Zalando-Entscheidung: Erfurter Logistikzentrum vor dem Aus
17.02.2026 - 20:41:11Nach Wochen des Schweigens gibt es erste Gespräche über die Schließung des Zalando-Standorts in Erfurt. Der Betriebsrat fordert eine lückenlose wirtschaftliche Begründung für den Wegfall von 2.700 Arbeitsplätzen.
Die Ankündigung des Online-Modehändlers im Januar, das Logistikzentrum bis Ende September 2026 zu schließen, traf die Region wie ein Schlag. Zalando begründet den Schritt mit einer notwendigen Umstrukturierung nach der Übernahme des Konkurrenten About You. Für die Beschäftigten beginnt nun eine kritische Phase.
Betriebsrat stellt Management zur Rede
Erstmals sitzen die Parteien am Verhandlungstisch. Der Betriebsrat hat einen umfassenden Fragenkatalog erstellt, um die strategischen Gründe für die Schließung zu prüfen. Ziel ist es, „Zahlen, Daten und Fakten“ zu erhalten, die die Entscheidung des Konzerns nachvollziehbar machen.
Unterstützt von externen Beratern will die Arbeitnehmervertretung auf dieser Basis mögliche Alternativen zur vollständigen Schließung ausloten. Erst danach sollen Verhandlungen über einen Sozialplan beginnen. Das Management bekräftigte indes, an der Entscheidung festzuhalten.
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Politischer Druck aus dem Thüringer Landtag
Die Schließung sorgt im Landtag für parteiübergreifende Unruhe. Oppositionsparteien wie Die Linke und das Bündnis Sahra Wagenknecht (BSW) kritisieren den Schritt als Skandal – vor allem, weil die Ansiedlung 2012 mit erheblichen staatlichen Subventionen gefördert wurde.
Auf Druck aus dem Parlament hat die Landesregierung eine Task Force eingerichtet. Sie soll sich mit den Folgen der Schließung befassen und Lösungen für die Mitarbeiter erarbeiten. Der politische Druck bleibt hoch, um den wirtschaftlichen Schaden für die Region zu begrenzen.
Jobmesse als erste konkrete Hilfe
Während die Verhandlungen laufen, werden erste praktische Hilfsangebote organisiert. Eine zentrale Maßnahme ist eine Jobmesse am 26. Februar im Erfurter Steigerwaldstadion. Sie richtet sich besonders an die rund 500 Mitarbeiter, deren befristete Verträge bald auslaufen.
Rund 60 Arbeitgeber aus der Region werden erwartet. Sie bieten offene Stellen in Logistik, Einzelhandel, Pflege, Gastronomie und Handwerk an. Die Messe ist ein wichtiges Signal: Die Region will die qualifizierten Fachkräfte halten.
Strategische Neuausrichtung mit sozialen Folgen
Die Schließung ist Teil einer größeren strategischen Neuausrichtung Zalandos. Nach der About-You-Übernahme will der Konzern sein europäisches Logistiknetz optimieren und effizienter machen. Für Erfurt, wo Zalando der größte private Arbeitgeber ist, bedeutet der Verlust von 2.700 Jobs jedoch eine massive Herausforderung.
Die Taktik des Betriebsrats, erst die wirtschaftliche Begründung einzufordern, ist klug. Sie stärkt die Verhandlungsposition für alle folgenden Gespräche über Abfindungen und soziale Abfederung. Ob daraus echte Alternativen entstehen, wird sich in den kommenden Wochen zeigen.
Was kommt als Nächstes?
Die nächsten Wochen werden von den Gesprächen zwischen Zalando und dem Betriebsrat geprägt. Die Offenlegung der wirtschaftlichen Daten durch das Unternehmen ist der entscheidende nächste Schritt. Davon hängt ab, ob über Alternativen diskutiert wird oder der Fokus nur auf einem Sozialplan liegt.
Der Erfolg der Jobmesse wird ein erster Indikator sein, wie gut der regionale Arbeitsmarkt die Arbeitskräfte aufnehmen kann. Die Lage für die 2.700 Mitarbeiter bleibt angespannt. Doch die jüngsten Entwicklungen zeigen: Die Auseinandersetzung um die Zukunft des Standorts ist in ihre entscheidende Phase getreten.
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