Südkoreas Präsident warnt Gewerkschaften vor Widerstand gegen Roboter
30.01.2026 - 07:44:11Südkoreas Präsident Lee Jaemyeong hat Gewerkschaften eindringlich davor gewarnt, die Integration humanoider Roboter in die Industrie zu blockieren. Seine klare Ansage an die organisierte Arbeitnehmerschaft folgt auf den Widerstand der mächtigen Hyundai-Gewerkschaft gegen den Einsatz von Robotern am Fließband.
Regierung stellt sich hinter unaufhaltsamen Technologietrend
In einer Sitzung mit seinen Spitzenberatern positionierte sich der Präsident eindeutig auf der Seite des technologischen Fortschritts. Er bezeichnete den Wandel als eine „unaufhaltsame Kraft“, der sich das Land proaktiv anpassen müsse, anstatt ihn zu bekämpfen. Die Regierung sieht in der Automatisierung einen Grundpfeiler ihrer künftigen Wirtschaftspolitik. Dieses deutliche Eingreifen der Staatsführung unterstreicht, wie ernst die Debatte über die Zukunft der Arbeit in der traditionsreichen Industrienation geführt wird. Es geht um nicht weniger als die Abwägung zwischen nationalen Wirtschaftsambitionen und den Job-Sicherheitsbedenken Zehntausender Beschäftigter.
„Ludditen“-Vergleich und direkte Kritik an Hyundai
Präsident Lee ging in seiner Rede direkt auf den jüngsten Konflikt bei Hyundai Motor ein. Der Versuch, diese Technologie aufzuhalten, sei so sinnlos, wie einen „massiven heranrollenden Güterzug“ stoppen zu wollen, warnte er. Er zog eine historische Parallele zur Ludditen-Bewegung des 19. Jahrhunderts, in der Arbeiter Maschinen zerstörten, die ihre Jobs bedrohten.
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Aus Sicht der Regierung ist die Einführung von KI und Robotik eine unvermeidbare und notwendige Evolution. Sie deutet den gewerkschaftlichen Widerstand eher als taktisches Manöver in laufenden Tarifauseinandersetzungen denn als echte Überzeugung, den Trend stoppen zu können. Gleichzeitig kündigte Lee Diskussionen über ein „Basissociety“-Konzept an – ein Hinweis auf mögliche soziale Auffangnetze für die erwarteten massiven Jobverluste.
Hyundai-Gewerkschaft stellt sich quer
Der Präsident reagierte mit seiner Warnung auf eine eskalierende Auseinandersetzung beim größten Automobilhersteller des Landes. Die Hyundai-Gewerkschaft, eine Untergliederung der Korean Metal Workers‘ Union, hatte klargestellt: „Kein einziger Roboter“ mit neuer Technologie dürfe ohne formale Vereinbarung zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern das Montageband betreten.
Hintergrund sind tiefsitzende Ängste. Die Gewerkschaft fürchtet, das Unternehmen wolle mit Robotern wie dem von der Tochter Boston Dynamics entwickelten Atlas die Belegschaft reduzieren, um Kosten zu senken und Profite zu steigern. Sie warnt ihre Mitglieder vor erheblichen „Beschäftigungsschocks“ und einer „Aushöhlung“ heimischer Fabriken. Ein Roboter, der rund um die Uhr arbeitet und nur Wartungskosten verursacht, stelle eine existenzielle Bedrohung für gut bezahlte Fachkräfte dar.
Nationale Roboter-Strategie mit Milliarden-Investition
Der Konflikt bei Hyundai ist nur ein Beispiel für eine übergeordnete nationale Strategie. Südkorea fördert die Roboterindustrie aktiv als Wachstumstreiber. Erst kürzlich wurde eine „Allianz für humanoide Fertigung“ mit Giganten wie Samsung, LG und Hyundai gegründet, um das Land an die Weltspitze zu bringen.
Die Regierung unterstützt diesen Push mit erheblichen Mitteln. Im Rahmen des „4. Masterplans für intelligente Roboter“ plant Seoul gemeinsam mit der Privatwirtschaft Investitionen von umgerechnet über 2 Milliarden Euro bis 2030. Ziel ist der Einsatz einer Million fortschrittlicher Roboter in der Gesellschaft. Damit sollen demografische Herausforderungen wie eine schrumpfende Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter bewältigt und die Produktivität gesteigert werden. Südkorea hat bereits heute die höchste Roboter-Dichte in der Fertigung weltweit.
Showdown zwischen Wirtschaft und Arbeitnehmerschutz
Die Lage wird durch eine jüngste Gesetzesänderung verschärft. Das neue „Gelbe-Umschlags-Gesetz“ stärkt die Rechte von Streikenden und erschwert es Unternehmen, Gewerkschaften für Streikschäden haftbar zu machen. Dies gibt den Gewerkschaften mehr Verhandlungsmacht, könnte den Automatisierungsprozess aber auch verlangsamen.
Paradoxerweise könnte das Gesetz Unternehmen sogar dazu antreiben, die Umstellung auf Roboter zu beschleunigen, um die Abhängigkeit von einer nun stärker geschützten Belegschaft zu verringern. Im Kern prallen zwei Zukunftsvisionen aufeinander: Während Staat und Konzerne in Robotern die Schlüsseltechnologie für globale Wettbewerbsfähigkeit sehen, ist sie für Gewerkschaften eine direkte Gefahr für den Arbeitsplatz. Die Frage ist nicht mehr, ob Roboter kommen, sondern wie ihre Ankunft geregelt wird und wer von den gewaltigen Produktivitätsgewinnen profitiert.
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