ThyssenKrupp, Ford

ThyssenKrupp und Ford streichen Tausende Jobs in NRW

02.02.2026 - 12:22:12

Nordrhein-Westfalen erlebt eine massive Strukturkrise mit Stellenabbau bei ThyssenKrupp und Ford sowie landesweiten Warnstreiks im öffentlichen Dienst.

Nordrhein-Westfalens Industrie steht vor einem Umbruch mit sozialem Sprengstoff. Gleichzeitig mit heftigen Arbeitskämpfen im öffentlichen Dienst kündigen die Stahl- und Autobranche zehntausende Stellenstreichungen an. Ein „heißer Frühling“ der Proteste zeichnet sich ab.

Stahlkrise: ThyssenKrupp plant radikalen Abbau

Die Lage bei ThyssenKrupp Steel Europe (TKSE) ist eskaliert. Nach der Hauptversammlung am 30. Januar, die von Hunderten protestierender Stahlarbeiter in Bochum begleitet wurde, werden die drastischen Pläne konkret. Das Unternehmen will in den kommenden Jahren rund 11.000 von 27.000 Jobs streichen. Allein in Duisburg sind 1.600 Produktionsstellen bedroht.

Besonders umstritten: die geplante Schließung des „Warmbandwerks 3“ in Bochum und zweier Hochöfen in Duisburg. Die Spannung zwischen Belegschaft und Vorstand verschärfte sich durch die Dividendenpolitik. Aktionäre genehmigten eine Ausschüttung von 93 Millionen Euro – während gleichzeitig Tausende Arbeitsplätze auf dem Spiel stehen. Für die Belegschaft des Hüttenwerks Krupp Mannesmann (HKM) geht es ums Ganze: 3.000 Mitarbeitern droht die Schließung oder ein radikaler Abbau auf ein Drittel der Belegschaft.

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Ford Köln: Produktion schrumpft auf eine Schicht

Parallel dazu vollzieht sich in Köln ein schmerzhafter Wandel. Seit Januar 2026 fährt das Ford-Werk offiziell nur noch eine statt zwei Schichten. Grund ist die schwache Nachfrage nach Elektroautos. Dieser Schritt ist der Auftakt zu einem umfassenden Stellenabbau.

Insgesamt sollen 3.500 Jobs wegfallen. Davon wurden bereits 1.000 Produktionsstellen mit der Schichtumstellung gestrichen. Weitere 2.900 Positionen in Entwicklung und Verwaltung sollen bis Ende 2027 folgen. Ein Sozialplan soll betroffene Mitarbeiter auffangen. Langjährigen Beschäftigten werden Abfindungen bis zu 80.000 Euro angeboten, zuzüglich weiterer leistungsbezogener Komponenten. Die Stimmung ist dennoch gedrückt: The Reduzierung signalisiert einen langfristigen Rückzug Fords aus der Domstadt.

Ver.di ruft zu bundesweiten Warnstreiks auf

Doch nicht nur die Industrie bebt. Im öffentlichen Dienst hat die Gewerkschaft ver.di die Warnstreiks massiv ausgeweitet. Für Mittwoch, den 4. Februar, sind ganztägige Arbeitsniederlegungen in ganz Nordrhein-Westfalen geplant.

Betroffen sind Universitäten, Landesverwaltungen, die Justiz und alle sechs Universitätskliniken des Landes. Ver.di wirft den Arbeitgebern vor, nach zwei Verhandlungsrunden kein verhandlungsfähiges Angebot vorgelegt zu haben. Die Forderung: 7 Prozent mehr Lohn oder mindestens 300 Euro monatlich, um die Inflation auszugleichen. Notdienste in den Kliniken sind zwar gesichert, dennoch drohen massive Behinderungen im Landesbetrieb.

Kommunen kämpfen gegen Deindustrialisierung

Die Schockwellen der Industriestrukturkrise erreichen die Kommunen. In Oberhausen sorgt der angekündigte Stellenabbau beim Chemieunternehmen Oxea für Alarmstimmung. Der Oberbürgermeister warnte beim Neujahrsempfang eindringlich vor einer Abwärtsspirale für die gesamte Region.

Lokale Politiker betonen die Dringlichkeit verlässlicher Rahmenbedingungen – vor allem bei den Energiekosten. Die Stadt versucht, mit beschleunigten Genehmigungsverfahren gegenzusteuern. Doch gegen globale Konzernentscheidungen sind die kommunalen Hebel begrenzt.

Entscheidender Februar für NRW

Der Februar 2026 wird zum Schicksalsmonat für die Arbeitsbeziehungen in Nordrhein-Westfalen. Der Erfolg der Großstreiks am 4. Februar gilt als Gradmesser für die Durchsetzungsfähigkeit der Gewerkschaften.

Am 12. Februar erwartet die Stahlbranche mit Spannung den Quartalsbericht von ThyssenKrupp. Er soll Klarheit über die Kosten des Umbaus und den Stand der Partnerschaftsgespräche mit dem indischen Stahlriesen Jindal Steel bringen.

Für die Betriebsräte in Duisburg und Köln geht es darum, sozialverträgliche Lösungen durchzusetzen. Die laufenden Verhandlungen könnten zum Präzedenzfall für die gesamte Region werden. Wirtschaftsumfragen zeigen ein düsteres Bild: Über ein Drittel der Unternehmen plant für dieses Jahr Personalabbau. Der industrielle Herzschlag Nordrhein-Westfalens wird schwächer.

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