WhatsApp-Betrüger, Millionenschäden

WhatsApp-Betrüger nutzen KI für Millionenschäden

09.02.2026 - 17:52:12

Internationale Betrügerbanden nutzen gefälschte Trading-Apps und KI-generierte Videos, um Anleger in Messenger-Gruppen um Millionen zu betrügen. Behörden geben konkrete Schutzmaßnahmen.

WhatsApp wird zur Plattform für hochprofessionellen Anlagebetrug. Die deutsche Finanzaufsicht BaFin und Landeskriminalämter warnen vor einer neuen Eskalationsstufe. Internationale Netzwerke setzen auf gefälschte Trading-Apps, Identitätsdiebstahl und täuschend echte Deepfake-Videos, um Anleger um ihr Vermögen zu bringen. Die Schäden gehen in die Millionen.

Vom Lockruf in die Falle: So funktioniert die Masche

Die Täter agieren nach einem ausgeklügelten psychologischen Drehbuch. Lockangebote in sozialen Medien versprechen schnellen Reichtum oder exklusive Aktientipps. Interessenten landen in geschlossenen WhatsApp- oder Telegram-Gruppen. Dort inszenieren Betrüger eine seriöse Community: Gefälschte Experten teilen Analysen, Schein-Teilnehmer prahlen mit hohen Gewinnen. Das Ziel: Vertrauen aufbauen und sozialen Druck erzeugen.

Im nächsten Schritt drängen die angeblichen Berater zum Download einer speziellen Trading-App. Die Links dazu kommen per Chat – sie führen nicht in die offiziellen Stores von Apple oder Google. Nach ersten, oft kleinen Einzahlungen auf Auslandskonten oder in Kryptowährungen zeigt die gefälschte App beeindruckende Gewinne an. Manchmal zahlen die Täter sogar kleine Summen aus, um glaubwürdig zu wirken. Der Abzug kommt, sobald eine größere Summe investiert ist: Bei Auszahlungswünschen brechen die Kontakte ab oder es werden plötzlich hohe „Gebühren“ fällig. Das Geld ist dann meist verloren.

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KI und Identitätsklau: Die neue Professionalität

Die Betrüger werden immer raffinierter. Die BaFin warnte kürzlich vor einer Masche, bei der sich Täter als Mitarbeiter der „Bank of America“ ausgeben. Sie missbrauchen die Namen realer Ex-Mitarbeiter, um ihre Legende zu untermauern. Ähnliche Fälle gibt es unter dem Namen des US-Finanzriesen Charles Schwab.

Besonders alarmierend ist der Einsatz von Künstlicher Intelligenz (KI). Seit Anfang Februar häufen sich Berichte über Deepfake-Videos. Darin werden Gesicht und Stimme bekannter Finanzanalysten täuschend echt imitiert, um für betrügerische Gruppen zu werben. Diese KI-generierten Inhalte verleihen den Maschen eine bisher ungekannte Überzeugungskraft. Für Laien ist eine Fälschung kaum noch zu erkennen.

Globale Netzwerke: Razzie in Indien zeigt Dimension

Die Angriffe auf deutsche Anleger sind kein Einzeltäter-Phänomen. Dahinter stecken international organisierte kriminelle Banden. Das Ausmaß zeigte eine Großrazzie in Indien am 8. Februar. Die Behörden zerschlugen ein riesiges Betrugsnetzwerk, das über WhatsApp operierte und Opfer weltweit ins Visier nahm. Die Aktion verhinderte einen geschätzten Schaden von rund 55 Millionen Euro bei über 150.000 potenziellen Geschädigten. Die aufgedeckten Taktiken – wie das Versprechen utopischer wöchentlicher Renditen – gleichen denen in Deutschland. Es handelt sich um einen grenzüberschreitenden, industriell betriebenen „Cybertrading Fraud“.

So schützen Sie sich: Die wichtigsten Tipps der Behörden

BaFin und Polizei fassen die Betrugsform unter dem Stichwort „Cybertrading Fraud“ zusammen und geben klare Verhaltensregeln:

  • Skepsis bewahren: Seien Sie misstrauisch bei unaufgeforderten Kontakten und Einladungen in Messenger-Gruppen mit Gewinnversprechen. Seriöse Anbieter werben nicht auf diesem Weg.
  • Apps nur aus Stores: Laden Sie Finanz-Apps niemals über Links aus Chats herunter. Nutzen Sie ausschließlich den Google Play Store oder Apple App Store.
  • BaFin-Datenbank prüfen: Bevor Sie investieren, checken Sie die BaFin-Unternehmensdatenbank. Fehlt der Anbieter, ist das Angebot mit hoher Wahrscheinlichkeit illegal.
  • Identität direkt verifizieren: Bei angeblichen Bankmitarbeitern: Kontaktieren Sie das Institut über die offizielle, selbst recherchierte Telefonnummer.
  • Kein Druck zulassen: Lassen Sie sich nie zu schnellen Überweisungen drängen.

Wer bereits Geld überwiesen hat, sollte umgehend seine Bank kontaktieren, um die Transaktion möglicherweise zu stoppen, und Anzeige bei der Polizei erstatten.

@ boerse-global.de