Mindestlohn, Lohnspirale

Mindestlohn löst Lohnspirale aus – fast jedes zweite Unternehmen betroffen

19.01.2026 - 22:34:12

DIHK-Umfrage zeigt: 40 Prozent der Unternehmen müssen höhere Lohngruppen anpassen, was zu Preiserhöhungen und Stellenabbau führt. Die Debatte um wirtschaftliche Tragfähigkeit wird neu entfacht.

Die Erhöhung des gesetzlichen Mindestlohns auf 13,90 Euro zieht weit größere Kreise als erwartet. Eine aktuelle DIHK-Umfrage zeigt: Fast die Hälfte aller deutschen Unternehmen muss auch höhere Gehaltsgruppen anpassen. Die Folge sind steigende Preise und die Gefahr von Stellenabbau.

Dominoeffekt erfasst die gesamte Lohnstruktur

Seit Jahresbeginn gilt der neue Mindestlohn. Doch die Auswirkungen reichen viel weiter. Eine Umfrage des Deutschen Industrie- und Handelskammertags (DIHK) unter fast 15.000 Betrieben belegt einen massiven Dominoeffekt. 40 Prozent der Unternehmen sehen sich gezwungen, nicht nur die untersten, sondern auch höhere Lohngruppen anzuheben. In der Industrie ist es sogar fast jeder zweite Betrieb.

Der Grund: Unternehmen wollen das Lohngefüge wahren. „Eine solche Erhöhung verändert die gesamte Lohnstruktur“, warnt DIHK-Präsident Peter Adrian. Die sogenannte Lohnstauchung droht: Der Abstand zwischen ungelernten Kräften und Facharbeitern schmilzt. Um Motivation und Anerkennung für Qualifikation zu erhalten, müssen die Gehälter nach oben angepasst werden. Die Personalkosten steigen so deutlich stärker als geplant.

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Gastgewerbe und Handel besonders unter Druck

Die Belastung trifft die Branchen unterschiedlich hart. Am stärksten betroffen ist das Gastgewerbe. Hier beschäftigt jeder zweite Betrieb Angestellte zum Mindestlohn. Im Einzelhandel sind es 38 Prozent. In der Bauwirtschaft hingegen spüren nur 17 Prozent der Unternehmen direkte Folgen.

Die wirtschaftlichen Reaktionen der Betriebe sind drastisch. 40 Prozent der Betroffenen planen Preiserhöhungen, um die gestiegenen Kosten auszugleichen. 13 Prozent erwägen Personalabbau. In den Krisenbranchen Gastronomie und Handel liegt dieser Wert sogar bei über 20 Prozent. Die Spirale aus höheren Löhnen und steigenden Verbraucherpreisen scheint sich zu drehen.

Alte Debatte, neue Schärfe

Die DIHK-Ergebnisse befeuern den alten Streit um den richtigen Weg. Wirtschaftsverbände warnen vor einer Überlastung des Mittelstands. „Die ohnehin hohen Arbeitskosten werden weiter angetrieben“, so Adrian. Das bremse Investitionen.

Gewerkschaften wie der DGB halten dagegen. Höhere Mindestlöhne seien nötig, um Kaufkraft zu stärken und Altersarmut vorzubeugen. Die jetzigen Warnungen seien überzogen. Kritik gibt es auch an den betroffenen Branchen: Jahrelang hätten sie angemessene Tariflöhne verweigert – jetzt müssten sie die Konsequenzen tragen.

Automatisierung und politischer Handlungsdruck

Die Studie wird die politische Debatte prägen. Unternehmen stehen vor der Herausforderung, die Kosten zu managen, ohne wettbewerbsunfähig zu werden. Eine Beschleunigung der Automatisierung ist eine wahrscheinliche Folge.

Der Druck auf die Politik wächst. Der DIHK fordert Gegenmaßnahmen: eine Begrenzung der Sozialabgaben und eine Anpassung des Renteneintrittsalters. Die nächste Erhöhung auf 14,60 Euro zum 1. Januar 2027 ist bereits beschlossen. Sie dürfte die Diskussion um soziale Sicherheit versus wirtschaftliche Tragfähigkeit weiter anheizen.

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