Personalwesen, Verwalter

Personalwesen 2026: Vom Verwalter zum strategischen Gestalter

01.01.2026 - 15:31:12

Der gesetzliche Mindestlohn steigt, Bürokratie wird digital abgebaut und die EU-Entgelttransparenzrichtlinie zwingt zu neuen Gehaltsstrukturen. Personalabteilungen werden strategischer.

Zum Jahresauftakt 2026 wird die Personalarbeit in Deutschland durch neue Gesetze und eine bevorstehende EU-Richtlinie grundlegend neu definiert. Der Fokus verschiebt sich endgültig von der Administration zur strategischen Gestaltung.

Mindestlohn steigt, Bürokratie schrumpft

Ab sofort gelten neue gesetzliche Rahmenbedingungen. Der gesetzliche Mindestlohn steigt auf 13,90 Euro pro Stunde. Damit erhöht sich automatisch die Geringfügigkeitsgrenze auf 603 Euro monatlich. Gleichzeitig wurden die Beitragsbemessungsgrenzen in der Sozialversicherung angepasst. In der Rentenversicherung liegt sie nun bei 8.450 Euro monatlich.

Ein historischer Schritt betrifft die Lohnabrechnung: 35 Jahre nach der Wiedervereinigung entfällt die Trennung der Rechtskreise Ost und West bei den Beitragsnachweisen. Arbeitgeber übermitteln ab sofort nur noch einen einheitlichen Datensatz. Das vereinfacht Prozesse erheblich.

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Digitalisierung besiegt die Papierflut

Eine große Erleichterung für Personalabteilungen ist die vollständige Digitalisierung der Zuschussbescheinigungen für privat krankenversicherte Mitarbeiter. Private Krankenkassen übermitteln die Beitragsdaten nun elektronisch direkt an das Bundeszentralamt für Steuern.

Die manuelle Erfassung von Papierbescheinigungen entfällt. Die Daten werden ähnlich wie Lohnsteuerabzugsmerkmale über das ELStAM-Verfahren abgerufen. Das spart Zeit und minimiert Fehler. Zudem wird der digitale Abruf von Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen auf Vorsorge- und Rehaleistungen ausgeweitet.

Countdown zur Gehaltstransparenz läuft

Während diese Änderungen sofort wirken, tickt im Hintergrund eine weitere Uhr: Bis zum 7. Juni 2026 muss die EU-Entgelttransparenzrichtlinie in nationales Recht umgesetzt sein. Sie verpflichtet Arbeitgeber künftig, in Stellenanzeigen Gehaltsspannen anzugeben.

Mitarbeiter erhalten zudem umfangreiche Auskunftsrechte über die Durchschnittsgehälter von Kollegen in vergleichbaren Positionen – aufgeschlüsselt nach Geschlecht. Unternehmen ohne klare, diskriminierungsfreie Gehaltsstruktur riskieren ab Sommer rechtliche Konsequenzen und Reputationsschäden. Die kommenden Monate müssen für eine Überprüfung der Vergütungsmodelle genutzt werden.

KI und Skills-Management gewinnen an Bedeutung

Jenseits der Regulatorik verändert die Technologie die Personalarbeit. Der Fokus liegt 2026 auf der Integration von KI-Agenten, die komplexe Aufgaben autonom übernehmen. Gleichzeitig setzt sich „Skills-based Hiring“ durch – die kompetenzbasierte Einstellung löst die rein abschlussorientierte Rekrutierung ab.

Angesichts des Fachkräftemangels wird interne Mobilität zum Schlüssel. Digitale Talent-Marktplätze, gesteuert durch KI, matchen Mitarbeiterfähigkeiten mit internen Projekten. Die Personalabteilung verwaltet so keine Akten mehr, sondern Kompetenzportfolios.

Strukturelle Neuaufstellung als Chance

Die Änderungen zeigen die wachsende Komplexität des Personalmanagements. Während die Digitalisierung Bürokratie abbaut, schaffen neue Transparenzpflichten zusätzlichen Aufwand. Im Vergleich zu den Krisenjahren zuvor bietet 2026 die Chance für eine fundamentale Neuausrichtung.

Unternehmen, die ihre Vergütungsstrukturen jetzt proaktiv anpassen und digitale Tools nutzen, gewinnen im Wettbewerb um Talente. Wer abwartet, könnte im Juni von Auskunftsersuchen überrollt werden. 2026 beweist: Personalarbeit ist kein Support mehr, sondern strategischer Partner für Rechtssicherheit und Attraktivität.

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