Turbo-Einbürgerung gestoppt: Deutschland verlängert Weg zum Pass
29.01.2026 - 06:33:12Deutschland schafft die beschleunigte Einbürgerung nach nur drei Jahren wieder ab. Diese politische Kehrtwende soll die Integration vertiefen, könnte den Standort im globalen Wettbewerb um Fachkräfte aber schwächen.
Fünf Jahre statt drei: Was sich konkret ändert
Das im Oktober 2025 beschlossene Gesetz setzt die Mindestaufenthaltsdauer für eine Einbürgerung wieder auf fünf Jahre fest. Die sogenannte „Turbo-Einbürgerung“ für Hochqualifizierte mit exzellenten Deutschkenntnissen ist damit Geschichte. Die Regelung war erst im Juni 2024 eingeführt worden und wurde nach nur gut einem Jahr wieder kassiert.
Ein zentrales Zugeständnis der vorherigen Reform bleibt jedoch erhalten: die generelle Akzeptanz der doppelten Staatsbürgerschaft. Wer Deutscher wird, muss seine alte Staatsangehörigkeit also meist nicht mehr aufgeben. Auch die Sonderregel für Ehepartner von Deutschen, die weiterhin nach drei Jahren eingebürgert werden können, bleibt unverändert.
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Regierung begründet Kurswechsel: „Integration braucht Zeit“
Die Begründung der Regierung ist klar: Eine nachhaltige Identifikation mit Deutschland brauche mehr als drei Jahre. Die Staatsbürgerschaft müsse der krönende Abschluss eines gelungenen Integrationsprozesses sein, nicht ein schneller Anreiz zu dessen Beginn.
Diese Haltung spiegelt konservative Positionen wider, die die ursprüngliche Liberalisierung stets kritisch sahen. Der drastische Anstieg der Einbürgerungsanträge um rund 50 Prozent in Großstädten nach der Reform von 2024 hatte die Debatte zusätzlich angeheizt. Für die Politik war dies ein Beleg für eine zu lasche Handhabung.
Wirtschaft warnt vor Wettbewerbsnachteil
Während die Politik den Integrationsgedanken betont, schlagen Wirtschaftsverbände Alarm. In Zeiten des akuten Fachkräftemangels konkurriert Deutschland mit Ländern wie Kanada oder Australien. Die schnelle Einbürgerung galt als wichtiges Lockmittel für internationale Talente.
Die Verlängerung der Wartezeit könnte diesen Standortvorteil nun abschwächen. Die Ambivalenz der aktuellen Politik zeigt sich jedoch: Parallel zu dieser Verschärfung arbeitet die Regierung an der Beschleunigung der Anerkennung ausländischer Berufsqualifikationen. Fachkräfte sollen also schneller arbeiten, aber länger auf den Pass warten.
Paradigmenwechsel: Vom liberalen Sprint zum kontrollierten Marathon
Die Rücknahme ist mehr als eine administrative Korrektur. Sie markiert einen klaren Paradigmenwechsel in der deutschen Migrationspolitik – weg vom liberalen Ansatz der Vorgängerregierung, hin zu einer stärker kontrollierten und bedingungsorientierten Politik.
Kritiker sehen darin einen Rückschritt, der gut integrierte Menschen unnötig lange von der vollen politischen Teilhabe ausschließt. Befürworter verweisen auf das Entgegenkommen der doppelten Staatsbürgerschaft und halten fünf Jahre für einen angemessenen Rahmen. Der Fokus liegt nun eindeutig auf einem stetigen Integrationsmarathon, nicht auf einem Sprint.
Ausblick: Geringere Zahlen und anhaltender Streit
Die langfristigen Effekte werden sich erst in den kommenden Jahren zeigen. Erwartet wird ein Rückgang der Einbürgerungszahlen von ihrem bisherigen Rekordniveau. Die grundsätzliche Debatte über den richtigen Weg in der Einwanderungspolitik ist damit aber nicht beendet.
Für internationale Fachkräfte und Unternehmen bedeutet die Änderung vor allem eines: Sie müssen ihre langfristige Planung für Leben und Karriere in Deutschland anpassen. Der Weg zum deutschen Pass ist zwar kürzer als noch vor der Reform 2024, der Expressweg ist jedoch dauerhaft gesperrt.
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