Wien, Rekord-Pleitewelle

Wien erlebt Rekord-Pleitewelle trotz leichten Rückgangs

14.01.2026 - 15:42:12

Wien verzeichnete 2025 die höchste Zahl an Firmenpleiten aller Zeiten. Zwar sank die Zahl der eröffneten Insolvenzverfahren leicht, doch die Gesamtzahl der Pleiten – inklusive abgewiesener Anträge – schnellte auf einen neuen Rekordwert. Diese Entwicklung entfacht eine scharfe politische Debatte über die Wirtschaftspolitik der Stadt.

Österreichweit war 2025 das dritte Rekordpleitenjahr in Folge. Wien bleibt dabei das Bundesland mit den meisten Verfahren. Besonders alarmierend ist der drastische Anstieg bei den Verfahrensabweisungen mangels Masse. Hier lehnt das Gericht den Antrag ab, weil das Unternehmen nicht einmal mehr die Verfahrenskosten von rund 4.000 Euro aufbringen kann.

In Wien stieg die Zahl dieser Abweisungen um 28,45 Prozent auf 1.228 Fälle. Zusammen mit den eröffneten Verfahren ergibt das eine Gesamtzahl von 2.697 Firmenpleiten – ein neuer Rekord und ein Plus von neun Prozent gegenüber 2024. Diese “unsichtbaren” Pleiten zeigen die tiefe finanzielle Not vieler Betriebe.

In Wien hatte vor allem die Krise im Immobiliensektor massive Auswirkungen. Die Nachwirkungen der großen Signa-Insolvenzen prägten auch 2025 das Geschehen. Gestiegene Zinsen, hohe Baukosten und eine gedämpfte Nachfrage setzen die Branche weiter unter Druck.

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Politisches Donnerwetter: FPÖ fordert Kurswechsel

Angesichts der Rekordzahlen formiert sich politischer Widerstand. Die Wiener FPÖ erklärte diese Woche, der “Wirtschaftsmotor Wien steht still”. Sie wirft der Stadtregierung vor, Klein- und Mittelbetriebe im Stich zu lassen.

Als Reaktion kündigte die FPÖ Anträge für eine “Wirtschaftsoffensive” im Gemeinderat an. Zu den Forderungen gehören eine politische Vertretung für den Mittelstand, ein besserer Kapitalmarkt-Zugang für KMU und Maßnahmen zur Fachkräfte-Qualifizierung. Die Stadtregierung verweist hingegen auf geplante Investitionen zur Standortstärkung.

Warum die Wiener Wirtschaft ächzt

Die aktuelle Pleitewelle ist das Ergebnis eines toxischen Mixes mehrerer Faktoren. Die Rezession der Vorjahre hat die Widerstandsfähigkeit vieler Unternehmen ausgehöhlt. Dazu kommen:
* Anhaltend hohe Energie- und Personalkosten
* Eine schwache Binnennachfrage durch die Inflation
* Gedämpfte Exportaussichten durch die lahme Konjunktur in Deutschland

Wien ist als urbanes Zentrum mit vielen Dienstleistern, Händlern und Gastronomen besonders anfällig für diese Entwicklungen. Fast 17 von 1.000 Unternehmen sind betroffen.

Was kommt auf Wien zu?

Experten prognostizieren für 2026 eine Fortsetzung des hohen Insolvenzgeschehens. Eine spürbare Entlastung für die Unternehmen sei vorerst nicht in Sicht. Frühestens 2027 könnte eine deutlichere Entspannung eintreten.

Die wirtschaftspolitische Debatte in Wien dürfte sich weiter zuspitzen. Für tausende Unternehmer und ihre Mitarbeiter bleibt die Lage vorerst prekär. Die Frage ist: Schafft es die Politik, den Stillstand des Wirtschaftsmotors zu beenden?

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