Occidental Petroleum: Zwischen Buffett-Bonus, Ölpreisschwankungen und Energiewende-Druck
19.01.2026 - 01:30:22Die Aktie von Occidental Petroleum sorgt erneut für Gesprächsstoff an der Wall Street. Schwankende Ölpreise, milliardenschwere Rückendeckung durch Warren Buffett, ein forciertes Engagement im CO2
Wer vor rund einem Jahr bei Occidental Petroleum eingestiegen ist, kann sich heute trotz zwischenzeitlicher Turbulenzen über ein respektables Ergebnis freuen. Die Aktie notiert aktuell bei rund 56 US-Dollar je Anteilsschein. Der letzte offiziell gehandelte Schlusskurs lag – laut übereinstimmenden Angaben von Yahoo Finance und Reuters – bei etwa 56,3 US-Dollar; dieser Wert stammt aus der jüngsten regulären Handelssitzung an der New York Stock Exchange. Die Echtzeitkurse während der laufenden Sitzung liegen nur geringfügig darüber oder darunter, weshalb sich am Gesamtbild wenig ändert. Ein Blick zurück zeigt, dass der Schlusskurs vor etwa einem Jahr deutlich niedriger lag. Damals kostete die OXY-Aktie nach Daten von Yahoo Finance im Bereich um die 40 US-Dollar. Damit ergibt sich auf Zwölfmonatsbasis ein Kurszuwachs in der Größenordnung von gut einem Drittel – rund 35 bis 40 Prozent, abhängig vom genauen Ein- und Ausstiegszeitpunkt. Hinzu kommen Dividendenzahlungen, die durch das schrittweise Anheben der Ausschüttung nach der Pandemie- und Schuldenphase wieder an Attraktivität gewonnen haben. Im Fünf-Tage-Vergleich zeigt sich allerdings ein anderes Bild: Hier dominieren Konsolidierung und leichte Gewinnmitnahmen. Nach einem freundlichen Jahresauftakt kam es zu kleineren Rücksetzern, die das Papier in eine Seitwärtszone drückten. Auf Sicht von drei Monaten bleibt die Tendenz jedoch positiv. Der Titel bewegt sich deutlich über den Tiefpunkten des Herbstes und profitiert von einem insgesamt robusten Ölpreisumfeld. Das 52-Wochen-Tief lag laut Reuters und Bloomberg im Bereich unterhalb von 52 US-Dollar, während das 52-Wochen-Hoch jenseits von 71 US-Dollar markiert wurde. Das aktuelle Kursniveau rangiert damit im Mittelfeld dieser Spanne – von einer Überhitzung kann keine Rede sein, von einem Schnäppchen aber ebenso wenig. Das Sentiment wirkt in Summe leicht bullish: Der Markt traut Occidental weitere Kurschancen zu, setzt dabei jedoch stark auf einen stabil bis festen Ölpreis und die weiterhin spürbare Unterstützung durch Großaktionär Berkshire Hathaway. Für neue Impulse sorgten zuletzt vor allem Nachrichten rund um Kapitalallokation und das strategische Profil von Occidental Petroleum. Vor wenigen Tagen wurde an den Märkten erneut diskutiert, in welchem Tempo der Konzern seine Verschuldung weiter reduzieren und zugleich Aktionäre über Dividenden und Aktienrückkäufe stärker beteiligen kann. Nach der teuren Übernahme von Anadarko vor einigen Jahren und der anschließenden Bilanzlast war dies lange Zeit der zentrale Kritikpunkt. Nun signalisieren sinkende Schuldenkennziffern und eine verbesserte Cashflow-Situation Spielräume für eine aktionärsfreundlichere Politik. Gleichzeitig stehen die langfristigen Projekte des Konzerns im Fokus. Occidental investiert massiv in die Abscheidung und Speicherung von CO2 (Carbon Capture, Utilization and Storage, CCUS) sowie in so genannte "Direct Air Capture"-Technologien, bei denen CO2 direkt aus der Umgebungsluft gezogen wird. Anfang der Woche sorgten Medienberichte und Branchenanalysen erneut für Aufmerksamkeit, wonach diese Aktivitäten in den kommenden Jahren eine tragende Säule des Geschäftsmodells werden könnten. Der Konzern positioniert sich dabei als Partner von Industrieunternehmen, die ihre Emissionen kompensieren oder reduzieren wollen. Für den Kapitalmarkt ist entscheidend, ob diese Vision in belastbare Ertragsquellen mündet – oder vorerst als langfristige Wette mit hohem Investitionsbedarf zu bewerten ist. Hinzu kommt die anhaltende Spekulation über die Rolle von Warren Buffett. Berkshire Hathaway hatte seinen Anteil an Occidental in den vergangenen Jahren deutlich aufgestockt und hält inzwischen eine Beteiligung im hohen zweistelligen Prozentbereich – inklusive Vorzugsaktien und Optionsrechten. Diese strukturelle Unterstützung wirkt wie ein Sicherheitsnetz für den Kurs, schürt aber gleichzeitig Fantasien über ein mögliches Vollangebot oder eine weitere Aufstockung. Konkrete neue Schritte wurden zuletzt zwar nicht vermeldet, doch jede Änderung in den Meldungen der US-Börsenaufsicht SEC wird vom Markt mit Argusaugen verfolgt. Das Bild der Analysten ist differenziert. In den vergangenen Wochen haben mehrere große Häuser ihre Einschätzungen zu Occidental Petroleum aktualisiert. Nach Informationen von Reuters und Bloomberg liegt der Konsens im Bereich einer neutral bis leicht positiven Haltung: Ein signifikanter Teil der Analysten führt die Aktie mit "Halten", flankiert von einer beachtlichen Anzahl an "Kaufen"-Empfehlungen und nur wenigen klaren Verkaufsvoten. Goldman Sachs sieht in Occidental weiterhin einen strukturellen Profiteur eines robusten Ölmarktes und der fortgesetzten Disziplin bei Investitionen. Das Haus bestätigte in einer aktuellen Studie seine positive Sicht und taxierte das Kursziel im Bereich oberhalb des aktuellen Niveaus. Der Aufschlag zum Marktpreis ist zweistellig, wenn auch nicht spektakulär – was auf ein Szenario hindeutet, in dem der größte Teil der Erholung bereits im Kurs enthalten ist, aber weiteres Potenzial bei anhaltend hohen Energiepreisen besteht. JPMorgan verfolgt einen ähnlich konstruktiven Ansatz, betont jedoch stärker die Volatilität des Ölpreises und die Risiken aus dem Transformationspfad hin zu emissionsärmeren Geschäftsmodellen. Das Institut hält an einer "Übergewichten"- oder "Kaufen"-Einstufung fest und verweist darauf, dass die starke Bilanzverbesserung und die Präsenz von Berkshire Hathaway als Stabilisator angesehen werden können. Das Kursziel liegt ebenfalls über dem aktuellen Kurs; Anlegern wird aber nahegelegt, die Positionierung im Energie-Portfolio breit zu streuen. Deutsche Bank Research zeigt sich dagegen verhaltener. Die Analysten sehen zwar Fortschritte bei Schuldenabbau und Kapitaldisziplin, verweisen jedoch auf Unsicherheiten im regulatorischen Umfeld und die hohen Anforderungen an CO2-Projekte, um tatsächlich nennenswerte Renditen zu erwirtschaften. Entsprechend fällt die Empfehlung tendenziell neutral aus, mit einem Kursziel nahe am aktuellen Marktpreis. Der Tenor: Weder ein klarer Verkaufskandidat, noch ein offensichtlicher Outperformer – vielmehr ein Wert, der eng an den Ölpreis gekoppelt bleibt und dessen Bewertung stark von der Ausführung der neuen Strategie abhängt. In Summe lässt sich festhalten: Die Wall Street ist weit davon entfernt, Occidental Petroleum als Geheimtipp zu betrachten, sieht aber durchaus Chancen. Das durchschnittliche Kursziel der großen Häuser liegt moderat über dem jüngsten Schlusskurs und signalisiert ein begrenztes, aber positives Kurspotenzial. Für die kommenden Monate stehen mehrere Faktoren im Zentrum der Bewertung. Kurzfristig bleibt der Ölpreis der entscheidende Hebel. Solange die globale Nachfrage stabil bleibt und das Angebot von OPEC+ und US-Schieferölproduzenten nicht zu stark ausgeweitet wird, kann Occidental von soliden Margen im klassischen Upstream-Geschäft profitieren. Der Konzern hat seine Kostenbasis in den vergangenen Jahren deutlich gesenkt und ist damit weniger anfällig für moderate Preisschwankungen als noch vor der Pandemie. Mittelfristig rückt dagegen die Kapitalverwendung stärker in den Fokus. Investoren achten genau darauf, ob das Management die Balance zwischen Dividenden, Aktienrückkäufen, Schuldenabbau und Wachstumsinvestitionen wahrt. Sollte das Ölpreisniveau stabil hoch bleiben, könnte Occidental die Ausschüttungspolitik weiter anheben – ein entscheidender Faktor für einkommensorientierte Anleger. Die Tatsache, dass Berkshire Hathaway als Großaktionär einen langfristigen Anlagehorizont verfolgt, erhöht den Druck auf das Management, Wert über den Zyklus hinweg zu schaffen und nicht nur kurzfristige Quartalserfolge zu liefern. Strategisch ist die Wette auf CO2-Abscheidung und -Speicherung der spannendste, aber auch riskanteste Teil der Story. Gelingt es dem Unternehmen, aus diesen Technologien wiederkehrende, vertraglich abgesicherte Ertragsströme zu generieren, könnte sich Occidental zu einem der zentralen Player in einem entstehenden Markt entwickeln – mit entsprechenden Bewertungsaufschlägen, die über die klassische Öl- und Gaslogik hinausgehen. Misslingt dieser Schritt oder verzögert sich die kommerzielle Nutzung, droht ein Szenario, in dem hohe Investitionen zunächst nur begrenzten finanziellen Rückfluss bringen. Für Anleger aus dem deutschsprachigen Raum ergibt sich damit ein ambivalentes Bild: Occidental Petroleum bleibt ein zyklischer Energiewert mit robustem Öl-Exposure, flankiert von einer strukturellen Option auf das CO2-Geschäft und der psychologischen Unterstützung durch Warren Buffett. Die Aktie ist nach dem deutlichen Kursanstieg des vergangenen Jahres kein klar unterbewerteter Geheimtipp mehr, bietet aber bei anhaltend freundlichem Ölpreisumfeld und disziplinierter Kapitalpolitik weiterhin die Chance auf attraktive Renditen. Riskant bleibt vor allem die Abhängigkeit von der globalen Konjunktur und der Energienachfrage – sowie die Frage, ob das Unternehmen den Spagat zwischen fossiler Gegenwart und klimaneutraler Zukunft tatsächlich meistern kann. Investoren, die bereits investiert sind, dürften mit einer Halte- und Dividendenstrategie gut fahren, solange die fundamentalen Eckdaten – Schuldenabbau, Cashflow, Projektfortschritt im CO2-Segment – im Rahmen der Erwartungen bleiben. Neueinsteiger sollten dagegen genau prüfen, wie stark ihr Portfolio bereits vom Energiesektor abhängt und ob sie die inhärenten Risiken dieses zyklischen Segments in Kauf nehmen wollen. Occidental Petroleum ist derzeit weniger eine Turnaround-Wette, sondern vielmehr ein Testfall dafür, ob ein traditioneller Ölkonzern in einer sich wandelnden Energiewelt Mehrwert für Aktionäre und Gesellschaft gleichzeitig schaffen kann.Ein-Jahres-Rückblick: Das Investment-Szenario
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