Zalando: Betriebsrat blockiert Sozialplan-Gespräche in Erfurt
07.02.2026 - 02:33:12Der Betriebsrat verweigert die Verhandlungen über einen Sozialplan und fordert stattdessen lückenlose Transparenz über die Schließungsgründe. Die Konfrontation um das Logistikzentrum mit 2.700 Jobs eskaliert.
Die angekündigte Schließung des Zalando-Logistikzentrums in Erfurt entwickelt sich zu einer Zerreißprobe. Nachdem das Management und der Betriebsrat in der kommenden Woche erstmals zu offiziellen Gesprächen zusammenkommen, verschärft die Arbeitnehmervertretung den Ton. Anstatt direkt in Verhandlungen über einen Sozialplan für die rund 2.700 betroffenen Mitarbeiter einzutreten, fordert der Betriebsrat zunächst eine lückenlose Aufklärung über die wirtschaftlichen Gründe für das Standort-Aus. Diese strategische Verzögerung markiert eine neue Eskalationsstufe in dem Konflikt, der die gesamte Region Thüringen in Atem hält.
Forderung nach Transparenz statt Sozialplan
Die Fronten sind verhärtet. Der Betriebsratsvorsitzende Tony Krause und sein Stellvertreter Frank Roth machten unmissverständlich klar, dass es vorerst nicht um Abfindungen oder Transfergesellschaften gehen werde. Vielmehr verlangt die Belegschaftsvertretung, unterstützt von Anwälten und Wirtschaftsprüfern, die Offenlegung aller Unterlagen, die die angebliche Unwirtschaftlichkeit des Erfurter Standorts belegen sollen.
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Im Zentrum steht der Vorwurf, nicht gesetzeskonform in die Entscheidung einbezogen worden zu sein. Man sei vor vollendete Tatsachen gestellt worden, als Zalando Anfang Januar überraschend verkündete, den Standort Ende September 2026 komplett zu schließen. Die Arbeitnehmervertretung stellt die vom Unternehmen angeführten Gründe öffentlich infrage. Während Zalando die Schließung als Teil einer strategischen Neuausrichtung des europäischen Logistiknetzwerks darstellt, verweist der Betriebsrat auf die Profitabilität des Standorts. Die Entscheidung, ausgerechnet den ältesten Standort zu schließen, während gleichzeitig ein neues, hochautomatisiertes Lager in Gießen aufgebaut wird, nährt den Verdacht, dass Erfurt einem reinen Effizienzdruck zum Opfer fällt.
Schwerer Schlag für Thüringen
Die Schließung des 2012 eröffneten Zentrums wäre ein schwerer Schlag für den Wirtschaftsstandort Erfurt. Rund 2.700 Arbeitsplätze stehen auf dem Spiel, davon etwa 500 mit befristeten Verträgen. Hinzu kommen schätzungsweise 300 weitere Jobs bei externen Dienstleistern. Die Belegschaft ist international, Mitarbeiter aus rund 70 Nationen sind betroffen.
Die Thüringer Landesregierung hat die Einrichtung einer „Task Force Zalando“ angekündigt, um die Folgen abzufedern. Politiker äußerten scharfe Kritik. Ministerpräsident Mario Voigt (CDU) bezeichnete die Entscheidung als verantwortungslos. Arbeitsministerin Katharina Schenk (SPD) forderte, dass der Großkonzern nicht zu billig davonkommen dürfe.
Ein Symbolkampf um Mitbestimmung
Der Konflikt in Erfurt geht weit über die Verhandlung eines Sozialplans hinaus. Er ist zu einem Symbol für den Kampf um die Rechte der Arbeitnehmer und gelebte Mitbestimmung geworden. Die Gewerkschaft ver.di kritisiert das Vorgehen Zalandos seit Monaten scharf und bezeichnete die Kommunikation der Schließung als „perfides Vorgehen“.
Der Betriebsrat hat angekündigt, die Schließung so lange wie möglich hinauszögern zu wollen. Statt hohe Abfindungen zu zahlen, solle das Unternehmen die Mittel lieber in den Weiterbetrieb des Standorts investieren. Die Weigerung, direkt zu verhandeln, ist ein klares Signal, dass die Arbeitnehmervertretung die Entscheidung zur Schließung selbst nicht akzeptiert.
Entscheidende Wochen stehen bevor
Die kommenden Wochen werden die Richtung für den weiteren Verlauf vorgeben. Es bleibt abzuwarten, ob Zalando die geforderten Unterlagen vorlegt und sich auf eine ernsthafte Diskussion über Alternativen einlässt. Die Konzernführung hat bisher jedoch kaum Kompromissbereitschaft signalisiert.
Für die Beschäftigten beginnt eine lange Phase der Unsicherheit. Der Fall Zalando wird somit zu einem Prüfstein dafür, wie viel die soziale Verantwortung eines digital getriebenen Dax-Konzerns gegenüber seinen langjährigen Mitarbeitern und einer ganzen Region wert ist.
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