Handball-Fans in Europa und auf der Welt können sich auf Top-Begegnungen freuen. Für alle Beteiligten heißt das intensive Tage», betonte Chatton.
Gislason hatte die Konstellation unabhängig von der Reihenfolge der Gegner schon vorab so zusammengefasst: «Jetzt kommen nur noch Endspiele.»
Knorr: Es könnte eine schöne Geschichte werden
Mut macht Deutschland die Leistungssteigerung zum Vorrundenabschluss gegen Spanien. Der nervenstarke Auftritt des Olympia-Zweiten im Alles-oder-Nichts-Spiel hat neue Kräfte freigesetzt. Anstatt nach dem Ausrutscher gegen Serbien die Hauptrunde vor dem Fernseher in Deutschland zu verfolgen, startet man mit der bestmöglichen Punkteausbeute in die Knaller-Duelle.
«Wir haben alle Extreme, die im Sport passieren können, kennengelernt in der Vorrunde. Wir lagen am Boden, sind aber aufgestanden», sagte Sportvorstand Ingo Meckes. Nachdem gefühlt halb Deutschland die Mannschaft nach der Serbien-Pleite schon abgeschrieben hatte, befand Spielmacher Juri Knorr: «Es könnte eine schöne Geschichte werden.»
Die deutsche Riege ist optimistisch. Das Problem: Portugal dürfte nach seinem Sieg gegen Weltmeister Dänemark vor Selbstvertrauen strotzen wie selten zuvor. «Wir kennen Deutschland. Sie haben einen der besten Torhüter und eine starke Abwehr. Aber wir wissen, was wir zu tun haben», sagte Rückraumspieler Martim Costa mit Blick auf den WM-Krimi vor zwölf Monaten. «Es wird für uns ein Endspiel werden wie heute», stellte der Portugiese klar.









