VW stoppt US-Investitionen wegen hoher Zölle
25.01.2026 - 18:42:12Der Volkswagen-Konzern stellt geplante Milliardeninvestitionen in den USA auf Eis – darunter ein neues Audi-Werk. Grund sind die hohen Zölle, die den deutschen Autobauer finanziell erdrücken. Konzernchef Oliver Blume erhöht damit den Druck auf Washington.
2,1 Milliarden Euro Zollkosten bremsen Expansionsdrang
Allein in den ersten neun Monaten 2025 kosteten die US-Zölle den VW-Konzern rund 2,1 Milliarden Euro. Diese immense Belastung macht große Neuinvestitionen unter den aktuellen Bedingungen unattraktiv, wie Blume dem „Handelsblatt“ erklärte. Der Konzern fordert verlässliche und kostengünstigere Rahmenbedingungen. Wer in den USA investiere und Arbeitsplätze schaffe, müsse auch Vorteile erhalten. Diese Forderung kommt trotz eines überraschend hohen Barmittelzuflusses von sechs Milliarden Euro im Autogeschäft. Offenbar reicht diese finanzielle Stärke nicht, um die Risiken weiterer Milliardenprojekte in einem unsicheren Zollumfeld zu rechtfertigen.
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Geplantes Audi-Werk wird zum Verhandlungspfand
Besonders betroffen ist das seit 2023 geplante Werk der Premium-Tochter Audi. Ein eigener US-Standort wäre ein zentraler Baustein, um die Marktpräsenz in Nordamerika zu stärken. Ohne lokale Produktion ist Audi den Importzöllen schutzlos ausgeliefert, was die Wettbewerbsfähigkeit massiv beeinträchtigt. Blume bestätigte nun: Die Finanzierbarkeit des Werks hängt direkt von einer Lösung in der Zollfrage ab. Damit wird das Vorhaben zum machtvollen Druckmittel in den Gesprächen mit der US-Regierung.
VW nutzt Gewicht im angespannten Handelsklima
Die Ankündigung fällt in eine Phase anhaltender transatlantischer Handelsspannungen. Zwar wurden die Zölle auf EU-Autos 2025 von 27,5 auf 15 Prozent gesenkt, doch die grundsätzliche Belastung und die politische Volatilität bleiben. Erst kürzlich drohte Washington im Streit um Grönland mit neuen Strafzöllen gegen Deutschland. VW nutzt sein Gewicht als großer ausländischer Investor nun strategisch, um aus diesem Kreislauf der Unsicherheit auszubrechen. Blume hat bereits mit Präsident Trump und Handelsminister Lutnick gesprochen – bisher ohne durchschlagenden Erfolg.
Strategisches Manövrieren zwischen Politik und Wachstum
Die Haltung VWs ist ein Lehrbeispiel für globales Unternehmertum im Schatten der Geopolitik. Einerseits ist der US-Markt zu wichtig, um ihn zu vernachlässigen. Andererseits rechnen sich Milliardeninvestitionen wie ein neues Werk bei den aktuellen Zöllen einfach nicht. Indem der Konzern seine geplanten Projekte für die Marken Scout und das Engagement beim Elektropionier Rivian als Mehrwert für die US-Wirtschaft herausstellt, setzt er geschickt auf politischen Einfluss. Diese Taktik könnte bei Erfolg zur Blaupause für andere europäische Konzerne werden.
Der Ball liegt nun bei Washington
Die Zukunft der VW-Investitionen hängt jetzt von der Reaktion der US-Regierung ab. Die Botschaft aus Wolfsburg ist unmissverständlich: Ohne Zugeständnisse bei den Zöllen gibt es keine neuen Fabriken. Die kommenden Monate werden zeigen, ob eine Einigung gelingt oder ob die handelspolitische Unsicherheit die Pläne des Autoriesen nachhaltig ausbremst. Für VW ist es eine Gratwanderung zwischen langfristigem Wachstum und kurzfristigem Finanzrisiko.


