PEM-Handelszone spaltet sich in zwei Blöcke
01.01.2026 - 08:31:12Seit Jahreswechsel gelten in der Pan-Euro-Mittelmeer-Zone zwei unterschiedliche Handelsregime. Algerien, Israel und der Libanon profitieren nicht von modernisierten Regeln, was Lieferketten belastet.
Die Pan-Euro-Mittelmeer-Handelszone ist ab sofort gespalten. Während die meisten Mitglieder moderne Ursprungsregeln nutzen, bleiben Algerien, Israel und Libanon im alten System gefangen – mit spürbaren Folgen für Lieferketten.
Brüssel, 1. Januar 2026 – Seit Mitternacht herrscht in der Pan-Euro-Mittelmeerzone (PEM) ein neues Handelsregime. Die Übergangsfrist ist ausgelaufen und hat eine klare Trennung geschaffen: Die Mehrheit der Länder handelt nach den modernisierten PEM-Regeln von 2025, während Algerien, Israel und Libanon im veralteten System von 2012 verharren. Diese „Sonderstellung“ erschwert den Handel zwischen den Blöcken erheblich.
Was bedeutet die Zwei-Zonen-Realität?
Bisher konnten Unternehmen während einer Übergangsphase beide Regelwerke parallel nutzen. Diese Flexibilität ist seit dem Jahreswechsel Geschichte. Die PEM-Zone teilt sich nun in zwei rechtlich getrennte Blöcke:
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- Block 1 (Modernisiert): Dazu gehören die EU, die EFTA-Staaten, die Balkanländer, Georgien, Moldau und die Ukraine. Sie profitieren von flexibleren Ursprungsregeln und höheren Toleranzgrenzen.
- Block 2 (Alt-Regeln): Algerien, Israel und Libanon sowie teilweise Tunesien und Marokko bleiben im alten, strengeren System von 2012. Der Grund: Sie haben das überarbeitete Abkommen nicht rechtzeitig ratifiziert.
Die direkte Folge: Die diagonale Kumulierung von Waren zwischen den Blöcken ist nicht mehr möglich. Materialien aus Israel können also nicht mehr mit Vorprodukten aus Serbien kombiniert werden, um für den Export in die EU Zollfreiheit zu beanspruchen.
Spürbare Konsequenzen für die Wirtschaft
Für Unternehmen, die grenzüberschreitende Lieferketten unterhalten, bedeutet die Spaltung erheblichen administrativen Aufwand und finanzielle Risiken.
„Die Zeit der Durchlässigkeit ist vorbei“, heißt es in einem Compliance-Update der europäischen Zollbehörden. Die neuen Realitäten zwingen Hersteller zu drastischen Maßnahmen:
- Getrennte Lager: Materialien aus den beiden Blöcken müssen physisch oder buchhalterisch strikt getrennt werden.
- Zollnachteile: Viele Produkte verlieren ihren Präferenzstatus und werden bei der Einfuhr in die EU wieder zollpflichtig.
- Strengere Dokumentation: Die Ursprungsnachweise (EUR.1) müssen genau überprüft werden. Ein Zertifikat aus Algerien basiert auf anderen Regeln als eines aus Moldau.
Besonders betroffen sind Branchen mit komplexen Wertschöpfungsketten wie die Textil- oder Automobilindustrie. Ein Hemd, das in Jordanien aus israelischem Stoff genäht wird, könnte plötzlich teurer werden.
Warum hinken diese drei Länder hinterher?
Die Gründe für die „Sonderstellung“ sind politischer und administrativer Natur:
- Algerien: Die Handelsbeziehungen zur EU sind angespannt. Ein laufendes Schiedsverfahren wegen Handelsbeschränkungen hat notwendige Vertragsaktualisierungen blockiert.
- Israel und Libanon: Die anhaltende geopolitische Instabilität im Nahen Osten hat die gesetzgeberische Aufmerksamkeit gebunden. Die Ratifizierung des neuen Abkommens konnte nicht fristgerecht abgeschlossen werden.
Für die betroffenen Volkswirtschaften ist der Status ein Wettbewerbsnachteil. Sie profitieren nicht von den Erleichterungen des modernisierten Systems, etwa einer erhöhten Toleranzgrenze für Fremdmaterialien.
Wiedereingliederung oder dauerhafte Spaltung?
Die Europäische Kommission betont, dass die Tür für einen späteren Beitritt zum modernisierten System offenbleibt. Der aktuelle Status soll nicht dauerhaft sein.
„Das Ziel bleibt eine einheitliche Handelszone“, so ein Brüsseler Handelsexperte. „Doch für das erste Halbjahr 2026 müssen Unternehmen mit erheblichen Friktionen rechnen.“
Unternehmen wird geraten, ihre Lieferketten umgehend zu überprüfen. Wer Waren zwischen den Blöcken kumuliert, riskiert die Ungültigkeit seiner Zollpräferenzen – mit sofortiger Wirkung.


