Self-Set-Salaries, Mitarbeiter

Self-Set-Salaries: Mitarbeiter bestimmen ihr Gehalt selbst

06.02.2026 - 08:55:12

Das Modell der selbstbestimmten Gehälter verspricht mehr Motivation und Transparenz, stößt aber auch an Grenzen. Eine neue EU-Richtlinie treibt die Diskussion voran.

Mitarbeiter legen ihr eigenes Gehalt fest. Dieses radikale Modell, bekannt als Self-Set-Salaries, gewinnt in der New-Work-Debatte an Bedeutung. Es verspricht mehr als nur faire Bezahlung: Es soll die psychische Widerstandsfähigkeit der Belegschaft stärken und Vertrauen schaffen. Unternehmen testen es als Antwort auf den Ruf nach mehr Autonomie und Transparenz.

Mehr Autonomie, mehr Motivation?

Das Prinzip bricht mit starren Gehaltsstrukturen. Teams entwickeln gemeinsam transparente Kriterien für die Gehaltsfindung – basierend auf Erfahrung, Verantwortung und Beitrag zum Erfolg. Die klassische, oft als unfair empfundene Einzelverhandlung mit dem Chef entfällt.

Psychologisch ist der Ansatz tiefgreifend. Die Selbstbestimmung über das eigene Gehalt befriedigt ein menschliches Grundbedürfnis. Experten sehen darin einen Turbo für die intrinsische Motivation und die Identifikation mit dem Unternehmen. Die Botschaft an die Mitarbeiter lautet: „Wir vertrauen eurer Einschätzung.“

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Transparenz als Schlüssel gegen Ungleichheit

Ein zentraler Pfeiler des Modells ist die vollständige Offenlegung. Gehälter und die zugrundeliegenden Kriterien sind für alle einsehbar. Diese Transparenz hat konkrete Vorteile:
* Sie macht ungerechtfertigte Gehaltsunterschiede, wie den Gender Pay Gap, schwerer aufrechtzuerhalten.
* Sie reduziert psychischen Stress, der durch Geheimniskrämerei und Spekulationen entsteht.
* Sie schafft ein stabileres, vertrauensvolleres Arbeitsklima und entlastet die mentale Gesundheit.

Wo das Modell an seine Grenzen stößt

Die Idee ist kein Selbstläufer. Das Londoner Unternehmen Smarkets beendete sein Experiment nach einigen Jahren. Die Gründe: ein entstandenes Machtvakuum und Mitarbeiter, die die alleinige Verantwortung für ihre Gehaltsfestsetzung überfordert.

Die Einführung erfordert eine extrem reife Unternehmenskultur mit hoher emotionaler und kommunikativer Kompetenz. Ein abrupter Wechsel von Intransparenz zu voller Selbstbestimmung droht zu scheitern. Nicht jeder Mitarbeiter möchte oder kann seinen eigenen Marktwert bestimmen.

Getrieben von Gesetz und Fachkräftemangel

Die Diskussion gewinnt zusätzlichen Rückenwind durch die Politik. Eine neue EU-Richtlinie verpflichtet Unternehmen bis Juni 2026 zu mehr Lohntransparenz. Künftig müssen Gehaltsspannen schon in Stellenanzeigen stehen.

Self-Set-Salaries gehen über diese gesetzlichen Vorgaben hinaus. Sie zielen auf einen kulturellen Paradigmenwechsel ab. Unternehmen wie das Berliner Start-up Einhorn praktizieren solche Modelle bereits und berichten von einer gestärkten Unternehmenskultur.

Wird es flächendeckend zum Standard? Wahrscheinlich nicht. Dafür sind die Voraussetzungen zu spezifisch. Doch als Werkzeug im Baukasten moderner Personalarbeit – besonders in wissensbasierten Branchen – gewinnt es an Einfluss. Die große Herausforderung wird sein, den richtigen Mix aus radikaler Autonomie und notwendigen Leitplanken zu finden.

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