Wirtschaftsverbände zerpflücken Regierungsprognose
29.01.2026 - 10:09:12Die deutsche Wirtschaft steuert auf ein weiteres Jahr der Stagnation zu. Führende Wirtschaftsverbände kritisieren die Politik der Ampel-Regierung scharf und fordern einen grundlegenden Kurswechsel.
Berlin – Die Bilanz ist ernüchternd: Die Bundesregierung hat ihre Wachstumsprognose für 2026 auf nur noch 1,0 Prozent gesenkt. Die Reaktionen aus der Wirtschaft fallen entsprechend harzig aus. Verbände wie der BDI und der DIHK warnen vor einer dauerhaften Schwäche und fordern sofortige strukturelle Reformen. Der am Mittwoch von Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) vorgelegte Jahreswirtschaftsbericht 2026 bestätigt damit die schlimmsten Befürchtungen.
Die Zahlen sprechen eine klare Sprache. Nach einem kaum spürbaren Plus von 0,2 Prozent im Jahr 2025 erwartet die Regierung für das laufende Jahr lediglich ein Mini-Wachstum. Die Herbstprojektion von 1,3 Prozent wurde deutlich nach unten korrigiert. Als Gründe nennt das Ministerium anhaltende strukturelle Schwächen und einen zunehmend schwierigen globalen Handel.
Passend zum Thema Investitionen und Steuerlast – viele Mittelständler wissen nicht, wie sie mit dem Investitionsabzugsbetrag (IAB) sofort Liquidität freisetzen und ihre Steuerlast mindern können. Ein kostenloser Sonder-Report erklärt praxisnah, welche Voraussetzungen gelten, wie Sie den IAB rechtssicher nutzen und welche Fallstricke Sie vermeiden müssen. Ideal für Geschäftsführer und Selbstständige, die jetzt investieren wollen, ohne die Bilanz zu belasten. Jetzt kostenlosen IAB-Report herunterladen
Deutschlands Exportmotor stottert. Die Ausfuhren, traditionell Triebkraft des Wohlstands, sollen 2026 nur um 0,8 Prozent zulegen. Besonders der Handel mit den USA leidet unter neuen Zollschranken. Gleichzeitig erhöht China als staatlich subventionierter Konkurrent in Hochtechnologie-Branchen wie dem Maschinenbau den Druck.
Scharfe Kritik aus der Wirtschaft
Die Wirtschaftsbosse lassen kein gutes Haar an der Regierungspolitik. BDI-Hauptgeschäftsführerin Tanja Gönner bezeichnet die Lage als fragil. Das erwartete Wachstum reiche bei weitem nicht aus, um die industrielle Basis langfristig zu sichern. Es handele sich nicht um eine Erholung, sondern um fortgesetzte Stagnation im internationalen Vergleich.
Noch deutlicher wird DIHK-Chefin Helena Melnikov. Das „Mini-Plus“ von 1,0 Prozent sei ein ernüchterndes Signal, das bei weitem hinter den Möglichkeiten des Standorts zurückbleibe. Unternehmen zögerten Investitionen aufgrund hoher Kosten und mangelnder Planungssicherheit hinaus. Ein Großteil des Wachstums gehe zudem auf Staatskonsum und Sonderfonds zurück – ein trügerisches Bild.
Die alten Bremsklötze: Bürokratie, Steuern, Energie
Die Kritik zielt auf die bekannten strukturellen Defizite. Zu hohe Energiekosten, eine überbordende Bürokratie und eine exzessive Steuerlast gelten als Haupthemmnisse für mehr Dynamik.
ZDH-Präsident Jörg Dittrich beklagt zudem massive Richtungsstreitigkeiten innerhalb der Koalition. Während das Wirtschaftsministerium angebotsseitige Reformen vorantreiben wolle, hielten andere Ressorts an staatlichen Ausgabenprogrammen fest. Dieser fehlende gemeinsame Kurs verunsichere vor allem den Mittelstand, das Rückgrat der Wirtschaft.
Hinzu kommt der akute Fachkräftemangel. Ministerin Reiche warb in ihrer Präsentation für Anreize zur Vollzeitarbeit. Die Verbände fordern jedoch konkrete steuerliche Entlastungen, die Arbeit attraktiver machen.
Globaler Druck und Reformversprechen
Das deutsche Modell, das auf offene Weltmärkte setzt, steht unter systemischem Druck. Die „doppelten Gegenwinde“ aus amerikanischem Protektionismus und chinesischer Konkurrenz setzen die exportorientierte Industrie unter Stress. Der BDI fordert seit langem eine robustere Industriepolitik und niedrigere Unternehmenssteuern, um wettbewerbsfähig zu bleiben.
Ministerin Reiche verteidigte den Kurs der Regierung. Die bereits gestartete „Wachstumsinitiative“ zur Bürokratieabbau und steuerlichen Investitionsförderung zeige Wirkung, benötige aber Zeit. Sie verwies auf positive Signale wie die stabilisierte Inflation, die 2026 voraussichtlich bei 1,9 Prozent liegen wird. Dies soll den privaten Konsum stützen.
Doch kann der Binnenkonsum die exportbedingte Schwäche auffangen? Kritiker bezweifeln dies angesichts der demografischen Entwicklung und der sparsamen deutschen Haushalte. Oppositionskreise und einige Wirtschaftsinstitute fordern radikalere Schritte – etwa eine zeitweise Aussetzung der Schuldenbremse für Infrastrukturinvestitionen.
Ein entscheidendes Jahr steht bevor
Für die Bundesregierung unter Kanzler Friedrich Merz ist die Belebung der Konjunktur zur Schicksalsfrage dieser Legislaturperiode geworden. Die vorsichtig optimistischere Prognose von 1,3 Prozent für 2027 wird nur erreichbar sein, wenn die Reformen greifen.
Die Verbände fordern ein „klares Aufbruchssignal“, das über kosmetische Korrekturen hinausgeht. Die Zeit der Analysen sei vorbei, so DIHK-Chefin Melnikov, jetzt brauche die Wirtschaft spürbare Entlastung. Die kommenden Monate werden zeigen, ob Politik und Wirtschaft zusammenfinden – oder ob Deutschland in der Stagnation verharrt.
PS: Wenn Politik und Steuersystem zu langsam reagieren, können Unternehmer durch kluge Investitionsplanung gegensteuern. Unser Gratis-Report zum Investitionsabzugsbetrag zeigt konkrete Beispiele, wie Sie Steuerlast senken und Mittel für Modernisierung freimachen – inklusive typischer Fehler und rechtssicherer Umsetzungshinweise. Ein kompakter Leitfaden für Geschäftsführer und Finanzverantwortliche. Kostenlosen Investitionsleitfaden jetzt sichern


