Steuerberater fordern radikalen Schnitt bei EU-Meldepflichten
10.02.2026 - 19:00:12Der Deutsche Steuerberaterverband (DStV) fordert die vollständige Befreiung seines Berufsstands von den EU-Meldepflichten für grenzüberschreitende Steuergestaltungen. Mit diesem radikalen Vorstoß will der Verband die Bürokratielast drastisch senken und einen Dauerkonflikt mit der Verschwiegenheitspflicht beenden.
Die Forderung ist eine klare Ansage an die EU-Kommission, die zwar allgemein Bürokratie abbauen will, aber an den Meldepflichten festhalten möchte. Der DStV pocht darauf, dass den Ankündigungen nun Taten folgen müssen, um die Kanzleien wirklich zu entlasten.
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Im Kern der Kritik steht der immense bürokratische Aufwand durch Richtlinien wie DAC 6. Der Verband argumentiert, der Nutzen für die Finanzämter stehe in keinem Verhältnis zu den Kosten und dem Zeitaufwand für die Berater. Belastbare Belege für signifikante Steuermehreinnahmen durch die Meldungen fehlten. Frühere Analysen legen nahe, dass den deutschen Behörden viele gemeldete Modelle ohnehin bereits bekannt waren.
Doch das größere Problem ist ein grundsätzliches: Steuerberater geraten in einen unlösbaren Interessenkonflikt. Einerseits sind sie zur Meldung an die Behörden verpflichtet. Andererseits sind sie durch das Berufsgeheimnis zur Verschwiegenheit gegenüber ihren Mandanten gebunden. Diese Zwickmühle schafft massive Rechtsunsicherheit – bei Verstößen drohen hohe Strafen.
Lösung: Verantwortung zurück zum Steuerzahler
Als Ausweg schlägt der DStV eine grundlegende Systemänderung vor: Die Meldepflicht soll vollständig auf die Steuerpflichtigen selbst verlagert werden. Der Steuerberater würde dann nur noch unterstützend tätig, ähnlich wie in anderen steuerlichen Verfahren. Dieses Modell würde den Konflikt mit der Schweigepflicht auflösen und die vertrauensvolle Berater-Mandanten-Beziehung wahren.
Dieser Vorstoß ist Teil einer größeren Offensive des Verbands gegen überbordende Bürokratie. Erst vor wenigen Tagen mahnte der DStV im Bundesfinanzministerium bei Themen wie der Grunderwerbsteuer mehr Praktikabilität an.
EU-Kommission im Transparenz-Dilemma
Die Forderung trifft den Nerv einer europäischen Grundsatzdebatte: Wie viel Transparenz ist nötig, und wann wird der bürokratische Aufwand zu groß? Das Ziel der DAC-Richtlinien, Steuervermeidung zu bekämpfen, ist unbestritten. Doch die konkrete Umsetzung steht zunehmend in der Kritik. Neben DAC 6 belasten auch neue Pflichten für digitale Plattformen (DAC 7) oder die Nachhaltigkeitsberichterstattung (CSRD) die Unternehmen.
Die EU-Kommission steckt in einem Dilemma. Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen hat versprochen, Berichtspflichten um 25 Prozent zu reduzieren. Gleichzeitig signalisierte Brüssel, an den grundlegenden Meldepflichten festhalten zu wollen. Kritiker sehen hier einen Widerspruch und fordern, gerade bei ineffizienten Regelungen wie DAC 6 anzusetzen.
Entscheidung im zweiten Quartal erwartet
Der Ball liegt nun in Brüssel. Ein Vorschlag der Kommission zur Neufassung der Amtshilferichtlinie wird für das zweite Quartal 2026 erwartet. Wird die EU die radikale Forderung der Steuerberater aufgreifen und einen echten Neustart wagen? Oder bleibt es bei kosmetischen Anpassungen? Für die Kanzleien und ihre Mandanten in ganz Europa geht es um eine spürbare Entlastung und klare rechtliche Verhältnisse.
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