Studie, Einfacher

Studie: Einfacher Brief senkt Fehlzeiten drastisch

05.02.2026 - 23:02:12

Eine Studie der Frankfurt School zeigt, dass transparente Information über Fehlzeiten kurzfristiges Blaumachen fast halbiert, während finanzielle Anwesenheitsboni als unwirksam gelten.

Eine psychologische Intervention reduziert kurze Krankmeldungen um fast die Hälfte – und stellt teure Anwesenheitsprämien infrage.

Frankfurt am Main – In der deutschen Arbeitswelt könnte ein Paradigmenwechsel bevorstehen. Ein aktuelles Feldexperiment zeigt, dass ein simpler, informativer Brief an Mitarbeiter deren kurzfristige Fehlzeiten fast halbiert. Die Studie, durchgeführt von der Frankfurt School of Finance & Management, liefert ein überraschend wirksames und kostengünstiges Instrument im Kampf gegen Rekord-Krankenstände. Sie stellt zugleich die weit verbreiteten, aber umstrittenen finanziellen Anwesenheitsboni massiv in Frage.

Die Ergebnisse kommen zur rechten Zeit. Die deutsche Wirtschaft ächzt unter historisch hohen krankheitsbedingten Ausfällen, die Produktionsabläufe belasten und die Debatte über Gegenmaßnahmen anheizen. Bisher setzten viele Unternehmen auf Bonus-Systeme oder forderten gesetzliche Verschärfungen. Die neue Forschung bietet einen völlig anderen Ansatz.

Das Experiment: Sozialer Vergleich als Schlüssel

Unter Leitung von Professor Timo Vogelsang wurde die Studie in einer deutschen Einzelhandelskette mit 817 Beschäftigten durchgeführt. Der Ansatz war bewusst simpel: Eine zufällig ausgewählte Gruppe erhielt ein Schreiben, das sie über die durchschnittliche Fehlzeit in ihrer Vergleichsgruppe informierte. Eine Kontrollgruppe blieb ohne diese Information.

Die Wirkung war spektakulär. In der informierten Gruppe sank die Wahrscheinlichkeit für eine eintägige Krankmeldung im Vergleich zur Kontrollgruppe um hochgerechnete 44 Prozentpunkte. Entscheidend ist: Dieser Effekt trat nur bei eintägigen Abwesenheiten auf. Bei mehrtägigen Fehlzeiten, hinter denen meist echte Erkrankungen stehen, gab es keine Veränderung.

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Das legt einen klaren Schluss nahe: Der „sanfte Druck“ durch transparente Information reduziert vor allem das sogenannte „Blaumachen“ bei kurzfristigen Abwesenheiten. Mitarbeiter werden nicht davon abgehalten, bei ernsthafter Krankheit zu Hause zu bleiben.

Das Ende der Anwesenheitsprämie?

Die Studienergebnisse stellen ein lange etabliertes Instrument der Personalpolitik radikal infrage: die finanzielle Anwesenheitsprämie. Diese Boni für geringe Fehlzeiten sind in deutschen Betrieben weit verbreitet, doch ihre Wirksamkeit ist fraglich.

Bereits eine frühere Studie von 2024, an der Vogelsang beteiligt war, kam zu einem vernichtenden Urteil. Demnach senken Geldprämien Fehlzeiten nicht, sondern können sie sogar erhöhen. Mitarbeiter interpretieren die Prämie oft als Signal für eine „akzeptable“ Fehlzeitquote – und das Schuldgefühl schwindet.

Arbeitsrechtler und Psychologen warnen seit Jahren vor den gefährlichen Nebenwirkungen. Solche Prämien säen Misstrauen, indem sie unterstellen, Mitarbeiter seien ohne extrinsischen Anreiz nicht zuverlässig. Noch bedenklicher ist der geförderte Präsentismus: Um den Bonus nicht zu gefährden, schleppen sich Arbeitnehmer krank zur Arbeit und stecken im schlimmsten Fall ganze Teams an.

Ein neuer Weg für HR und Politik

Die Studie belebt die festgefahrene Debatte um den Krankenstand neu. Während Wirtschaftsverbände zuletzt auf gesetzliche Verschärfungen drängten, lehnten Gewerkschaften diese strikt ab. Der Ansatz des „sanften Drucks“ bietet einen dritten Weg – ohne finanzielle Keule und ohne neue Regulierung.

Er basiert auf einem verhaltensökonomischen Prinzip: Menschen orientieren sich stark an sozialen Normen. Die transparente Kommunikation von Durchschnittswerten nutzt diese interne Motivation und scheint effektiver, günstiger und mit weniger negativen Konsequenzen verbunden zu sein als externe Geldanreize.

Wird 2026 zum Jahr des Umdenkens?

Für Personalabteilungen in Deutschland sind die Implikationen enorm. Sie legen nahe, dass eine kluge Kommunikationsstrategie mehr bewirken kann als teure Bonussysteme. Statt in Prämien zu investieren, könnten Unternehmen künftig stärker auf Transparenz und den Aufbau einer Vertrauenskultur setzen.

Experten empfehlen schon länger regelmäßige Feedbackgespräche als Alternative zu Geldprämien. Die Studie von Vogelsang untermauert diese Forderung mit harten Daten. Sie könnte den Fokus in der Personalarbeit verschieben: weg von der Kontrolle und Belohnung von Anwesenheit, hin zu einem echten betrieblichen Gesundheitsmanagement und einer Kultur der Wertschätzung. Ob der „sanfte Druck“ flächendeckend Schule macht, ist offen. Ein starkes Argument dafür liegt nun auf dem Tisch.

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