Nahverkehrsstreik, Verdi

Nahverkehrsstreik: Ver.di kämpft für kürzere Schichten und mehr Ruhe

31.01.2026 - 16:22:11

Ein bundesweiter Warnstreik im Nahverkehr zeigt den Druck für kürzere Arbeitszeiten und mehr Mitbestimmung. Betriebsräte nutzen ihre Rechte, um gesündere Schichtmodelle durchzusetzen.

Eine bundesweite Streikwelle im öffentlichen Nahverkehr rückt extreme Schichtbelastungen in den Fokus. Die Gewerkschaft ver.di fordert verbindliche Entlastungsmodelle – und setzt dabei stark auf die Macht der Betriebsräte.

Am 2. Februar 2026 legt ein bundesweiter Warnstreik den öffentlichen Nahverkehr lahm. Rund 150 Verkehrsunternehmen sind betroffen. Im Kern geht es nicht nur um mehr Geld, sondern um eine grundlegende Entlastung der Beschäftigten. Die Gewerkschaft ver.di fordert kürzere Arbeits- und Schichtzeiten, längere Ruhepausen und höhere Zuschläge für Nacht- und Wochenendarbeit. Dieser Konflikt zeigt: Der Druck für bessere Arbeitsbedingungen in systemrelevanten Berufen wächst. Und Betriebsräte werden zum entscheidenden Hebel, um maßgeschneiderte Lösungen vor Ort durchzusetzen.

Tarifrunde unter Druck: Synchronisierte Verhandlungen als neuer Faktor

Die laufenden Tarifverhandlungen für den öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) sind in diesem Jahr besonders brisant. Erstmals sind die Vertragslaufzeiten in allen Bundesländern synchronisiert. Das gibt den Gewerkschaften mehr Schlagkraft. Die Forderungen zielen direkt auf die hohe Belastung: kürzere Wochenarbeitszeit, verkürzte Schichten, verlängerte Ruhezeiten und bessere Zuschläge.

Die Dringlichkeit wird durch den massiven Fachkräftemangel und hohe Fluktuation in der Branche untermauert. Die Verhandlungsbereitschaft der Arbeitgeber bewertet ver.di jedoch als gering. Die erste Runde bei der Hamburger Hochbahn endete am 30. Januar ohne Angebot. Diese Haltung zwingt die Gewerkschaft zum Streik, um Bewegung in die festgefahrenen Gespräche zu bringen.

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Das starke Werkzeug: Wie Betriebsräte Schichtpläne mitgestalten

Unabhängig von Tarifverträgen haben Betriebsräte vor Ort eine machtvolle Position. Das Betriebsverfassungsgesetz (BetrVG) gibt ihnen ein umfassendes Mitbestimmungsrecht bei der Arbeitszeitgestaltung. Das gilt explizit für Beginn, Ende und Verteilung der Arbeitszeit – und damit auch für die Einführung und Ausgestaltung von Schichtarbeit.

Ein Arbeitgeber kann Schichtpläne nicht einseitig ändern. Er benötigt die Zustimmung des Betriebsrats. Dieses Vetorecht ist ein starkes Instrument. Betriebsräte können so gesundheitsfördernde Modelle durchsetzen und eigene, arbeitswissenschaftlich fundierte Vorschläge einbringen. Das Ergebnis sind verbindliche Betriebsvereinbarungen, die für alle transparent gelten.

Vorbilder existieren: Innovative Entlastungsmodelle in der Praxis

Dass Entlastung kein leeres Versprechen sein muss, beweisen bereits umgesetzte Vereinbarungen. Ein Vorreiter ist die Medizinische Hochschule Hannover (MHH). Dort sammeln Teams bei Personalunterbesetzung sogenannte Belastungspunkte. Für eine bestimmte Punktzahl gibt es zusätzliche freie Tage. Dieses System schafft einen direkten Ausgleich und setzt den Arbeitgeber unter Druck, für bessere Personalausstattung zu sorgen.

Ein weiterer Hebel sind finanzielle Kompensationen. Deutlich erhöhte Zulagen für Nacht-, Schicht- und Wochenendarbeit können die Belastung zwar nicht wegzaubern, aber fairer honorieren. Tarifabschlüsse etwa bei der Berliner BVG haben hier jüngst teils erhebliche Steigerungen gebracht. Solche Modelle können als Blaupause für betriebsspezifische Vereinbarungen dienen.

Der größere Konflikt: Kosten sparen versus in Menschen investieren

Die Debatte findet in einer angespannten Wirtschaftslage statt. Arbeitgeber verweisen auf Kostendruck und Wettbewerbsfähigkeit. Die Gewerkschaften kontern: Nur attraktive Arbeitsbedingungen können den Fachkräftemangel in Berufen wie Busfahrer oder Pflegekraft stoppen. Hohe Belastung führt zu Burnout, Krankheit und Fluktuation – und verursacht am Ende selbst hohe Kosten.

Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) mahnt, dass der Schutz der Beschäftigten nicht gegen wirtschaftliche Interessen ausgespielt werden darf. Es geht also um eine grundsätzliche Frage: Setzt man auf kurzfristige Einsparungen oder auf langfristige Investitionen in die Gesundheit und Zufriedenheit der Belegschaft?

Ein Präzedenzfall für ganz Deutschland?

Der Ausgang dieses Tarifkonflikts wird aufmerksam verfolgt. Er könnte Signalwirkung für viele andere Branchen mit Schichtbetrieb haben – von der Pflege über die Logistik bis zur Industrie. Gelingt es, verbindliche Regelungen zur Arbeitszeitreduzierung und innovative Belastungsausgleiche durchzusetzen, könnte das die deutsche Tariflandschaft nachhaltig verändern.

Für Betriebsräte bedeutet das, ihre Rechte aktiv und kreativ zu nutzen. Die kommenden Wochen werden zeigen, ob die Arbeitgeber zu Kompromissen bereit sind. Der Warnstreik am 2. Februar ist nur der nächste Schritt in einem Ringen, das die Zukunft der Arbeit in Deutschland mitprägen wird.

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