OneSpan-Aktie, Kostenschnitt

OneSpan-Aktie zwischen Kostenschnitt und KI-Fantasie: Lohnt sich der Einstieg nach der Kursdelle?

04.01.2026 - 19:50:09

Die Aktie von OneSpan steht nach schwachen Quartalszahlen und gesenkter Jahresprognose unter Druck. Doch neue Produkte, KI-Funktionen und ein aktivistischer Investor eröffnen Chancen – bei hohem Risiko.

Die Stimmung rund um die Aktie von OneSpan Inc. schwankt derzeit zwischen Ernüchterung und vorsichtigem Opportunismus. Nach einer Reihe schwacher Quartale, verhaltenen Prognosen und deutlichen Kursabschlägen ist das Wertpapier aus dem Bereich digitale Identität und Betrugsprävention aus dem Fokus vieler Wachstumsanleger verschwunden. Gleichzeitig locken eine hohe Cash-Position, laufende Effizienzprogramme, neue Softwarefunktionen sowie ein aktivistischer Großaktionär, der auf eine strategische Neuausrichtung oder sogar einen Verkauf drängt. Für risikobewusste Investoren ergibt sich damit ein klassisches Turnaround-Szenario – mit erheblichen Chancen, aber ebenso klaren Fallstricken.

Ein-Jahres-Rückblick: Das Investment-Szenario

Wer vor rund einem Jahr in die OneSpan-Aktie eingestiegen ist, braucht derzeit starke Nerven. Damals lag der Schlusskurs nach Daten von Nasdaq und Yahoo Finance bei etwa 11,00 US?Dollar je Aktie. Der jüngste Schlusskurs notierte nach übereinstimmenden Angaben von Yahoo Finance und Google Finance bei rund 8,40 US?Dollar (Handelsplatz Nasdaq; Schlusskurs vom letzten Handelstag), was einem Rückgang von rund 24 Prozent innerhalb von zwölf Monaten entspricht.

Damit hat OneSpan sich sowohl gegenüber dem breiten US?Technologieindex als auch gegenüber vielen Softwarewerten deutlich schlechter entwickelt. Auf Sicht von fünf Handelstagen zeigte sich der Kurs zuletzt leicht volatil seitwärts mit einem leichten Minus im niedrigen einstelligen Prozentbereich. Über die vergangenen 90 Tage allerdings dominiert ein klar abwärtsgerichteter Trend: Seit Herbst verlor die Aktie im Zuge enttäuschender Quartalszahlen und einer gesenkten Jahresprognose für Umsatzwachstum und Profitabilität zweistellig an Wert.

Auch der Blick auf die 52?Wochen?Spanne unterstreicht die aktuelle Schwächephase. Die Aktie schwankte in diesem Zeitraum laut Nasdaq-Daten grob zwischen einem Tief im Bereich von knapp über 7 US?Dollar und einem Hoch von deutlich über 14 US?Dollar. Ausgehend vom Hoch hat sich der Kurs damit nahezu halbiert. Charttechnisch ist das Sentiment klar bärisch: Die Notierung liegt unter wichtigen gleitenden Durchschnitten, und jeder Erholungsversuch wurde zuletzt zügig abverkauft. Für Langfristinvestoren, die an die strategische Wende glauben, eröffnet dieses Kursniveau allerdings auch eine Bewertungsfantasie – sofern das Management die angepeilte Ertragswende liefern kann.

Aktuelle Impulse und Nachrichten

In den vergangenen Tagen war es auf der Nachrichtenseite zu OneSpan vergleichsweise ruhig, größere neue Unternehmensmeldungen blieben aus. Die dominierenden Impulse stammen daher weiterhin aus jüngsten Quartalsberichten und strategischen Ankündigungen, die das Sentiment bis heute prägen. Vor wenigen Wochen hatte das Unternehmen im Rahmen der Zahlenvorlage einmal mehr die Geduld der Anleger strapaziert: Zwar treibt OneSpan den Umbau vom eher beratungs- und hardwarelastigen Geschäft hin zu einem fokussierten SaaS?Modell für digitale Signaturen, Identitätsprüfung und Betrugsprävention konsequent voran. Doch die Wachstumsdynamik blieb hinter den Erwartungen des Marktes zurück, während gleichzeitig die Profitabilität noch nicht nachhaltig überzeugt.

Besonders kritisch reagierten Investoren auf die Anpassung der Jahresziele. Die Prognose für wiederkehrende Umsätze und die operative Marge wurde im Vergleich zu früheren Aussagen spürbar vorsichtiger formuliert. Das Management begründete dies mit einer Zurückhaltung vieler Unternehmenskunden bei IT?Investitionen, längeren Verkaufszyklen sowie einem intensiven Wettbewerbsumfeld im Umfeld von E?Signatur? und Sicherheitslösungen. Gleichzeitig betonte der Vorstand erneut die Fortschritte bei der Umstellung auf ein stärker margenstarkes, cloudbasiertes Geschäftsmodell. Neue Produkte mit erweiterten KI?gestützten Risiko- und Betrugserkennungsfunktionen sowie die Integration von Identitätsprüfungen in digitale Onboarding-Prozesse sollen in den kommenden Quartalen zusätzlichen Schub geben. Der Markt quittierte diese Mischung aus verhaltenem Ausblick und Transformationsstory allerdings zunächst mit weiterer Skepsis.

Das Urteil der Analysten & Kursziele

Das Urteil der Analysten fällt derzeit uneinheitlich, insgesamt aber leicht positiv aus. Nach Auswertung aktueller Daten von Finanzportalen wie MarketWatch, TipRanks und Yahoo Finance liegt der Konsens in einer Bandbreite von "Halten" bis "Kaufen". In den vergangenen Wochen haben mehrere Häuser ihre Einschätzungen überprüft, teilweise nach unten angepasst, ohne jedoch flächendeckend auf "Verkaufen" zu wechseln.

So liegt das durchschnittliche Kursziel der beobachtenden Analysten aktuell im Bereich von rund 12 bis 13 US?Dollar je Aktie – und damit signifikant über dem jüngsten Schlusskurs von etwa 8,40 US?Dollar. Das impliziert ein potenzielles Aufwärtspotenzial im Bereich von 40 bis 50 Prozent, setzt allerdings voraus, dass OneSpan die eigenen Mittelfristziele tatsächlich erreicht. Einzelne Research?Häuser, darunter spezialisierte Tech- und Small-Cap?Broker, begründen ihre moderaten Kaufempfehlungen mit der Kombination aus solider Bilanz, hoher Liquidität und der Chance, dass ein aktivistischer Investor zusätzlichen Druck auf das Management ausübt, um Wert zu heben – sei es durch höhere Effizienz, Portfolioverkäufe oder eine strategische Transaktion.

Auf der anderen Seite stehen vorsichtigere Stimmen, die zwar kein drastisches Abwärtsszenario sehen, kurzfristig aber nur begrenzte Katalysatoren erkennen. Sie verweisen auf das ausgereizte Wettbewerbsumfeld im E?Signatur?Segment, starken Konkurrenzdruck durch größere Plattformanbieter und das Risiko, dass der Transformationsprozess länger dauert und teurer wird als vom Management geplant. Bei ihnen überwiegen Empfehlungen im Spektrum "Halten" mit Kurszielen, die nur moderat über dem aktuellen Marktpreis liegen.

Ausblick und Strategie

Für die kommenden Monate hängt die Perspektive der OneSpan-Aktie maßgeblich davon ab, ob das Unternehmen die Balance aus Wachstum und Profitabilität überzeugend hinbekommt. Strategisch setzt OneSpan klar auf drei Stoßrichtungen: Erstens die weitere Fokussierung auf wiederkehrende Umsätze mit Software?Abonnements rund um digitale Signaturen und Identitätslösungen. Zweitens die Integration von KI?gestützter Betrugsprävention und Risikobewertung, um sich klar von reinen E?Signatur?Anbietern abzugrenzen. Drittens eine strikte Kosten- und Portfoliokontrolle, zu der auch der Rückzug aus margenschwachen Randbereichen gehört.

Gerade der Ausbau der Plattform zu einer umfassenden Sicherheits- und Vertrauensinfrastruktur für digitale Geschäftsprozesse könnte sich als strategischer Vorteil erweisen. In einer Welt, in der Banken, Versicherer, Behörden und Unternehmen zunehmend auf vollständig digitale Onboarding- und Vertragsprozesse umstellen, ist das Zusammenspiel aus Identitätsprüfung, Signatur, Authentifizierung und Betrugsprävention ein entscheidender Faktor. Gelingt es OneSpan, sich als vertrauenswürdiger Spezialist in diesem Nischenfeld zu etablieren und zugleich über APIs und Partnernetzwerke tief in die Systeme der Kunden integriert zu werden, könnte sich die aktuelle Wachstumsschwäche als vorübergehende Delle erweisen.

Risiken bleiben dennoch erheblich. Zum einen ist der Wettbewerb durch große Plattformanbieter aus dem Cloud?- und Office?Umfeld intensiv, die E?Signatur? und Authentifizierungslösungen zunehmend als Zusatzfunktion in bestehenden Produktpaketen mitliefern. Zum anderen führt das Makroumfeld mit unsicheren IT?Budgets und Priorisierungsdebatten auf Kundenseite dazu, dass neue Vertragsabschlüsse verzögert werden. Hinzu kommt, dass ein Transformationsprozess hin zu mehr SaaS?Umsatz typischerweise zunächst auf die kurzfristigen Umsätze drückt, während sich die Vorteile wiederkehrender Erlöse erst sukzessive in den Kennzahlen niederschlagen.

Für Anleger aus dem deutschsprachigen Raum, die in US?Nebenwerte investieren, bleibt OneSpan damit ein Spezialwert für die risikobewusste Nische im Depot. Positiv zu werten sind die vergleichsweise solide Kapitalausstattung, die laufenden Kostensenkungsprogramme sowie die Möglichkeit, dass ein aktivistischer Investor zusätzliche strategische Optionen auf den Tisch bringt – bis hin zu einem möglichen Verkauf oder einer Fusion mit einem größeren Branchenteilnehmer. Das Bewertungsniveau, gemessen an Umsatzmultiplikatoren und dem Abstand zu den Analystenkurszielen, signalisiert jedenfalls, dass ein Teil der Enttäuschungen bereits im Kurs reflektiert ist.

Gleichzeitig sollten Investoren sich darüber im Klaren sein, dass die kurzfristige Kursentwicklung stark von einzelnen Nachrichtenereignissen abhängen kann: Neue Kundenabschlüsse im Finanz- oder Behördenumfeld, der Erfolg KI?gestützter Produkte, weitere Effizienzgewinne oder eben auch M&A?Gerüchte könnten die Aktie jederzeit in die eine oder andere Richtung bewegen. Wer einsteigt, spekuliert weniger auf ein stetig wachsendes Qualitätsunternehmen, sondern auf einen gelingenden Turnaround in einem von technologischen und regulatorischen Veränderungen getriebenen Marktsegment.

Unterm Strich präsentiert sich OneSpan derzeit als Wette auf eine strategische Neuaufstellung und die Monetarisierung von Vertrauens- und Sicherheitslösungen im digitalen Geschäftsverkehr. Ob aus der aktuellen Kursschwäche eine nachhaltige Erholungsstory wird, hängt von der Fähigkeit des Managements ab, den Spagat zwischen Kostendisziplin, Innovation und wachstumsstarker Positionierung im hochkompetitiven Markt für digitale Identität zu meistern.

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