W Social: Europas neues Netzwerk verbannt Anonymität
29.01.2026 - 11:30:12Ein europäisches Soziales Netzwerk fordert die US-Giganten heraus – mit einer radikale Pflicht zur Personalausweis-Prüfung für jeden Nutzer.
Die Plattform W Social positioniert sich als Gegenentwurf zu Elon Musks X. Ihr Versprechen: Vertrauen in den digitalen Diskurs zurückbringen. Kern des Konzepts ist eine strikte „Human-only“-Architektur. Jeder Nutzer muss seine Identität mit amtlichem Ausweis und biometrischem Foto verifizieren, bevor er posten kann. Das soll Bot-Armeen und Troll-Fabriken aussperren.
Hinter der Idee steht die frühere eBay-Datenschutzchefin Anna Zeiter. Sie präsentierte die KI-gesteuerte Plattform diese Woche in Davos. Die Mission sei der Kampf gegen „systemische Desinformation“, die demokratische Entscheidungsprozesse untergrabe, so Zeiter.
Während andere Netzwerke KI nutzen, um Engagement – und oft polarisierende Inhalte – zu maximieren, setzt W Social auf „Content-Veracity-Checks“. Die Algorithmen priorisieren glaubwürdige Quellen statt viraler Empörung. Nutzer können ihren Feed zudem selbst anpassen.
Die Plattform baut auf digitale Souveränität. Alle Daten werden dezentral auf Servern in der EU gehostet. Damit will das Unternehmen volle Compliance mit der DSGVO und dem Digital Services Act (DSA) garantieren und Datenabflüsse in Drittländer verhindern.
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Ein „sicherer Hafen“ für Behörden und Unternehmen
Der Start kommt zur rechten Zeit. X steht unter der Aufsicht der EU-Kommission und kassiert wiederholt Strafen. Viele europäische Institutionen suchen nach kompatiblen Alternativen.
Experten sehen in W Social einen potenziellen „Safe Harbor“ für Regierungsstellen, Universitäten und Konzerne. In einer verifizierten Umgebung könnten offizielle Kommunikationen nicht so leicht von Bots überschwemmt oder gefälscht werden. Die Plattform ist eine Tochter des schwedischen Klima-Medienunternehmens „We Don’t Have Time“ und genießt starke institutionelle Unterstützung.
Die Hürde zur Massenakzeptanz
Trotz prominenter Fürsprecher sind Beobachter skeptisch. Die Pflicht zur Ausweiskontrolle ist eine hohe Eintrittshürde, die Nutzer traditionell abschreckt. Datenschützer warnen vor den Risiken einer zentralen Datenbank verifizierter Identitäten.
Vergleiche drängen sich zu früheren europäischen Versuchen auf, wie der Luxemburger Monnet-App. Diese konnte sich nie gegen die Netzwerkeffekte der US-Riesen durchsetzen. Doch die Zeiten haben sich geändert: Der aktuelle „Techlash“ und das Misstrauen gegenüber amerikanischen Monopolen könnten W Social eine einmalige Chance eröffnen.
Der Testlauf beginnt im Februar
Die Bewährungsprobe startet nächsten Monat. Eine geschlossene Beta-Version für 1.000 Tester aus Politik, Journalismus und Wissenschaft geht an den Start. Sie sollen die Kultur der Plattform prägen.
Für Sommer 2026 sind große Medienpartnerschaften angekündigt. Der öffentliche Start ist für Ende des Jahres geplant. W Social ist Europas bisher ambitioniertester Versuch, die digitale Öffentlichkeit zurückzuerobern. Ob Nutzer den Komfort der Anonymität für eine verifizierte Realität opfern, bleibt die alles entscheidende Frage.
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