Smartphone-Batterien: Neuer Standard soll Lebensdauer verdoppeln
31.01.2026 - 12:02:12Bypass Charging wandert vom Gaming-Nischendasein in den Alltag – und könnte die Nutzungsdauer von Smartphones deutlich verlängern.
Die letzten Januartage 2026 markieren eine Zeitenwende für die Smartphone-Akkutechnologie. Was bis vor kurzem noch eine exklusive Funktion für teure Gaming-Handys war, wird nun zum neuen Industriestandard: Bypass Charging. Diese Technologie, die das direkte Speisen des Geräts über das Netzteil ermöglicht und die Batterie umgeht, soll die Lebensdauer von Lithium-Ionen-Zellen dramatisch erhöhen. Führende Hersteller wie OnePlus und Vivo treiben den Trend mit aktuellen Software-Updates und neuen Modellen massiv voran.
OnePlus macht Schluss mit der Gaming-Nische
Einen entscheidenden Schritt ging OnePlus am 30. Januar. Ein großes Update für OxygenOS macht die bisher versteckte Funktion nun für jedermann zugänglich. Nutzer der Modelle OnePlus 13R, 13s, des Flagschiffs OnePlus 12 und des Tablets OnePlus Pad Go 2 können die Technologie jetzt für jede anspruchsvolle Aufgabe aktivieren – sei es Videobearbeitung, langes Navigieren oder HD-Streaming.
Bisher war „Bypass Charging“ tief in den Gaming-Einstellungen vergraben. Die Idee dahinter ist simpel, aber wirkungsvoll: Wird das Handy während der Nutzung ans Ladegerät gesteckt, fließt der Strom direkt zum Hauptprozessor (SoC) und umgeht den Akku komplett. Das verhindert die fatale Hitzeentwicklung, die entsteht, wenn die Batterie gleichzeitig geladen und entladen wird – der Hauptgrund für den vorzeitigen Kapazitätsverlust.
„Moderne Nutzungsgewohnheiten sind für den Akku genauso anstrengend wie Gaming-Sessions“, erklärt ein Brancheninsider. Stundenlanges Streamen oder Navigieren bei angeschlossenem Ladekabel sei heute Alltag. Die neue Systemfunktion hält die Batterie in solchen Situationen kühl und im Leerlauf, was ihre chemische Alterung verlangsamt.
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Vivo und RedMagic ziehen nach – Der Trend wird Mainstream
Der Trend beschränkt sich nicht auf ein einzelnes Unternehmen. Nur einen Tag nach dem OnePlus-Update bestätigte Vivo die Spezifikationen für die kommenden V70-Modelle. Auch hier steht ein dedizierter Bypass-Charging-Mode im Datenblatt, der die Hitzeentwicklung bei intensiver Nutzung reduzieren soll. Besonders bemerkenswert: Vivo integriert die Technologie in seine breit aufgestellte V-Serie und nicht nur in spezialisierte Gaming-Handys. Das signalisiert klar, dass fortschrittlicher Batterieschutz keine Luxusfunktion mehr ist, sondern zur Verbrauchererwartung wird.
Ebenfalls auf den Zug sprang der Gaming-Spezialist RedMagic mit seinem globalen Launch des RedMagic 11 Air. Das Unternehmen bewirbt seine „Charge Separation“-Funktion als zentrales Verkaufsargument. Sie erlaubt es dem Gerät, vollständig über Netzstrom zu laufen, ohne den Akku ständig nachzuladen. Dies unterbindet das schädliche „Mikro-Cycling“ – minimale Lade- und Entladezyklen, die die Zellen über die Zeit abnutzen.
Die Wissenschaft hinter dem „Nicht-Laden“
Der plötzliche Fokus der Industrie auf diese Technologie bekämpft den Erzfeind jedes Lithium-Ionen-Akkus: Hitze. Lädt ein Smartphone, entsteht durch den inneren Widerstand Wärme. Wird gleichzeitig eine rechenintensive App genutzt, heizt sich auch der Prozessor auf. Diese doppelte thermische Belastung kann die Temperatur im Gerät so stark erhöhen, dass sich der Elektrolyt in der Batterie kristallisiert – die Kapazität sinkt dauerhaft.
Bypass Charging löst dieses Problem, indem es einen direkten Stromkreis zwischen dem USB-C-Anschluss und dem Prozessor schaltet. „Das Prinzip ist dem eines Laptops sehr ähnlich, der ohne Akku, aber mit Netzteil betrieben wird“, erläutert eine Batterie-Expertin. Bleibt der Akku während langer Nutzungsphasen inaktiv und kühl, versprechen die Hersteller eine deutlich höhere Zahl von Ladezyklen und damit eine um Jahre verlängerte Gesamtlebensdauer der Geräte.
Android 16: Software unterstützt den Hardware-Trend
Die Entwicklung auf Hardware-Ebene wird durch kommende Software-Innovationen gestützt. Berichte über die in Entwicklung befindliche Version Android 16 deuten darauf hin, dass Google die Transparenz rund um die Batteriegesundheit massiv ausbauen will. Neue Tools im Betriebssystem sollen präzise Prozentangaben zur „Batteriekapazität“ liefern – ähnlich wie lange bei iOS üblich – sowie „Health Assistance“-Metriken anbieten.
Auch wenn Bypass Charging primär eine herstellerspezifische Hardware-Funktion bleibt, zeigt die Synchronisation mit den verbesserten Gesundheitsmetriken von Android 16 einen abgestimmten Schub im gesamten Ökosystem. Das Ziel: Elektroschrott reduzieren und die Nutzungsdauer der Geräte verlängern. Da Verbraucher ihre Smartphones heute oft drei bis vier Jahre behalten, wird Software, die die Hardware schützt, zu einem entscheidenden Kaufargument.
Neue Märkte und der Druck auf Samsung & Apple
Die Demokratisierung der Technologie stellt auch den Zubehörmarkt vor neue Aufgaben. Wenn Smartphones direkt mit Netzstrom betrieben werden können, steigt die Nachfrage nach hochwertigen, stabilen Power Delivery (PD)-Ladegeräten. Marktbeobachter prognostizieren für 2026 einen Boom bei „intelligenten Ladegeräten“, die mit den Geräten kommunizieren und diese ausgefeilten Stromversorgungszustände managen können.
Gleichzeitig erhöht der Vorstoß von OnePlus, Vivo und Nubia den Druck auf die Branchenriesen. Die Blicke richten sich nun auf Samsung und Apple. Wird Samsung seine bisher nur im „Game Booster“ versteckte Funktion „Pause USB Power Delivery“ systemweit verfügbar machen? Wird Apple nachziehen? Die Konkurrenz hat die Latte höher gelegt: Batterieschutz ist nicht mehr optional, sondern ein Kernfeature.
Die Botschaft der Mobilfunkindustrie Ende Januar 2026 ist eindeutig: Der schnellste Weg, einen Akku zu schonen, ist manchmal, ihn gar nicht erst zu laden. Indem sie es den Nutzern ermöglichen, ihr digitales Leben direkt aus der Steckdose zu speisen, bieten die Hersteller endlich eine praktikable Lösung für das Dilemma der Batteriealterung – und könnten der nächsten Smartphone-Generation Jahre zusätzlicher Nutzungsdauer schenken.


