Meta stoppt KI-Zugang für Jugendliche und gerät unter EU-Druck
25.01.2026 - 05:14:11Meta schaltet den Zugang zu seinen KI-Charakteren für Jugendliche weltweit ab. Gleichzeitig prüft die EU-Kommission offenbar, ob der Konzern mit seiner KI-Integration in WhatsApp den Wettbewerb behindert.
Die Doppelbelastung aus internen Sicherheitsbedenken und externem regulatorischem Druck markiert eine kritische Phase für die KI-Ambitionen des Tech-Riesen. Während Nutzer seit Ende 2025 mit KI-Tools wie dem Bildgenerator für Status-Updates experimentieren können, zeigen die jüngsten Entwicklungen die wachsenden Spannungen zwischen rasanter Innovation und den Ansprüchen an Sicherheit und fairen Wettbewerb.
Zugang für Minderjährige vorerst gesperrt
Aus Sorge um den Jugendschutz hat Meta den Zugang zu seinen KI-Charakteren für Teenager vorläufig global gesperrt. Die am Freitag angekündigte Maßnahme betrifft alle registrierten Minderjährigen und gilt über alle Apps des Konzerns hinweg – also WhatsApp, Facebook und Instagram.
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Der Schritt erfolgte, nachdem Bedenken aufkamen, dass Jugendliche über KI-Chatbots mit unangemessenen Inhalten konfrontiert werden könnten. Meta kündigte an, den Dienst erst wieder freizuschalten, wenn eine aktualisierte Version mit verstärkten Sicherheitsvorkehrungen und elterlichen Kontrollen vorliegt. Eltern sollen dann die Möglichkeit erhalten, Einzelchats zwischen ihren Kindern und KI-Charakteren komplett zu deaktivieren.
Die neuen KI-Tools für jüngere Zielgruppen sollen künftig einem PG-13-Standard entsprechen und den Zugang zu nicht altersgerechten Themen verhindern. Die Maßnahme signalisiert einen vorsichtigeren Kurs des Unternehmens, der den Schutz Minderjähriger priorisiert, während generative KI immer tiefer in die Plattformen integriert wird.
EU prüft mögliche Wettbewerbsverzerrung
Parallel zu den internen Anpassungen wächst der regulatorische Druck aus Europa. Medienberichten der vergangenen Woche zufolge bereitet die Europäische Kommission eine Wettbewerbsprüfung der KI-Integration in WhatsApp vor. Im Fokus steht die Frage, ob Metas Vorgehen den Zugang für konkurrierende KI-Anbieter unfair beschränkt und die Marktdominanz von WhatsApp nutzt, um ein wettbewerbsfeindliches Umfeld zu schaffen.
Diese mögliche EU-weite Untersuchung folgt ähnlichen Schritten auf nationaler Ebene. Italiens Wettbewerbsbehörde hatte Ende 2025 eine Prüfung ausgeweitet, um Metas KI-Integration und Änderungen an der WhatsApp-Business-Plattform einzubeziehen, die den Einsatz konkurrierender KI-Chatbots limitieren könnten.
Für die Regulierer geht es darum, ein level playing field zu gewährleisten, auf dem Metas riesiges Ökosystem andere Technologieunternehmen nicht von vornherein benachteiligt. Das Ergebnis dieser Untersuchungen könnte tiefgreifende Auswirkungen darauf haben, wie KI in großen Kommunikationsplattformen auf dem gesamten Kontinent eingesetzt wird.
Der „Imagine“-Bildgenerator im Status
Die aktuellen regulatorischen und sicherheitsbezogenen Diskussionen werfen ein neues Licht auf KI-Funktionen, die WhatsApp bereits Ende 2025 einführte. Die Plattform integrierte einen KI-gestützten Bildgenerator – oft als „Imagine“-Tool bezeichnet – direkt in die Status-Updates.
Nutzer können seither vollständig neue Bilder erstellen, indem sie einfach eine beschreibende Texteingabe machen. Ein Beispiel: Die Eingabe „eine futuristische Stadt bei Dämmerung“ oder „ein friedlicher Wald im Nebel“ generiert ein einzigartiges, teilbares Bild für den Status.
Um das Feature zu nutzen, navigieren Nutzer zum Tab „Updates“ und wählen die Option „KI-Bilder“. Nach der Texteingabe generiert Meta AI mehrere Varianten zur Auswahl. Die Bilder können anschließend mit den üblichen WhatsApp-Bearbeitungswerkzeugen wie Beschriftungen, Stickern, Zuschneiden und Zeichnungen angepasst werden, bevor sie gepostet werden.
Innovation trifft auf Verantwortung
Das Nebeneinander von kreativen KI-Einführungen, dringenden Sicherheitsmaßnahmen und Kartellrechtsprüfungen markiert einen Wendepunkt für Meta. Der anfängliche Push, generative KI-Features einzuführen, zielte darauf ab, Nutzerengagement und Ausdrucksmöglichkeiten zu steigern. Doch die jüngste Aussetzung des Jugendzugangs zeigt einen reaktiven statt proaktiven Umgang mit den potenziellen Risiken dieser mächtigen Technologie.
Gleichzeitig deuten die regulatorischen Signale aus Europa darauf hin, dass die Ära des „move fast and break things“ für marktbeherrschende Player vorbei ist. Regulierer beobachten technologische Fortschritte nicht mehr nur, sie hinterfragen deren Wettbewerbsimplikationen von Beginn an. Metas Strategie, eigene KI tief in seine Dienste zu integrieren, wird von einigen als natürliche Produktentwicklung gesehen, von Regulierern aber als potenzielle Wettbewerbsbremse für kleinere Konkurrenten.
Ein vorsichtiger Weg nach vorn
Der Weg zur KI-Integration in Messaging-Apps scheint fortan von Vorsicht geprägt zu sein. Metas unmittelbarer Fokus wird darauf liegen, das KI-Erlebnis für Jugendliche mit überprüfbaren Sicherheitsvorkehrungen neu aufzubauen – ein Prozess, der Zeitplan und Design aller künftigen KI-Funktionen beeinflussen könnte.
Im breiteren Markt könnte das Ergebnis der möglichen EU-Prüfung die Landschaft der KI in Kommunikationsdiensten neu gestalten. Eine Entscheidung, die Meta zwingt, seine Plattform für konkurrierende KI-Dienste zu öffnen, könnte einen diverseren und wettbewerbstensiveren Markt fördern, aber auch neue Komplexitäten in puncto Datenschutz und Nutzererfahrung mit sich bringen.
Für die Millionen WhatsApp-Nutzer wird die Zukunft ihrer App nicht nur von Entwicklern im Silicon Valley, sondern auch von Regulierern in Brüssel und der wachsenden globalen Forderung nach einer sichereren, verantwortungsvolleren digitalen Umgebung geprägt. Die nächste Welle der KI-Innovation wird wahrscheinlich ebenso sehr von Compliance und Ethik definiert sein wie von Code.
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