Sozialwirtschaft, Kollektivvertrag

Sozialwirtschaft einigt sich auf Kollektivvertrag

27.01.2026 - 08:15:13

Die Sozialpartner einigen sich auf einen zweijährigen Tarifvertrag mit gestaffelten Lohnsteigerungen für 130.000 Beschäftigte. Die Einigung schafft Planungssicherheit und beendet die Streikdrohung.

Nach einem intensiven Verhandlungsmarathon haben sich die Sozialpartner auf einen neuen Kollektivvertrag für 130.000 Beschäftigte geeinigt. Die Einigung in der Nacht auf Dienstag wendet weitere Streiks ab und bringt gestaffelte Lohn- und Gehaltserhöhungen über zwei Jahre.

Der Abschluss kommt zu einem kritischen Zeitpunkt. Bereits im Dezember legten Beschäftigte an hunderten Standorten die Arbeit nieder. Die nun gefundene Lösung soll Planungssicherheit in einem von finanziellen Engpässen geprägten Sektor schaffen.

Das steht im neuen Gehaltspaket

Der Kollektivvertrag sieht eine Gesamterhöhung von rund fünf Prozent vor:
* Ab 1. April 2026: Mindestgehälter steigen um 2,60 Prozent, IST-Gehälter um 2,40 Prozent
* Ab 1. Jänner 2027: Fixe Erhöhung um 2,3 Prozent für beide Gehaltskomponenten
* Zusätzlich: Mechanismus zur teilweisen Inflationsabsicherung bei Teuerungsraten zwischen 2,3 und 2,7 Prozent

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Vom Streik zum Kompromiss

Der Weg zur Einigung war steinig. Die Gewerkschaften GPA und vida starteten im Oktober mit Forderungen nach vier Prozent mehr Lohn und einer Arbeitszeitverkürzung. Die Arbeitgeberseite verwies dagegen auf die äußerst schwierige finanzielle Lage.

Nach ergebnislosen Runden und abgelehnten Angeboten eskalierte der Konflikt: Im Dezember kam es zu Warnstreiks. Eine Betriebsräte-Konferenz beschloss nur Tage vor der finalen Verhandlungsrunde eine Resolution – mit der klaren Drohung ausgeweiteter Streiks bei Scheitern.

Ein Abschluss unter Sparzwang

Die Einigung bewegt sich in engen finanziellen Spielräumen. Vertreter der Arbeitgeber betonten, dass die Budgetentscheidungen von Bund, Ländern und Gemeinden wenig Handlungsspielraum ließen. Ohne Kompromiss wären nicht nur Arbeitsplätze, sondern auch die Versorgungssicherheit gefährdet gewesen.

Im Vergleich zum öffentlichen Dienst mit 3,3 Prozent für 2026 erscheint die Erhöhung moderat. Doch die Finanzierungsstruktur der Sozialwirtschaft stellt eine besondere Herausforderung dar: Der Sektor ist maßgeblich von öffentlichen Förderungen abhängig.

Was kommt jetzt?

Neben den Gehaltsanpassungen beinhaltet die Einigung wesentliche Verbesserungen im Rahmenrecht. Details dazu sollen in Kürze folgen. Bereits gesichert ist der für die Pflegebranche zentrale Pflegezuschuss durch einen eigenen Zusatzkollektivvertrag.

Doch die großen Baustellen bleiben: Fachkräftemangel und nachhaltige Finanzierung. Die Gewerkschaften machten deutlich, dass faire Löhne entscheidend sind, um Personal in dieser gesellschaftlich unverzichtbaren Branche zu halten. Die Umsetzung ab April wird nun der nächste Schritt.

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