NHS, England

NHS England startet Register für KI-Sprechassistenten

29.01.2026 - 08:17:12

Das britische Gesundheitssystem etabliert ein offizielles Verzeichnis für KI-gestützte Sprachnotizen, um den Markt zu ordnen und Sicherheitsstandards zu setzen. Ziel ist die Entlastung des Personals.

KI revolutioniert Arztgespräche in England: Das nationale Gesundheitssystem NHS hat ein offizielles Register für KI-gestützte Sprachnotizen veröffentlicht. Ziel ist es, den Einsatz der Technologie zu beschleunigen und gleichzeitig Sicherheit und Datenschutz zu gewährleisten. 19 Anbieter sind bereits gelistet.

Die neu geschaffene Liste für Ambient Voice Technology (AVT) soll den oft als „Wild West“ beschriebenen Markt für KI in der Medizin ordnen. Die Technologie, oft „KI-Scribes“ genannt, hört Gespräche zwischen Ärzten und Patienten mit, erstellt automatisch Transkripte und klinische Zusammenfassungen und soll so die manuelle Dokumentationslast reduzieren. Dies ist ein Kernprojekt des 10-Jahres-Plans der Regierung, der das NHS zum weltweit führenden KI-gestützten Gesundheitssystem machen will.

Vom Wilden Westen zum geordneten Markt

Bisher fehlte ein einheitlicher Rahmen für den Einsatz der KI-Tools. Das neue Register soll Krankenhäusern und Hausarztpraxen nun eine klare, geprüfte Auswahl an Anbietern bieten. Diese haben sich selbst verpflichtet, zentrale NHS-Anforderungen zu erfüllen. Dazu gehören ein klinischer Sicherheitsbeauftragter, umfassende Datenschutzfolgenabschätzungen und eine sichere Integration in die elektronische Patientenakte (EPA).

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Ein zentraler Schritt für sichere KI‑Nutzung ist die Datenschutz‑Folgenabschätzung (DSFA). Kliniken und Praxen, die Patientendaten verarbeiten, riskieren sonst Bußgelder und Reputationsschäden – eine rechtssichere DSFA schützt davor und zeigt konkrete Maßnahmen zur Datensicherung. Der kostenlose Praxis‑Leitfaden enthält Schritt‑für‑Schritt‑Vorlagen, Checklisten und Mustertexte, mit denen Sie Ihre DSFA rechtssicher erstellen und Prüfungen bestehen. Jetzt kostenlosen DSFA‑Leitfaden herunterladen

Doch das Register ist kein Freifahrtschein. Die endgültige Entscheidung und Haftung verbleibt bei den lokalen NHS-Organisationen, die eigene Ausschreibungen und Due‑Diligence‑Prüfungen durchführen müssen. Die ersten 19 gelisteten Anbieter repräsentieren nur etwa ein Fünftel des geschätzten Gesamtmarktes. Der Bewerbungsprozess soll Anfang 2026 wieder geöffnet werden.

Mehr Zeit für den Patienten, weniger Burnout

Der Haupttreiber hinter der Initiative ist der Kampf gegen die administrative Überlastung des medizinischen Personals. Studien deuten auf erhebliche Entlastungen hin: Eine große, vom NHS gesponserte Evaluation mit über 17.000 Patienten zeigte, dass AVT die direkte Patientenkontaktzeit um fast 24 Prozent steigern und die Gesamtdauer von Terminen reduzieren kann.

Die potenziellen Einsparungen sind enorm. Eine flächendeckende Einführung könnte dem NHS jährlich bis zu 834 Millionen Pfund (umgerechnet etwa 980 Millionen Euro) einsparen. Die Technologie wird immer ausgefeilter: Ein gelisteter Anbieter, X-on Health, erhielt kürzlich die Genehmigung, dass sein KI-Scribe Notizen aus persönlichen und Telefonkonsultationen direkt in die Hausarzt-Systeme einträgt.

Herausforderungen: Regulierung und Infrastruktur

Trotz der Begeisterung melden Ärzteverbände wie die British Medical Association (BMA) Bedenken an. Sie kritisieren das hohe Tempo der Einführung, solange die regulatorische Aufsicht durch die Arzneimittelbehörde MHRA noch nicht abschließend geklärt ist. Die BMA fordert, KI-Tools denselben rigorosen Sicherheits- und Wirksamkeitstests zu unterziehen wie andere Medizinprodukte.

Aktuell werden die AVT-Systeme meist als Medizinprodukte der Klasse I eingestuft – die Kategorie mit dem geringsten Risiko. Experten fragen, ob das für eine Technologie ausreicht, die klinische Dokumentation beeinflusst. Praktische Hürden wie unzuverlässiges WLAN oder veraltete IT‑Infrastruktur in einigen Kliniken sind weitere Stolpersteine. Der NHS Confederation betont, dass nachhaltige Investitionen und umfassende Mitarbeiterschulungen für einen gerechten und erfolgreichen Einsatz unerlässlich sind.

Ein zentraler Punkt bleibt die Einwilligung der Patienten. Die NHS‑Richtlinie schreibt vor, dass Patienten klar informiert werden müssen, wenn ihr Gespräch aufgezeichnet wird, und dass sie der Nutzung widersprechen können.

Der Weg zur KI-gestützten Routine

Mit dem Register setzt NHS England ein klares Zeichen für die Integration von KI in den klinischen Alltag. Der Fokus verlagert sich nun auf die lokale Umsetzung in den Krankenhäusern und Praxen. Erwartet werden bald detailliertere Leitlinien zu Datengovernance und Vorlagen für Risikobewertungen.

Die Vision ist eine Zukunft mit weniger Bürokratie und mehr patientenzentrierter Versorgung. Ob diese Zukunft reibungslos ankommt, hängt nun davon ab, wie die vielversprechende Technologie die realen Herausforderungen in Englands Gesundheitssystem meistert.

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