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SCC-VAZ 2021: Tausende Firmen droht der Ausschluss von Industriestandorten

06.02.2026 - 23:23:12

Bis November 2026 müssen alle Mitarbeiter in sensiblen Industrien nach neuem Standard rezertifiziert sein. Die Halbierung der Gültigkeitsdauer stellt Firmen vor enorme logistische und finanzielle Herausforderungen.

Eine verbindliche Neuregelung zur Arbeitssicherheit stellt Industriedienstleister in Deutschland vor eine Mammutaufgabe. Bis zum 1. November 2026 müssen alle operativen Mitarbeiter und Führungskräfte nach dem neuen Standard SCC-VAZ 2021 rezertifiziert sein. Alte Zertifikate verlieren dann ihre Gültigkeit – wer zu spät kommt, riskiert den Zugang zu Chemieparks und anderen sensiblen Industriestandorten.

Wettlauf gegen die Zeit beginnt

Der Kern des Problems liegt in einer drastischen Verkürzung. Die Gültigkeit der persönlichen SGU-Zertifikate (Sicherheit, Gesundheit, Umweltschutz) wurde von zehn auf nur noch fünf Jahre halbiert. Diese Änderung soll sicherstellen, dass das Sicherheitswissen des Personals in gefährlichen Umgebungen wie der Chemie- oder Energiewirtschaft stets aktuell ist. Für die betroffenen Unternehmen bedeutet das jedoch einen enormen organisatorischen und finanziellen Aufwand. Tausende Mitarbeiter müssen in den kommenden Monaten geschult und geprüft werden.

„Die Frist ist lange bekannt, doch die Erfahrung zeigt: Viele schieben die Umstellung vor sich her“, warnt ein Branchenkenner. Ein Engpass bei Schulungsanbietern und Prüfstellen kurz vor dem Stichtag gilt als wahrscheinlich. Unternehmen, die jetzt nicht systematisch planen, könnten im Herbst 2026 vor dem Problem stehen, dass ganze Belegschaften nicht mehr einsatzfähig sind.

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Was ändert sich konkret für die Firmen?

Ab dem 1. November 2026 akzeptieren weder Zertifizierer noch die großen Industriekunden wie BASF oder Covestro noch ein einziges Zertifikat nach dem alten SCC 2011-Standard. Das gilt unabhängig vom ursprünglichen Ablaufdatum. Ein 2020 ausgestelltes Zehn-Jahres-Zertifikat wird also nicht 2030, sondern bereits Ende Oktober 2026 ungültig.

Die Umstellung erfordert mehr als nur neue Schulungen. Die gesamten internen Prozesse zur Personalplanung und Dokumentation müssen an die kürzeren Intervalle angepasst werden. Zertifizierungsstellen wie TÜV, DEKRA oder DNV prüfen im Rahmen von Audits, ob diese Anpassungen erfolgt sind. Der Verband akkreditierter Zertifizierungsgesellschaften (VAZ) stellt dafür einen aktualisierten Fragenkatalog bereit.

Compliance als entscheidender Wettbewerbsfaktor

In der deutschen Industrie ist das SCC-Zertifikat oft die Eintrittskarte für lukrative Aufträge. Es signalisiert den Anlagenbetreibern, dass ein Dienstleister über ein verlässliches Sicherheitsmanagement und kompetentes Personal verfügt. Der Verlust der Zertifizierung bedeutet daher häufig den direkten Ausschluss vom Markt.

Unternehmen, die die Umstellung proaktiv angehen, können sich so als besonders verlässliche Partner positionieren. Wer die Frist versäumt, muss dagegen nicht nur mit Auftragsverlusten, sondern auch mit Vertragsstrafen und erheblichen Imageschäden rechnen. Die Botschaft an die Branche ist klar: Die Zeit des Abwartens ist vorbei. Die Planung für die Rezertifizierungswelle muss jetzt starten.

@ boerse-global.de