Microsoft, Teams

Microsoft Teams: Neuer Standort-Check sorgt für Überwachungs-Debatte

31.01.2026 - 17:39:12

Microsoft führt eine automatische Büro-Präsenzerkennung in Teams ein, die Kontroversen um Datenschutz und Mitarbeiterüberwachung auslöst. Die Funktion ist standardmäßig deaktiviert und erfordert individuelle Zustimmung.

Microsoft rollt im März 2026 eine umstrittene Funktion für Teams aus: Die Software erkennt automatisch, ob Mitarbeiter im Büro sind. Das soll die Hybrid-Arbeit erleichtern – doch viele fürchten gläsernes Personal.

Die neue Funktion nutzt die Büro-WLAN-Verbindung. Sobald ein Nutzer sein Gerät mit einem registrierten Firmennetzwerk verbindet, aktualisiert sich sein Status in Teams automatisch. Kollegen sehen dann sofort, wer für ein persönliches Meeting verfügbar ist. Microsoft spricht von weniger manueller Arbeit. Kritiker warnen vor digitaler Kontrolle und Mikromanagement.

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So funktioniert die automatische Ortung

IT-Administratoren müssen zunächst die Firmen-WLAN-Netze (SSIDs) bestimmten Bürostandorten zuordnen. Verbindet sich ein Nutzer des Windows- oder Mac-Clients mit einem solchen Netz, erkennt Teams den Standort. Zur Absicherung können auch angeschlossene Monitore oder Docks als zweites Signal dienen.

Ein wichtiger Schutz: Die Ortung ist temporär. Sie funktioniert nur innerhalb der definierten Arbeitszeiten und wird am Ende des Tages automatisch gelöscht. So soll ein Tracking in der Freizeit verhindert werden. Wer nicht im Büro-Netz ist, wird als im Homeoffice arbeitend angezeigt.

Hilfreiches Tool oder „Petze-Funktion“?

Microsoft positioniert die Neuerung als Teil der „Microsoft Places“-Plattform für hybride Arbeit. Befürworter argumentieren, die Funktion beende das Rätselraten bei der Büroplanung und mache Zusammenarbeit effizienter. In Krisensituationen, so die Idee, sei es hilfreich, den Standort von Kollegen zu kennen.

Doch der Widerstand ist laut. Viele Nutzer bezeichnen das Feature als „Petze-Funktion“. Die zentrale Sorge: Arbeitgeber könnten die Anwesenheit lückenlos überwachen und strenge Präsenzpflichten durchsetzen. Kritiker fürchten einen Vertrauensverlust und eine Kultur der Kontrolle, die Leistung in den Hintergrund drängt.

Datenschutz: Deaktiviert und mit Zustimmungspflicht

Auf die Bedenken reagiert Microsoft mit mehrstufigen Schutzmechanismen. Die Funktion ist standardmäßig für alle Organisationen deaktiviert. Ein Administrator muss sie erst explizit freischalten.

Selbst dann ist die individuelle Zustimmung jedes Mitarbeiters erforderlich. Jeder Nutzer muss aktiv zustimmen, bevor sein Standort geteilt wird. Eine pauschale Freigabe durch den Chef ist nicht möglich. Die Einstellungen lassen sich zudem in den Teams-Privatsphäre-Einstellungen jederzeit anpassen.

Hintergrund: Verschobener Start und sensible Balance

Der Start wurde bereits zweimal verschoben – von Dezember 2025 auf Januar und nun auf März 2026. Die Verzögerungen deuten auf die sensiblen Datenschutzfragen und technischen Hürden hin.

Die Einführung fällt in eine Phase, in der viele Unternehmen ihre Homeoffice-Regeln überprüfen. Experten raten Firmen zu klaren Regeln: Wozu dient die Ortung? Wer hat Zugriff? Ohne transparente Kommunikation droht Misstrauen. Der Erfolg hängt davon ab, ob Mitarbeiter das Tool als hilfreiche Koordinationshilfe oder als Überwachungsinstrument wahrnehmen. Die Reaktion wird ein wichtiger Indikator für die Zukunft der Hybrid-Arbeit sein.

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