Zuzug, Mangelberufe

Österreich lockert Zuzug für 64 Mangelberufe

17.01.2026 - 08:43:12

Österreich erleichtert mit einer neuen Verordnung die Einwanderung für Fachkräfte in 64 Mangelberufen. Die Wirtschaft begrüßt das Instrument, während Gewerkschaften vor Lohndumping warnen.

Die österreichische Regierung erleichtert mit einer neuen Verordnung die Einwanderung für Fachkräfte. Die seit Jahresbeginn gültige Fachkräfteverordnung 2026 listet bundesweit 64 Berufe mit akutem Personalmangel auf. Ziel ist es, Engpässe in systemrelevanten Branchen zu bekämpfen und die Wirtschaftskraft zu sichern.

Für qualifizierte Arbeitskräfte aus Nicht-EU-Staaten wird der Weg zur Rot-Weiß-Rot-Karte deutlich einfacher. Voraussetzung ist eine abgeschlossene Ausbildung in einem Mangelberuf und ein konkretes Jobangebot aus Österreich. Das Wirtschaftsministerium erstellt die Liste jährlich neu, basierend auf Daten des Arbeitsmarktservice (AMS).

Technik, Pflege und Handwerk besonders betroffen

Die Liste zeigt, wo der Schuh am meisten drückt. Ein klarer Fokus liegt auf:
* Technischen Berufen: Starkstromtechniker, Maschinenbauer und Landmaschinenbauer werden dringend gesucht.
* Gesundheitswesen: Der Mangel an Pflegekräften und Ärzten bleibt akut.
* Handwerk: Dachdecker, Spengler und Elektroinstallateure fehlen bundesweit.

Hintergrund sind die fortschreitende Digitalisierung und die Energiewende, die den Bedarf an Spezialisten erhöhen. Auch der demografische Wandel verschärft den Personalmangel in der Pflege seit Jahren.

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Köche in Tirol, Fliesenleger in Kärnten

Neben der bundesweiten Liste berücksichtigt die Verordnung auch regionale Besonderheiten. So gelten manche Berufe nur in bestimmten Bundesländern als Mangel.

  • In Tourismus-Hochburgen wie Tirol und Salzburg werden Köche gesucht.
  • Kärnten und die Steiermark melden Bedarf an Platten- und Fliesenlegern.
  • In Oberösterreich stehen Buchhalter auf der regionalen Liste.

Dieses System soll Unternehmen in spezialisierten Regionen helfen, gezielt Fachkräfte anzuwerben. Der angebotene Job muss sich in dem Bundesland befinden, das den Beruf als Mangelberuf führt.

Kritik: Droht Lohndumping?

Die erweiterte Liste stößt nicht nur auf Zustimmung. Gewerkschaften wie die vida kritisieren scharf, dass auch Berufe aus dem Niedriglohnsektor darauf stehen – etwa Friseure oder Masseure. Die Sorge: Statt Löhne und Bedingungen zu verbessern, könnten Unternehmen auf günstigere Arbeitskräfte aus Drittstaaten zurückgreifen.

Besonders umstritten ist die Aufnahme von Bahnberufen wie Triebfahrzeugführern. Kritiker sehen darin ein Versäumnis der Personalplanung bei den ÖBB. Auch Migranten-Organisationen vermissen verbindliche Schutz- und Integrationsmaßnahmen in der Verordnung.

Wirtschaft: „Unverzichtbares Instrument“

Für die Wirtschaft ist die Liste ein notwendiges Werkzeug. Die Wirtschaftskammer Österreich (WKO) verweist auf Umfragen, wonach der Fachkräftemangel viele Unternehmen belastet und Innovationen bremst. Besonders Gastronomie und Hotellerie leiden unter offenen Stellen.

Die Rot-Weiß-Rot-Karte bewertet Bewerber nach einem Punktesystem. Berufserfahrung, Sprachkenntnisse und Alter entscheiden darüber, ob die erforderliche Mindestpunktzahl von 55 erreicht wird. So soll eine bedarfsorientierte und qualifizierte Zuwanderung sichergestellt werden.

Die Debatte zeigt: Zuwanderung allein löst das Problem nicht. Experten fordern langfristig mehr Investitionen in Ausbildung und bessere Arbeitsbedingungen im Inland. Ob die neue Liste 2026 spürbar entlastet, wird sich zeigen.

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