Social Media: Selbstdiagnose wird zur Gefahr für Psyche
05.02.2026 - 08:53:11Soziale Medien wie TikTok und Instagram fördern einen gefährlichen Trend zur Selbstdiagnose psychischer Erkrankungen. Experten warnen vor einer zunehmenden Pathologisierung alltäglicher Verhaltensweisen. Vor allem junge Menschen identifizieren sich online mit Symptomen von ADHS, Autismus oder Depressionen – oft mit schwerwiegenden Folgen.
Der Algorithmus als falscher Ratgeber
Die Logik der Plattformen begünstigt vereinfachte Darstellungen komplexer Störungen. Videos, die psychische Erkrankungen in kurzen Clips oder Checklisten packen, erzielen enorme Reichweiten. Für Nutzer in der Identitätsfindung bietet das vermeintlich klare Antworten.
Viele Menschen verlassen sich bei gesundheitlichen Fragen auf kurze Clips und Checklisten – dabei werden Laborwerte und medizinische Befunde oft missverstanden. Ein kostenloser 25‑seitiger Report erklärt verständlich, welche Blutwerte wirklich wichtig sind, wann Werte auf Fehldeutungen hindeuten und welche weiteren Tests sinnvoll sein können. So vermeiden Sie falsche Schlüsse aus Online-Informationen und haben bessere Gesprächsgrundlagen für den ärztlichen Austausch. Jetzt kostenlosen Laborwerte-Report anfordern
- Eine österreichische Studie der Karl Landsteiner Privatuniversität bestätigt: Immer mehr Patienten kommen mit einer festen „Wunschdiagnose“ in die Praxis.
- Dieses „Diagnose-Shopping“ – der Wechsel des Arztes bis zur gewünschten Bestätigung – überlastet das System.
Das Problem: Online präsentierte Symptome sind oft unspezifisch. Sie können normale menschliche Erfahrungen beschreiben oder ganz andere Ursachen haben.
Wenn Alltagserleben zur Störung wird
Konzentrationsschwierigkeiten, soziale Unsicherheit oder Stimmungstiefs werden online schnell mit Krankheitsetiketten versehen. Diese Vereinfachung ist riskant.
„Betroffene übersehen leicht ihren eigenen blinden Fleck“, beschreiben Psychologen das Dilemma. Eine falsche Selbstdiagnose kann zu schädlicher Selbstbehandlung führen und den Weg zu echter Hilfe blockieren. Echte Ursachen wie Stress oder Lebenskrisen geraten aus dem Blick.
Folgen für Patienten und das System
Die Konsequenzen sind vielschichtig. Für den Einzelnen kann die falsche Identifikation mit einer Krankheit die eigene Entwicklung hemmen. Der ständige Vergleich mit geschönten Online-Profilen drückt zusätzlich aufs Selbstwertgefühl.
Für das Gesundheitssystem wird der Trend zur Belastung:
* Ärzte verbringen wertvolle Zeit mit der Korrektur von Fehlinformationen.
* Wartezeiten für Menschen mit akutem Behandlungsbedarf verlängern sich.
* Diagnose-Begriffe werden durch inflationären Gebrauch entwertet.
Medienkompetenz als Schlüssel
Trotz der Gefahren hat der Trend auch eine positive Seite: Er entstigmatisiert psychische Probleme und ermutigt viele, überhaupt Hilfe zu suchen. Die Kunst liegt im Umgang mit den Informationen.
Fachleute fordern daher eine Stärkung der kritischen Medienkompetenz. Nutzer müssen lernen, zwischen persönlichen Erfahrungsberichten und fundierten Fakten zu unterscheiden. Offizielle, wissenschaftliche Quellen sollten der erste Anlaufpunkt bleiben.


