OECD startet globale Steuer-Transparenz für Kryptomärkte
01.01.2026 - 02:13:12Das neue OECD-Rahmenwerk CARF verpflichtet Kryptobörsen weltweit zur systematischen Erfassung von Nutzeridentitäten und Transaktionen für Steuerbehörden. Die Daten werden ab 2027 automatisch ausgetauscht.
Ab heute müssen Kryptobörsen weltweit Nutzerdaten für Steuerbehörden sammeln. Das neue OECD-Rahmenwerk beendet die Anonymität und betrifft fast 50 Staaten.
Ein neues Zeitalter der finanziellen Transparenz beginnt für den globalen Kryptomarkt. Seit dem 1. Januar 2026 ist das Crypto-Asset Reporting Framework (CARF) der OECD in Kraft. Es gilt in fast 50 Jurisdiktionen, darunter die gesamte Europäische Union, das Vereinigte Königreich, Kanada und die Cayman Islands. Damit endet die „Wild-West“-Ära der digitalen Vermögenswerte. Zentrale Börsen und Dienstleister müssen nun gesetzlich detaillierte Identitäts- und Transaktionsdaten ihrer Nutzer erfassen. Diese werden ab 2027 automatisch mit Steuerbehörden geteilt.
Die Regeln stellen eine der bedeutendsten regulatorischen Verschiebungen in der Geschichte der Krypto-Branche dar. Die Verpflichtungen für die Anbieter – und die Datensammlung über Nutzer – beginnen sofort.
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Ein globaler Standard für die Identifizierung
Das CARF soll Lücken schließen, die Krypto-Vermögen lange außerhalb traditioneller Meldesysteme wie dem Common Reporting Standard (CRS) existieren ließen. Ab sofort müssen Crypto-Asset Service Provider (CASPs) – also Börsen, Broker und verwahrende Wallet-Anbieter – verschärfte Due-Diligence-Prozeduren umsetzen.
Die Plattformen müssen für jeden Nutzer spezifische Informationen erfassen und verifizieren. Dazu gehören vollständiger Name, Wohnadresse, Geburtsdatum und Steueridentifikationsnummern. Zusätzlich müssen Anbieter den steuerlichen Wohnsitz ihrer Kunden nachverfolgen.
Der Meldeumfang ist umfassend. Im Gegensatz zu früheren Regelungen, die oft nur Fiat-Geldbewegungen im Blick hatten, verlangt CARF auch die Meldung von Krypto-zu-Krypto-Transaktionen, Überweisungen auf private Wallets und Zahlungsvorgänge. Die Dienstleister müssen diese Daten jährlich aggregieren und Bruttoerlöse aus Verkäufen sowie den Marktwert der Bestände detaillieren.
Für Millionen Nutzer bedeutet das zunächst eine Aufforderung zur Nachreichung von „Know-Your-Customer“-Dokumenten. Plattformen, die diese Selbstauskunft nicht erhalten, müssen Konten möglicherweise einfrieren, um konform zu bleiben.
Strukturwandel für die Krypto-Industrie
Der operative Aufwand für die Börsen ist enorm. Lucy Frew, Partnerin der internationalen Anwaltskanzlei Walkers, bezeichnet die Implementierung als „strukturelle Transformation“ der Geschäftsmodelle. Unternehmen müssten Steuermeldelogik direkt in ihre Onboarding- und Transaktionssysteme integrieren.
Die Validierung des steuerlichen Wohnsitzes gegen amtliche Register fügt eine komplexe Ebene hinzu. Vor allem Plattformen, die bisher Anonymität priorisierten, könnten damit kämpfen. Berichte aus Dezember 2025 zeigten, dass große globale Börsen das letzte Jahr mit Systemüberholungen verbracht haben.
Experten warnen: Das „Datensammeljahr“ 2026 ist kritisch. Obwohl erst 2027 Berichte an Finanzämter gehen, bilden die ab heute gesammelten Daten deren Grundlage. Steuerberater raten, dass auch historische Aktivitäten unter die Lupe geraten könnten, falls aktuelle Daten Ungereimtheiten im finanziellen Profil eines Nutzers offenbaren.
Globale Umsetzung mit regionalen Unterschieden
Das OECD-Rahmenwerk ist ein Standard, die Umsetzung erfolgt jedoch durch nationale Gesetze.
In der Europäischen Union werden die Regeln durch die achte Änderung der DAC8-Richtlinie umgesetzt. Alle Mitgliedstaaten mussten diese bis heute in nationales Recht überführen. Das schafft einen harmonisierten Ansatz im Binnenmarkt und beendet regulatorische Arbitrage innerhalb der EU.
Die Cayman Islands, ein wichtiger Hub für Kryptofonds, haben ihre CARF-Regulierung ebenfalls aktiviert. Die erste Meldefrist für Dienstleister dort ist 2027 für das Kalenderjahr 2026.
Das Vereinigte Königreich hat seine nationalen Regeln angeglichen. Der britische HMRC wird die eingehenden Daten nutzen, um die steuerliche Lücke durch nicht deklarierte Krypto-Gewinne zu schließen.
Nicht alle Jurisdiktionen marschieren im Gleichschritt. Südafrika wird seine CARF-Regeln erst am 1. März 2026 durchsetzen und gewährt so eine zweimonatige Gnadenfrist. Hongkong befindet sich noch in Konsultationen, bleibt aber dem globalen Zeitplan für den Informationsaustausch verpflichtet.
Der Weg von der Sammlung zum Austausch
Der Start der CARF-Regeln initiiert einen zwölfmonatigen Datensammelzyklus. Das Jahr 2026 ist eine „stille Phase“ für Nutzer: Daten werden akkumuliert, aber noch nicht übermittelt.
Der nächste Meilenstein kommt 2027 mit dem ersten automatischen Informationsaustausch. Dann erhält beispielsweise eine französische Steuerbehörde automatisch Daten über die Krypto-Aktivitäten eines französischen Residents auf einer Plattform auf den Cayman Islands oder in Großbritannien.
Marktbeobachter sagen voraus, dass diese Transparenz die weitere Institutionalisierung des Kryptomarktes vorantreiben wird. Wenn der Sektor vollständig in die globale Steuerinfrastruktur integriert ist, könnte das wahrgenommene Risiko für institutionelle Investoren sinken. Das könnte neues Kapital freisetzen.
Privatsphären-orientierte Nutzer könnten sich hingegen weiter in DeFi-Protokolle oder Peer-to-Peer-Geschäfte zurückziehen. Regulierer haben bereits signalisiert, dass künftige Updates des Rahmens auch diese Bereiche ins Visier nehmen könnten.
Die Botschaft der Aufseher ist klar: Die Ära von Krypto als Steueroase ist offiziell vorbei. Nutzern wird geraten, ihre Steuerangelegenheiten in Ordnung zu bringen – die digitale Prüfspur wird nun in Echtzeit erstellt.
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