Zalando-Standort, Erfurt

Zalando-Standort Erfurt: Gewerkschaft droht mit teurer Schließung

30.01.2026 - 07:22:12

Die Gewerkschaft Verdi will die Schließung des Zalando-Logistikzentrums in Erfurt für den Konzern teuer machen und kämpft für hohe Abfindungen. Die Landesregierung hat eine Task Force eingerichtet.

Die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi will die angekündigte Schließung des Zalando-Logistikzentrums in Erfurt für den Konzern „so teuer wie möglich“ machen. Damit beginnt ein zäher Kampf um die Zukunft von rund 2.700 Beschäftigten.

Die Ankündigung des Online-Modehändlers Anfang Januar traf die Belegschaft und die Politik völlig unvorbereitet. Zalando begründet den Schritt bis Ende September mit einem notwendigen Umbau seines europäischen Logistiknetzwerks. Für viele Mitarbeiter, die seit der Eröffnung 2012 dort arbeiten, ist es ein Schlag ins Gesicht. Alle Augen richten sich nun auf die anstehenden Sozialplanverhandlungen.

Verdi geht in die Offensive

Mit ihrer klaren Kampfansage stellt sich die Gewerkschaft hinter die verunsicherte Belegschaft. Das Ziel sei, „akzeptable Abfindungen“ auszuhandeln, so Torsten Furgol von Verdi. Seit der Schließungsankündigung verzeichnete die Gewerkschaft rund 50 Neueintritte von Zalando-Mitarbeitern, die rechtlichen Beistand suchen.

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Auch der Betriebsrat übte scharfe Kritik. Man fühle sich nicht ausreichend informiert, um Verhandlungen zu führen, und werfe dem Management vor, seinen Informationspflichten nicht nachgekommen zu sein. Betriebsratsvorsitzender Tony Krause kündigte an, für den Erhalt des Standorts zu kämpfen. Inklusive Zeitarbeit und Dienstleistern seien sogar über 3.000 Jobs bedroht.

Warum schließt Zalando in Erfurt?

Offiziell ist der 2012 eröffnete Standort nicht mehr „kompatibel“ mit den künftigen Anforderungen. Diese Erklärung stößt auf Unverständnis. Verdi-Gewerkschaftssekretär Matthias Adorf wirft dem Konzern vor, die Belegschaft bewusst nach dem anstrengenden Weihnachtsgeschäft vor vollendete Tatsachen gestellt zu haben.

Die Gewerkschaft vermutet rein profitgetriebene Motive. Während das älteste Logistikzentrum in Erfurt schließt, baut Zalando gleichzeitig ein neues in Gießen auf. Die Interessen der Aktionäre scheinen über denen der Beschäftigten zu stehen – obwohl der Konzern einst Millionen an staatlichen Subventionen für die Schaffung dieser Arbeitsplätze erhielt.

Politik reagiert mit „Task Force“

Die drohende Massenentlassung hat die Thüringer Landesregierung auf den Plan gerufen. Der ehemalige Ministerpräsident Bodo Ramelow sprach von „Raubtierkapitalismus“. Als Reaktion haben Wirtschafts- und Arbeitsministerium eine „Task Force Zalando“ ins Leben gerufen.

Diese soll Arbeitsvermittlung, Standortentwicklung und die Suche nach neuen Investoren für das Gelände bündeln. Die Landesregierung äußert den Verdacht, dass Arbeitnehmerrechte im Vorfeld nicht ausreichend gewahrt wurden. Die Agentur für Arbeit bietet bereits jetzt Beratung direkt im Unternehmen an.

Ein Symbol des Wandels im E-Commerce

Die Schließung ist mehr als eine betriebswirtschaftliche Entscheidung. Sie steht symbolisch für den rasanten Wandel in der Branche. Standorte, die vor einem Jahrzehnt als hochmodern galten, werden heute im Zuge von Automatisierung und Effizienzdenken neu bewertet.

Einst begleitete Erfurt den Aufstieg Zalando vom Berliner Start-up zum europäischen Marktführer. Nun wirft der Schritt kritische Fragen zur sozialen Verantwortung von Konzernen auf, die von öffentlicher Förderung profitiert haben. Die Strategie von Verdi, die Kosten der Schließung in die Höhe zu treiben, ist ein gängiges Mittel, um den bestmöglichen Ausgleich für die Mitarbeiter zu erreichen.

Was kommt auf die Beschäftigten zu?

Die kommenden Wochen werden von intensiven Verhandlungen geprägt sein. Zalando hat zugesagt, die Gespräche „fair und respektvoll“ zu führen. Ob Worten Taten folgen, bleibt abzuwarten. Im Raum steht das Angebot, sich auf Stellen im neuen Logistikzentrum in Gießen zu bewerben. Für viele in Erfurt verwurzelte Familien ist das jedoch keine realistische Option.

Die Task Force der Landesregierung wird eine Schlüsselrolle spielen müssen, um alternative Perspektiven in der Region zu schaffen. Für die Beschäftigten und ihre Familien hat eine Zeit der Ungewissheit begonnen. Ihr Ausgang hängt maßgeblich vom Verhandlungsgeschick des Betriebsrats und dem Druck der Gewerkschaft ab.

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