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Service Standard startet: Bund schreibt digitale Verwaltungsqualität vor

02.01.2026 - 21:21:12

Ab sofort gelten für neue digitale Behördendienste des Bundes verbindliche Qualitätsregeln. Der einheitliche Service Standard soll das Online-Erlebnis beim Staat so einfach wie Online-Banking machen und die Zersplitterung zwischen Behörden beenden.

Seit dem 1. Januar 2026 ist der neue Servicestandard für Online-Verwaltungsdienste des Bundes rechtsverbindlich. Grundlage ist die technische Spezifikation DIN SPEC 66336, die 13 Kernprinzipien für nutzerzentriertes Design, Barrierefreiheit und echte End-to-End-Digitalisierung festlegt. Das Ziel: Bürger sollen Formulare nach dem Online-Absenden nicht mehr ausdrucken und per Post nachsenden müssen.

Das Bundesinnenministerium sieht in dem Standard den Grundstein für einen „One Government“-Ansatz. Ob Parkausweis in Hamburg oder Wohngeld in München – die digitale Oberfläche soll künftig überall nach der gleichen Logik funktionieren. Diese verbindliche Qualitätssicherung markiert einen Wendepunkt. Während das erste Onlinezugangsgesetz (OZG 1.0) vor allem auf die Menge der Services drängte, liegt der Fokus von OZG 2.0 nun auf Qualität und Vernetzung.

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Länder setzen auf die vollständige E-Akte

Parallel zum Bund gehen auch die Bundesländer voran. In Niedersachsen trat am Jahresbeginn eine Pionierregelung in Kraft: Alle Landesbehörden müssen neue Vorgänge seitdem ausschließlich elektronisch aktenführen (E-Akte).

Damit werden die langsameren „Hybrid“-Workflows aus Papier und Digitalem beendet. Der Schritt ist eine Voraussetzung für das Once-Only-Prinzip, bei dem Bürger dieselben Dokumente nicht mehr bei verschiedenen Stellen einreichen müssen. Ähnliche Initiativen laufen in anderen Ländern, angetrieben durch den OZG-2.0-Rahmen, der Backend-Prozesse standardisieren will.

KIs erobern die Bürgerämter

Mit dem neuen Jahr hält auch Künstliche Intelligenz Einzug in die Kommunalverwaltung. Ein Vorreiter ist der virtuelle Assistent „HaNi“ im Landkreis Heilbronn, der seit dem 1. Januar im Dienst ist.

„HaNi“ steht für eine neue Generation von Behördendialogsystemen. Statt einfacher Stichwortsuche kann der mehrsprachige Chatbot Nutzer in Echtzeit durch komplexe Verwaltungsfragen lotsen. Das System unterstützt über 20 Sprachen und einen „Leichte Sprache“-Modus – und erfüllt so direkt die Vorgabe des Service Standards für barrierefreien Zugang. Solche Pilotprojekte testen die breitere KI-Integration, ein Schwerpunkt der Digitalstrategie 2026-2030. Der Standard fördert zudem Open-Source-Komponenten, damit Kommunen solche Tools kostengünstig übernehmen können.

Herausforderungen auf dem Weg zur digitalen Verwaltung

Die Einführung des Standards ist die operative Umsetzung des OZG 2.0 aus dem Juli 2024. Für die öffentliche Verwaltung bringt die DIN SPEC als verbindliche Metrik Klarheit: Auftraggeber und IT-Dienstleister haben nun eine klare Checkliste für die Umsetzung. Das reduziert rechtliche Unsicherheiten, die Projekte bisher ausbremsten.

Doch es bleiben Hürden. Die Anbindung alter Fachverfahren an die neue Architektur ist kosten- und ressourcenintensiv. Kommunale Spitzenverbände mahnen, dass die Standards zwar hilfreich seien, die Finanzierung der notwendigen technischen Nachrüstung vor Ort aber weiter verhandelt werden müsse.

Was kommt 2026?

Der Fokus liegt nun auf dem Programm Registermodernisierung. Während der Service Standard einheitliche Oberflächen sichert, müssen im Hintergrund die Datenregister vernetzt werden, um „Once-Only“ Wirklichkeit werden zu lassen.

Der IT-Planungsrat will bis Mitte des Jahres Umsetzungsrichtlinien für die BundID-Integration vorlegen. Diese Bundes-ID soll der universelle Schlüssel für die neuen Dienste werden. Die ersten Compliance-Prüfungen nach dem neuen Standard sind für das dritte Quartal 2026 geplant. Sie werden zeigen, wie gut Behörden die Qualitätsvorgaben umsetzen.

Für Bürger wird der Wandel allmählich spürbar sein: eine stetige Einführung kohärenterer, mobilfreundlicherer und nutzerorientierterer Behördenwebsites, die weniger wie bürokratische Hürden und mehr wie moderne digitale Dienste funktionieren.

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