Helmtypen, Arbeitsschutz

Neue EN 397: Zwei Helmtypen revolutionieren den Arbeitsschutz

03.02.2026 - 20:00:12

Eine grundlegend überarbeitete Norm für Industrieschutzhelme stellt Unternehmen vor neue Herausforderungen. Die EN 397:2025 führt erstmals zwei unterschiedliche Leistungsstandards ein und zwingt Arbeitgeber, ihre Gefährdungsbeurteilungen zu präzisieren. Der pauschale Griff zum „Industrieschutzhelm“ reicht nicht mehr aus.

Die Welt des Arbeitsschutzes befindet sich im Wandel. Seit Juli 2025 gilt die überarbeitete Norm EN 397:2025, die einen entscheidenden Schritt zur Verbesserung der Arbeitssicherheit in Europa markiert. Die größte Neuerung: Die Abkehr vom Einheitsstandard. Stattdessen definiert die Norm nun zwei klar getrennte Helmtypen – Typ 1 und Typ 2 – mit unterschiedlichen Schutzniveaus.

Diese Entwicklung reagiert auf die vielfältigen Risiken an modernen Arbeitsplätzen, von komplexen Baustellen bis zu Industrieanlagen. Für Unternehmen bedeutet das: Die bisherige Praxis ist obsolet. Sie müssen aktiv entscheiden, welcher Standard für welche Tätigkeit erforderlich ist. Die parallel angepasste DGUV-Regel 112-193 dient als Leitfaden für die betriebliche Umsetzung.

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Typ 1 vs. Typ 2: Der Unterschied ist entscheidend

Jeder Helm muss künftig klar mit T1 oder T2 gekennzeichnet sein. Die Wahl hat erhebliche Konsequenzen für den Schutz der Mitarbeiter.

Typ 1 bietet ein Leistungsniveau, das im Wesentlichen dem alten Standard (DIN EN 397:2013) entspricht. Diese Helme sind für Arbeitsumgebungen mit Standardrisiken konzipiert, bei denen primär Gefahren durch herabfallende Gegenstände von oben bestehen.

Typ 2 hingegen setzt einen völlig neuen Maßstab. Die Anforderungen sind deutlich strenger:
* Stoßdämpfung: Sie wird mit doppelter Energie im Scheitelbereich geprüft. Das simuliert den Aufprall eines 5 kg schweren Objekts aus zwei Metern Höhe – statt bisher nur aus einem Meter.
* Seitlicher Schutz: Erstmals muss auch eine seitliche Stoßdämpfung nachgewiesen werden.
* Durchdringungsfestigkeit: Sie ist deutlich höher als bei Typ 1.

Ein Typ-2-Helm bietet somit massiv verbesserten Schutz bei seitlichen oder versetzten Schlägen, wie sie etwa bei Stürzen oder in engen, bewegten Arbeitsumgebungen vorkommen.

Gefährdungsbeurteilung wird zur Königsdisziplin

Die Einführung der zwei Standards überträgt mehr Verantwortung auf die Arbeitgeber. Gemäß der PSA-Benutzungsverordnung müssen sie eine geeignete Schutzausrüstung bereitstellen, die genau vor den ermittelten Gefahren schützt. Die pauschale Bereitstellung „eines Helms“ genügt diesem Anspruch nicht mehr.

Die Gefährdungsbeurteilung muss nun so detailliert sein, dass sie eine fundierte Entscheidung zwischen Typ 1 und Typ 2 ermöglicht. Sicherheitsfachkräfte müssen Faktoren analysieren wie:
* Mögliche Fallhöhen von Material
* Wahrscheinlichkeit seitlicher Anstöße (z.B. durch Maschinen, Fahrzeuge oder beim Arbeiten in Höhe)
* Allgemeine Intensität der mechanischen Gefährdungen

Auf dynamischen Baustellen wird diese Beurteilung deutlich komplexer als in stationären Fertigungshallen.

Mehr Sicherheit durch klare Standards

Die Überarbeitung ist eine Revolution im Kopfschutz. Sie trägt der Tatsache Rechnung, dass viele moderne Arbeitsplätze ein höheres Schutzniveau erfordern. Besonders bei Tätigkeiten mit Absturzgefahr, wo PSA gegen Absturz getragen wird, war der alte Standard oft nicht ausreichend.

Der neue Typ-2-Standard integriert Erkenntnisse aus strengeren Normen wie der für Bergsteigerhelme (EN 12492) direkt in die Industrienorm. Das schafft Klarheit und ein höheres, verbindliches Sicherheitsniveau für Hochrisikobereiche.

Was Unternehmen jetzt tun müssen

Die Umstellung erfolgt schrittweise. Während der Übergangsfristen werden am Markt sowohl Helme nach altem als auch nach neuem Standard erhältlich sein. Für Einkaufsabteilungen und Sicherheitsverantwortliche ist es daher unerlässlich, sich umgehend mit den neuen Bezeichnungen T1 und T2 vertraut zu machen.

Bei jeder Neubeschaffung muss die Frage gestellt werden: Reicht der Basisschutz von Typ 1 aus – oder benötigen wir das erweiterte Schutzniveau von Typ 2 für diese spezifische Tätigkeit? Nur so entspricht man nicht nur der PSA-Verordnung, sondern bietet den Mitarbeitern den bestmöglichen Schutz.

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