Xiaomi: Update legt Tausende Import-Handys lahm
06.02.2026 - 00:22:11Ein Sicherheits-Update von Xiaomi hat Tausende Smartphones weltweit unbrauchbar gemacht. Betroffen sind Import-Geräte, die nun in einem endlosen Neustart-Zyklus gefangen sind.
Veröffentlicht: Freitag, 06. Februar 2026
Kategorie: Cybersicherheit
Was als Routine-Update begann, endete für viele Xiaomi-Nutzer im digitalen Albtraum. Die Auslieferung von HyperOS 3 hat zahlreiche Import-Geräte in einen sogenannten Bootloop gestürzt – ein endloser Neustart, der das Telefon unbenutzbar macht. Der Grund ist kein Programmierfehler, sondern eine bewusste Sicherheitsmaßnahme des chinesischen Herstellers gegen den Graumarkt. Das wirft grundlegende Fragen zum Geräteeigentum und zu Verbraucherrechten auf.
Aggressive Regionensperre als Ursache
Im Kern des Problems steckt ein neu implementierter Region-Lock-Mechanismus. Das aktualisierte Betriebssystem prüft streng, ob die Hardware-Region des Geräts mit der Software-Region übereinstimmt. Bei einer Abweichung – wie bei für den chinesischen Markt produzierten Telefonen mit inoffizieller Global-Software – startet das System nicht mehr.
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Betroffen sind vor allem Modelle der Reihen Redmi Note 13 Pro und POCO M6 Pro, die ursprünglich für China verkauft und später mit Global-ROMs für andere Märkte umgerüstet wurden. Xiaomi bestätigte den Vorgang und bezeichnet ihn nicht als Fehler, sondern als Durchsetzung der Nutzungsbedingungen.
Cybersicherheit in der Zwickmühle
Die Entscheidung, Geräte per Update zu deaktivieren, schafft erhebliche Sicherheitsrisiken. Nutzer verlieren nicht nur den Zugang zu ihren persönlichen Daten. Analysten warnen: Die Verzweiflung treibt viele zu inoffiziellen Reparaturlösungen. Diese können Malware einschleusen oder neue Schwachstellen öffnen.
Selbst wenn ein Gerät wiederhergestellt wird, erhält es keine wichtigen Sicherheitsupdates mehr. Es wird zur digitalen Zeitbombe. „Diese Haltung erzeugt einen neuen Typ von Elektroschrott und lässt Nutzerdaten in einer digitalen Schwebe zurück“, kommentiert ein Sicherheitsexperte.
Notlösung mit hohem Preis
Aus der Nutzer-Community kam Rettung – mit einem Haken. Betroffene können ihre Geräte durch 10 bis 15 erzwungene Neustarts in Folge zurücksetzen. Dies triggert eine Notfall-Funktion, die das System auf die vorherige stabile Version HyperOS 2.2 zurückspult.
Der Preis für diese Behelfslösung ist hoch: Nutzer müssen automatische Updates deaktivieren, um eine erneute Installation von HyperOS 3 zu verhindern. Damit verzichten sie auf alle zukünftigen Software- und Sicherheitsupdates. Das Telefon wird mit der Zeit immer angreifbarer.
Graumarkt unter Druck – Verbraucher im Fadenkreuz
Xiaomis Schritt ist Teil eines Branchentrends. Hersteller wollen ihre Vertriebskanäle enger kontrollieren. Regionensperren sind nicht neu. Doch Geräte durch ein obligatorisches Update zu „bricken“ – also unbrauchbar zu machen – gilt als besonders aggressiv.
Diese Taktik könnte den globalen Graumarkt für Smartphones ausdünnen. Bisher bot er Verbrauchern mehr Auswahl und wettbewerbsfähige Preise. Gleichzeitig stellt sie das Konzept des Geräteeigentums infrage. „Wenn ein Hersteller ein gekauftes Produkt einseitig deaktivieren kann, was bedeutet dann Eigentum noch?“, fragen Verbraucherschützer. In der EU mit ihrer starken Gesetzgebung könnte der Fall auf regulatorisches Interesse stoßen.
Ungewisse Zukunft für Nutzer und Hersteller
Die unmittelbare Zukunft der betroffenen Nutzer bleibt prekär. Der Notfall-Rollback ist nur eine Atempause. Die Community sucht nach dauerhaften Lösungen, doch inoffizielle Patches bergen hohe Risiken.
Für Xiaomi könnte der Imageschaden beträchtlich sein. Die Störung des Graumarkts könnte mit der Entfremdung eines Teils der Nutzerbasis erkauft sein. Der Vorfall ist eine deutliche Warnung an alle Verbraucher, die importierte Elektronik kaufen. Die Grenze zwischen Geräteeigentümer und bloßem Lizenznehmer verschwimmt zusehends – ein Trend, der die Tech-Branche noch lange beschäftigen wird.
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