NIS2-Gesetz: Deutsche Firmen kämpfen mit Lieferketten-Sicherheit
30.01.2026 - 21:17:12Die neuen EU-Vorschriften zur Cybersicherheit stellen deutsche Unternehmen vor immense Herausforderungen. Besonders die Sicherung digitaler Lieferketten wird zum entscheidenden Faktor für die Compliance mit dem nationalen NIS2-Gesetz.
Deutschlands verschärftes IT-Sicherheitsgesetz trat am 6. Dezember 2025 ohne Übergangsfrist in Kraft. Rund 29.500 Unternehmen sind nun verpflichtet, umfassende Risikomanagement-Maßnahmen umzusetzen und strenge Meldepflichten einzuhalten. Die Bundesnetzagentur (BNetzA) hat das Registrierungsportal bereits geöffnet – die Frist endet am 6. März 2026.
Strikte Meldepflichten und hohe Strafen
Das NIS2-Umsetzungsgesetz verändert die deutsche Cybersicherheitslandschaft grundlegend. Nicht nur kritische Infrastrukturen, sondern auch „wichtige“ und „wesentliche“ Unternehmen aus Bereichen wie Digitaldienstleistungen, Fertigung und Abfallwirtschaft fallen unter die neuen Regeln.
Eine der größten operativen Hürden: die extrem kurzen Meldefristen bei Sicherheitsvorfällen. Unternehmen müssen innerhalb von 24 Stunden eine Erstmeldung an das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) abgeben. Nach 72 Stunden folgt ein detaillierter Bericht, nach einem Monat der Abschlussbericht.
Viele Unternehmen sind auf die verschärften NIS2-Anforderungen und die Risiken in digitalen Lieferketten nicht ausreichend vorbereitet. Fehlende Prozesse und Ressourcen erhöhen das Risiko teurer Vorfälle und Bußgelder — besonders für den Mittelstand. Ein kostenloses E‑Book erklärt praxisnah, welche Sofortmaßnahmen Geschäftsleitung und IT jetzt umsetzen müssen (Risikobewertung, Incident Response, Lieferanten-Checks) und wie Sie Compliance Schritt für Schritt sicherstellen. Jetzt kostenlosen Cyber-Security-Report für Unternehmen sichern
Die Geschäftsleitung trägt direkte Verantwortung und kann persönlich haftbar gemacht werden. Bußgelder können bis zu 10 Millionen Euro oder 2 Prozent des weltweiten Jahresumsatzes erreichen. Die Bundesregierung schätzt die einmaligen Implementierungskosten auf 2,2 Milliarden Euro, mit jährlichen Folgekosten von 2,3 Milliarden Euro.
EU-Vorschlag verschärft den Druck auf Lieferketten
Während deutsche Unternehmen bereits ihre direkten Zulieferer im Blick haben müssen, setzt ein neuer EU-Vorschlag vom 20. Januar 2026 noch einen drauf. Die geplante Überarbeitung des Cybersecurity Act will die Prüfung digitaler Lieferketten in kritischen Sektoren massiv verschärfen.
Kern des Vorschlags ist ein Rahmenwerk zur Identifizierung, Beschränkung oder sogar zum Ausschluss von Lieferanten, die als „hochriskant“ eingestuft werden. Die Risikobewertung soll dabei nicht nur technische Schwachstellen, sondern auch nicht-technische Faktoren berücksichtigen – etwa den möglichen Einfluss ausländischer Regierungen auf einen Zulieferer.
Für deutsche Firmen bedeutet dies einen Paradigmenwechsel: Sie müssen ihre gesamte Technologie- und Dienstleistungs-Lieferkette aktiv auf geopolitische und Sicherheitsrisiken überprüfen und kontinuierlich überwachen. Die Verantwortung für Cyber-Resilienz endet nicht mehr an der eigenen Firewall.
Managed Security Services werden zur strategischen Notwendigkeit
Die Komplexität der NIS2-Anforderungen und der anhaltende Fachkräftemangel überfordern viele der neu regulierten Unternehmen, besonders den Mittelstand. Immer mehr setzen daher auf externe Managed Security Service Provider (MSSPs).
Diese Anbieter bringen die spezialisierte Expertise und 24/7-Operationalfähigkeit mit, die für Aufgaben wie Bedrohungserkennung, Incident Response und kontinuierliche Risikobewertung nötig sind. Der EU-Vorschlag erkennt diese Entwicklung an und will europäische Zertifizierungsschemata explizit auf Managed Security Services ausweiten.
Die Botschaft ist klar: Die Zusammenarbeit mit einem zertifizierten und leistungsfähigen MSSP wird für viele Unternehmen zu einer strategischen Notwendigkeit, um NIS2-Compliance zu erreichen, operative Kosten zu kontrollieren und die Sorgfaltspflicht gegenüber Aufsichtsbehörden nachzuweisen.
Was jetzt zu tun ist
Die doppelte Belastung durch nationales Recht und EU-Vorschläge unterstreicht einen eindeutigen regulatorischen Trend: Cybersicherheit ist eine unternehmensweite Verantwortung mit Fokus auf das gesamte digitale Ökosystem.
Für deutsche Unternehmen gibt es zwei unmittelbare Prioritäten:
1. Die Einhaltung der BSI-Registrierungsfrist bis 6. März 2026, um Strafen zu vermeiden.
2. Die dringende und gründliche Risikobewertung der eigenen Lieferketten im Hinblick auf die verschärften EU-Anforderungen.
Die Evaluierung und Einbindung vertrauenswürdiger Sicherheitsdienstleister wird für viele der entscheidende Schritt sein, um den herausfordernden Weg zur vollständigen und nachhaltigen NIS2-Compliance zu meistern.
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