NIS2-Gesetz, Cybersicherheit

NIS2-Gesetz macht Cybersicherheit zur Chefsache

23.01.2026 - 08:22:12

Das neue NIS2-Gesetz macht Cybersicherheit zur direkten Vorstandsverantwortung mit persönlicher Haftung. Unternehmen investieren verstärkt in KI-Sicherheit und streben digitale Souveränität an.

Für rund 29.500 Unternehmen in Deutschland beginnt eine neue Ära der Verantwortung. Strengere Regeln treten in Kraft, während Künstliche Intelligenz das Risikofeld neu gestaltet. Die jüngste Umsetzung des deutschen NIS2-Gesetzes hat Cybersicherheit von einer IT-Aufgabe zu einer zentralen Vorstandsverantwortung gemacht – inklusive persönlicher Haftung für das Topmanagement.

Regulatorischer Druck zwingt zum Umdenken

Der Haupttreiber dieser Transformation ist die NIS2-Richtlinie der EU. Sie wurde Ende 2025 in deutsches Recht überführt und gilt nun verbindlich. Das Gesetz erfasst deutlich mehr Sektoren als sein Vorgänger: von Energie und Transport bis zu digitalen Diensten und produzierendem Gewerbe.

Betroffene Organisationen müssen nun spezifische Risikomanagement-Maßnahmen umsetzen. Dazu gehören Sicherheitsprotokolle für die Lieferkette und strenge Meldefristen bei Vorfällen. Ein mehrstufiger Prozess verlangt eine erste Meldung innerhalb von 24 Stunden nach einem signifikanten Vorfall.

Kritisch ist die Einführung einer direkten, persönlichen Haftung für Geschäftsführer. Die Unternehmensleitung ist jetzt gesetzlich verantwortlich für die Genehmigung, Überwachung und Schulung zu Cybersicherheitsmaßnahmen. Bei Nichteinhaltung drohen erhebliche Geldstrafen.

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„Diese Verlagerung der Verantwortung zwingt viele mittelständische Unternehmen zu einem erheblichen kulturellen Wandel“, analysiert ein Rechtsexperte. „Aktives und nachweisbares Risikomanagement wird zur Pflicht.“

Ergänzt wird NIS2 durch den EU Cyber Resilience Act (CRA). Ab September 2026 führt er eigene Meldepflichten für Produktschwachstellen ein und zieht die Compliance-Schraube bei digitalen Produkten weiter an.

Investitionen fließen in KI-Sicherheit

Die verschärfte Regulierung beeinflusst direkt die Investitionsstrategien der Unternehmen. Eine aktuelle Umfrage zeigt einen deutlichen Prioritätenwechsel bei deutschen Führungskräften für 2026: 35 Prozent nennen KI-Cybersicherheit als ihr Top-Investitionsgebiet.

Diese Fokussierung auf die Absicherung neuer Technologien übertrifft Investitionen in verbesserte Kundenerfahrung (20 Prozent) und andere operative Verbesserungen. Die Daten zeigen auch unterschiedliche Perspektiven innerhalb der Unternehmenshierarchien: Während die C-Level-Ebene Sicherheit und Governance priorisiert, setzt das mittlere Management auf Automatisierung und Effizienz.

Diese Sicherheitsinvestitionen sind eine direkte Antwort auf eine Bedrohungslage, die zunehmend von KI geprägt wird. Experten weisen darauf hin, dass KI zwar defensive Vorteile bietet, aber auch Bedrohungen verstärkt und die Angriffsfläche für bösartige Akteure vergrößert.

Laut einer aktuellen Prognose von Gartner wird dies die Hälfte aller Organisationen bis 2028 zwingen, ein Zero-Trust-Modell für ihre Daten-Governance einzuführen. Dabei wird Daten nicht mehr implizit vertraut, sondern benötigt ständige Verifizierung.

Digitale Souveränität gewinnt an Bedeutung

Ein Schlüsselelement moderner Compliance ist die Gewährleistung von Datenhoheit – die Kontrolle über Daten durch deren Verbleib in einer bestimmten Rechtsordnung. Für Unternehmen in stark regulierten Branchen oder mit sensiblen Informationen ist dies entscheidend.

Technologieanbieter reagieren mit dem Ausbau ihrer Sovereign-Cloud-Angebote. Diese Woche kündigte etwa der deutsche Softwareanbieter Cybus eine Partnerschaft mit dem Cloud-Provider Stackit an. Ziel ist die Bereitstellung souveräner und sicherer Dateninfrastruktur für Smart Factories. Industrielle Kunden können so Produktionsdaten unabhängig von nicht-europäischen Hyperscalern verarbeiten.

Der Trend ist auch im großen Maßstab sichtbar. Das Cybersicherheitsunternehmen Trend Micro kündigte kürzlich Pläne an, seine Sicherheitsplattform auf der AWS European Sovereign Cloud zu betreiben. Diese dedizierte Infrastruktur soll strengen Anforderungen an Datenresidenz und operative Kontrolle europäischer Behörden genügen.

Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) bestätigte am 19. Januar, dass es eine umfassende Prüfung dieser neuen souveränen Cloud-Infrastruktur durchführt. Ein Signal für die wachsende Bedeutung solcher Plattformen für nationale und unternehmerische Sicherheitsrahmen.

Von der Awareness zur nachweisbaren Compliance

In den kommenden 12 bis 24 Monaten werden Unternehmen von der Kenntnis der neuen Rechtslage zur nachweisbaren Compliance übergehen müssen. Die Einrichtung formaler Informationssicherheits-Managementsysteme (ISMS) – etwa nach ISO-27001-Standard – wird für viele der knapp 30.000 von NIS2 erfassten Einheiten zur Grundaktivität.

Das BSI, das sein neues Portal für Unternehmensregistrierung Anfang Januar 2026 eröffnete, wird voraussichtlich eine robustere Aufsichts- und Durchsetzungsrolle einnehmen. Organisationen müssen sich auf verstärkte Prüfungen einstellen und Nachweise für ihre Risikobewertungen, Sicherheitsmaßnahmen und Incident-Response-Pläne bereithalten.

Mit den Fristen des Cyber Resilience Acts Ende 2026 weitet sich der Fokus auf den gesamten Lebenszyklus vernetzter Produkte aus. Die zentrale Herausforderung für die Führungsebene wird sein, eine Sicherheitskultur zu etablieren, die die gesamte Organisation durchdringt. Risikomanagement und Compliance dürfen keine Einmalprojekte sein, sondern müssen zu kontinuierlichen, dynamischen Prozessen werden.

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