Öffentlicher Dienst: Gewerkschaften fordern mehr Geld und mehr Mitsprache
03.02.2026 - 00:14:12Der massive Personalmangel zwingt Gewerkschaften und Arbeitgeber zu grundlegenden Reformen – es geht um mehr als nur Gehälter.
Die Tarifverhandlungen für den öffentlichen Dienst der Länder 2026 sind zum Schauplatz einer Systemfrage geworden. Gewerkschaften wie der dbb beamtenbund und tarifunion kämpfen nicht nur für höhere Löhne, sondern pochen auf ein stärkeres Mitspracherecht bei der Gestaltung der Arbeitswelt. Hintergrund ist ein sich dramatisch zuspitzender Fachkräftemangel, der die Funktionsfähigkeit von Schulen, Ämtern und Sicherheitsbehörden bedroht.
Warnstreiks und leere Stühle: Der Druck wächst
Die Stimmung ist angespannt. Mit Aktionen wie der Aufstellung von 500 leeren Stühlen vor dem Hamburger Rathaus oder der Kundgebung mit 2.500 Beschäftigten in Nürnberg Anfang Februar machen die Gewerkschaften den Personalmangel sichtbar. Ihre zentrale Forderung: sieben Prozent mehr Lohn, mindestens jedoch 300 Euro monatlich. „Ein ‚Weiter so‘ ist keine Option mehr“, betont dbb-Chef Volker Geyer. Unterrichtsausfälle, Bearbeitungsstaus in Bürgerämtern und Überlastung bei der Polizei seien die direkte Folge der Unterbesetzung.
Der Streit um die Arbeitszeit: Teilzeit im Fadenkreuz?
Parallel entzündet sich eine hitzige Debatte um flexible Arbeitsmodelle. Ein Vorstoß aus der CDU-Wirtschaftspolitik, den Rechtsanspruch auf Teilzeit einzuschränken, um dem Personalmangel zu begegnen, stieß auf scharfe Kritik. dbb-Vorsitzender Geyer nannte den Vorschlag „respektlos“. Statt Rechte zu beschneiden, fordern die Gewerkschaften bessere Rahmenbedingungen wie mehr Kita-Plätze. Vor allem aber pochen sie darauf, dass die Personalräte bei der Entwicklung neuer, flexibler Arbeitszeitmodelle eine zentrale Rolle spielen müssen.
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Personalräte als Schlüssel für moderne Behörden?
Die Mitbestimmung im öffentlichen Dienst ist gesetzlich geregelt. Eine Reform des Bundespersonalvertretungsgesetzes 2021 sollte die Rechte der Personalräte stärken, wurde von Gewerkschaften wie ver.di aber als nicht weitreichend genug kritisiert. Angesichts der Krise werden Forderungen nach umfassenderen Initiativrechten lauter. Die Expertise der Beschäftigten vor Ort sei unverzichtbar, um praxistaugliche Lösungen für Digitalisierung, Gesundheitsschutz und Personalentwicklung zu finden – und den öffentlichen Dienst so als attraktiven Arbeitgeber zu positionieren.
Weichenstellung im Februar
Die nächste entscheidende Verhandlungsrunde findet vom 11. bis 13. Februar statt. Das Ergebnis wird nicht nur über die Gehälter von Millionen Beschäftigten entscheiden, sondern auch ein Signal für die Zukunftsfähigkeit des Staates senden. Unabhängig vom Tarifabschluss gewinnt das Thema Mitbestimmung weiter an Bedeutung. Die anstehenden Personalratswahlen im Frühjahr 2026 bieten eine Plattform, diese Forderungen direkt in die Behörden zu tragen. Die Frage ist: Können Staat und Gewerkschaften den öffentlichen Dienst gemeinsam modernisieren – bevor der Personalmangel ihn lähmt?


