Österreichs Bodenverbrauch sinkt leicht – Ziel aber noch fern
29.01.2026 - 18:08:12Neue Zahlen zeigen einen Rückgang des täglichen Bodenverbrauchs in Österreich. Von der angestrebten Trendwende ist das Land jedoch noch weit entfernt. Das Nachhaltigkeitsziel der Regierung, den Verbrauch bis 2030 auf 2,5 Hektar pro Tag zu senken, rückt nicht näher.
Experten und Verbände fordern deshalb schärfere politische Maßnahmen. Die Debatte um eine bundesweite Bodenschutzstrategie gewinnt an Schärfe.
Ein Silberstreif am Horizont?
Die aktuellen Daten der Österreichischen Raumordnungskonferenz (ÖROK) signalisieren eine positive Entwicklung. Die durchschnittliche tägliche Flächeninanspruchnahme sank im Zeitraum 2022 bis 2025 auf 6,5 Hektar.
Das ist ein deutlicher Rückgang. In früheren Perioden lag der Wert oft über 11 Hektar pro Tag. Der Langzeitdurchschnitt der vergangenen Jahre betrug laut Umweltbundesamt und WWF konstant 11,3 bis 11,5 Hektar.
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Trotz des Rückgangs bleibt das Niveau besorgniserregend hoch. Österreich verfehlt sein eigenes Nachhaltigkeitsziel von 2,5 Hektar pro Tag damit um mehr als das Doppelte. Rund die Hälfte der neu beanspruchten Flächen wird zudem dauerhaft versiegelt.
Was treibt den Flächenfraß an?
Die Ursachen sind tief in den Strukturen des Landes verwurzelt. Den größten Anteil haben Bau- und Betriebsflächen. Supermärkte, Logistikzentren und Gewerbeparks auf der „grünen Wiese“ tragen maßgeblich bei.
Ein weiterer wesentlicher Faktor sind Verkehrsflächen. Sie machen laut ÖROK knapp ein Drittel der genutzten Flächen aus.
Ein strukturelles Problem ist die fortschreitende Zersiedelung. Der Bau von Einfamilienhäusern am Ortsrand verbraucht viel Fläche und lässt die Zentren aussterben. 82 Prozent der Österreicher sehen dies laut einer Gallup-Studie als Problem.
Die Raumordnungskompetenz liegt bei den Gemeinden. Diese schaffen oft wirtschaftliche Anreize für Neuansiedlungen – ohne die langfristigen ökologischen Kosten voll zu berücksichtigen.
Die Folgen: Mehr als nur verlorenes Ackerland
Die Konsequenzen sind gravierend und betreffen mehrere Lebensbereiche:
* Landwirtschaft: Riesige Flächen fruchtbaren Ackerlands gehen jährlich verloren. Die Österreichische Hagelversicherung warnt vor Gefahren für die regionale Selbstversorgung.
* Hochwasserschutz: Versiegelte Böden können kein Regenwasser aufnehmen. Das Risiko lokaler Überschwemmungen bei Starkregen steigt.
* Klima: Beton und Asphalt heizen sich stark auf. Sie bilden urbane Hitzeinseln, die zur Gesundheitsbelastung werden.
* Artenvielfalt: Der Verlust natürlicher Böden zerstört Lebensräume und führt zu einem massiven Rückgang der Biodiversität.
Politischer Stillstand und der Ruf nach einer Strategie
Die Diskrepanz zwischen Ziel und Realität ist ein Dauerbrenner der Innenpolitik. Die Bundesregierung gibt das Ziel vor, die Planungshoheit liegt aber bei Ländern und Gemeinden. Diese föderale Struktur erschwert eine wirksame Steuerung.
Umweltschutzorganisationen wie der WWF und Wirtschaftsvertreter fordern seit langem einen verbindlichen „Bodenschutz-Vertrag“ zwischen Bund und Ländern. Eine entsprechende Strategie wurde auf Verwaltungsebene bereits ausgearbeitet und im Februar 2024 von allen Bundesländern beschlossen.
Die öffentliche Meinung unterstützt einen strengeren Kurs. Laut einer Umfrage fordern 76 Prozent der Österreicher strengere Gesetze gegen die Verbauung. 73 Prozent befürworten höhere Förderungen für die Sanierung bestehender Immobilien.
Der lange Weg zur Nachhaltigkeit
Der Handlungsdruck bleibt trotz leicht sinkender Zahlen hoch. Die beschlossene Bodenstrategie muss nun mit konkreten, rechtlich bindenden Maßnahmen gefüllt werden. Der Zeithorizont ist gesteckt: Bis 2030 soll das 2,5-Hektar-Ziel erreicht werden.
Die kommenden Jahre werden zeigen, ob Österreich die Interessen von Wirtschaft, Gemeinden und Umweltschutz in Einklang bringen kann. Entscheidend werden sein:
* Die Reaktivierung von Leerständen und Brachflächen.
* Die Verdichtung in den Ortskernen.
* Eine übergeordnete, strategische Raumplanung.
Ohne einen tiefgreifenden Wandel droht Österreich, eine seiner wertvollsten Ressourcen unwiederbringlich zu verlieren.
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