Legal & General Group plc: Hohe Dividende, niedrige Bewertung – lohnt sich der Einstieg jetzt?
17.01.2026 - 02:51:16Während viele Wachstumswerte an den Börsen erneut die Schlagzeilen dominieren, fliegt ein klassischer Dividendentitel vergleichsweise unter dem Radar: die Aktie von Legal & General Group plc. Der britische Versicherungs- und Asset-Management-Konzern bietet Anlegern eine der attraktivsten Ausschüttungsrenditen im europäischen Finanzsektor, wird am Markt aber nach wie vor mit einem deutlichen Bewertungsabschlag gehandelt. Genau diese Diskrepanz zwischen Ertragsstärke und moderater Kursentwicklung macht das Papier derzeit zu einem spannenden Prüfstein für einkommensorientierte wie auch antizyklische Investoren.
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Ein-Jahres-Rückblick: Das Investment-Szenario
Wer vor rund einem Jahr in die Legal-&-General-Aktie eingestiegen ist, kann sich heute über eine solide, wenn auch keine spektakuläre Gesamtrendite freuen. Auf Basis der Schlusskurse an der London Stock Exchange notiert die Aktie aktuell im Bereich von rund 2,45 bis 2,55 britischen Pfund. Vor etwa einem Jahr lag der Kurs deutlich tiefer – die damaligen Schlussstände bewegten sich im Korridor um die Marke von knapp über 2,00 Pfund.
Damit ergibt sich über zwölf Monate betrachtet ein Kursanstieg im niedrigen zweistelligen Prozentbereich. Rechnet man konservativ mit einem Zuwachs von ungefähr 15 Prozent, kommt zusätzlich die stattliche Dividendenrendite von mehr als 7 Prozentpunkten hinzu, die Legal & General zuletzt ausgeschüttet hat. Unter dem Strich konnten geduldige Anleger somit eine Gesamtrendite im Bereich von über 20 Prozent erzielen – ein respektables Ergebnis in einem Umfeld, in dem viele defensive Finanzwerte mit Zins- und Regulierungssorgen zu kämpfen hatten.
Interessant ist zugleich der Blick auf die Spanne der vergangenen zwölf Monate. Die 52-Wochen-Tiefstkurse lagen spürbar unter den aktuellen Notierungen, während die Zwischenhochs der Aktie oberhalb der gegenwärtigen Kurse markiert wurden. Der Markt hat Legal & General also phasenweise deutlich optimistischer bewertet, ohne dass sich das operative Bild grundlegend verändert hätte. Für mittel- bis langfristig orientierte Investoren zeigt sich damit ein klares Chancen-Risiko-Profil: Wer Schwächephasen genutzt hat, wurde bereits mit beachtlichen Erträgen belohnt; wer jetzt einsteigt, setzt darauf, dass sich dieses Muster wiederholen kann.
Aktuelle Impulse und Nachrichten
In den vergangenen Tagen stand bei Legal & General weniger ein einzelnes Großereignis im Fokus, sondern vielmehr ein Bündel an Entwicklungen, das die mittelfristige strategische Ausrichtung des Konzerns unterstreicht. Aus internationalen Finanzmedien ging hervor, dass das Management seinen Kurs fortsetzt, das kapitalintensive traditionelle Lebensversicherungsgeschäft weiter zu straffen und stärker auf margenträchtigere Bereiche wie institutionelles Asset Management, Rentenlösungen für Unternehmen ("Pension Risk Transfer") und alternative Anlagen zu setzen. Diese strategische Weichenstellung sorgt dafür, dass Legal & General weniger anfällig für klassische Zins- und Langlebigkeitsrisiken bleibt und stärker an strukturellen Trends wie dem demografischen Wandel und dem globalen Bedarf an Infrastrukturfinanzierung partizipieren kann.
Vor wenigen Tagen hoben Analysten und Branchenbeobachter zudem hervor, dass Legal & General seine Kapitalausstattung robust halten konnte. Die Solvabilitätsquote, ein zentraler Indikator für die Finanzstärke von Versicherern, liegt weiterhin komfortabel über den regulatorischen Mindestanforderungen. Das gibt dem Vorstand Spielraum, sowohl eine attraktive Dividendenpolitik zu verfolgen als auch Investitionen in neue Wachstumsfelder – etwa nachhaltige Infrastrukturprojekte, bezahlbaren Wohnraum oder erneuerbare Energien – voranzutreiben. Solche Investitionsfelder stehen im Einklang mit wachsendem regulatorischen und gesellschaftlichen Druck, Kapitalströme verstärkt in Richtung klimafreundlicher und sozialer Projekte zu lenken.
Daneben spielt der Kapitalmarkt selbst eine wichtige Rolle als kurzfristiger Impulsgeber. In der laufenden Börsenwoche war eine gewisse Konsolidierung des Kurses zu beobachten. Nach einer spürbaren Erholung in den vergangenen Monaten pendelte die Aktie zuletzt in einer Seitwärtsbewegung. Marktteilnehmer werten dies vielfach als technische Verschnaufpause nach dem vorherigen Anstieg, zumal das gehandelte Volumen nicht den Eindruck eines panikartigen Ausstiegs erweckt. Vielmehr deutet das Muster darauf hin, dass sich der Markt auf die nächsten fundamentalen Nachrichten vorbereitet – etwa auf anstehende Zwischenberichte oder ein mögliches Update zur Kapital- und Dividendenpolitik.
Das Urteil der Analysten & Kursziele
Das aktuelle Analystenbild zur Legal-&-General-Aktie fällt überwiegend positiv bis verhalten optimistisch aus. In den vergangenen Wochen haben mehrere große Häuser ihre Einschätzungen aktualisiert oder bestätigt. Insgesamt überwiegen Einstufungen im Bereich "Kaufen" oder "Übergewichten", flankiert von einer Reihe neutraler "Halten"-Empfehlungen. Deutlich negative, also explizite "Verkaufen"-Urteile sind hingegen die Ausnahme.
Mehrere international renommierte Investmentbanken sehen das theoretische Kurspotenzial der Aktie über den aktuellen Niveaus. Die Bandbreite der veröffentlichten Kursziele reicht dabei – je nach Haus und zugrunde gelegtem Szenario – von moderat über den aktuellen Kursen liegenden Marken bis hin zu deutlich zweistelligen prozentualen Aufschlägen. Institute wie JPMorgan, Barclays, Deutsche Bank oder UBS verweisen dabei regelmäßig auf drei Kernargumente: Erstens die im Branchenvergleich hohe und relativ gut abgesicherte Dividendenrendite, zweitens die solide Kapitalausstattung und drittens die strategische Positionierung im wachsenden Geschäft mit betrieblichen Altersversorgungen und Infrastrukturfinanzierung.
In vielen Studien wird auch auf die Bewertungskennzahlen eingegangen. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis der Legal-&-General-Aktie liegt im Vergleich zu anderen großen europäischen Versicherern im unteren Bereich. Gleichzeitig liegt das Kurs-Buchwert-Verhältnis unter Eins, was signalisiert, dass der Markt dem bilanziellen Eigenkapital des Unternehmens einen Abschlag gewährt. Analysten argumentieren, dass ein Teil dieses Abschlags durch strukturelle Risiken des Versicherungssektors und regulatorische Unwägbarkeiten erklärt werden kann. Ein weiterer Teil werde jedoch durch eine gewisse Skepsis gegenüber dem britischen Markt insgesamt und dem politischen Umfeld in Großbritannien getrieben. Für antizyklische Investoren bedeutet dies: Sollte sich das Makroumfeld stabilisieren und Legal & General die eigenen Ziele erneut erfüllen oder übertreffen, wäre Spielraum für eine schrittweise Neubewertung nach oben vorhanden.
Nicht unerwähnt bleiben sollte allerdings die Kehrseite dieses Bildes. Einige Häuser mahnen an, dass die hohe Abhängigkeit von Kapitalmarktrenditen im Asset-Management- und Pensionsgeschäft auch Risiken birgt – insbesondere dann, wenn es an den Anleihe- und Aktienmärkten zu stärkeren Korrekturen kommt. Zudem wird darauf verwiesen, dass der Spielraum für kontinuierlich steigende Dividenden begrenzt sein könnte, falls strengere Solvency-II-Vorgaben oder erhöhte Rückstellungen für Pensionsverpflichtungen erforderlich werden. In Summe bleibt das Votum der Analysten indes eher konstruktiv: Das Chance-Risiko-Profil wird vielfach als attraktiv beschrieben, insbesondere für Anleger mit längerem Anlagehorizont und income-orientierter Strategie.
Ausblick und Strategie
Für den weiteren Kursverlauf der Legal-&-General-Aktie dürften in den kommenden Monaten vor allem drei Faktoren entscheidend sein: das Zinsumfeld, die Entwicklung an den Kapitalmärkten und die Fähigkeit des Managements, die eingeschlagene strategische Transformation konsequent umzusetzen. Steigende oder zumindest auf höherem Niveau verharrende Zinsen wirken sich grundsätzlich positiv auf das Neugeschäft im Lebensversicherungsgeschäft aus, weil Renditeversprechen einfacher zu erfüllen sind. Gleichzeitig können jedoch Bewertungsverluste auf bestehenden Anleiheportfolios auftreten. Legal & General hat in den vergangenen Jahren an der Optimierung seiner Asset-Liability-Steuerung gearbeitet, um diese gegenläufigen Effekte besser zu balancieren.
Von zentraler Bedeutung ist ferner die Rolle des Unternehmens als großer Asset Manager. Über die Tochter Legal & General Investment Management (LGIM) verwaltet der Konzern dreistellige Milliardenbeträge – vor allem für institutionelle Kunden wie Pensionskassen und Versicherungen. In Zeiten zunehmenden Kostendrucks im Asset Management setzt Legal & General auf Skaleneffekte, eine starke Position in passiven Produkten sowie ein wachsendes Angebot an nachhaltigen und alternativen Anlagestrategien. Gelingt es, diese Bereiche weiter auszubauen, könnte dies nicht nur die Ertragsbasis verbreitern, sondern auch die Kapitalmarktstory der Aktie attraktiver machen.
Strategisch positioniert sich der Konzern darüber hinaus als langfristiger Investor in reale Vermögenswerte. Dazu zählen Beteiligungen an Infrastrukturprojekten, der Ausbau von erneuerbaren Energien, Wohnungsbauinitiativen und Stadtentwicklungsprojekte – nicht nur in Großbritannien, sondern zunehmend auch international. Diese Engagements sollen stabile, inflationsgeschützte Cashflows generieren und zugleich gesellschaftlichen Nutzen stiften. Für Investoren eröffnet sich hier die Aussicht auf eine Art "doppelten Dividenden-Effekt": einerseits in Form attraktiver Ausschüttungen, andererseits durch langfristigen Wertzuwachs in Bereichen, die von strukturellen Megatrends getragen werden.
Auf der anderen Seite bleibt das Risiko, dass regulatorische Anforderungen steigen oder politische Eingriffe in Pensions- und Versicherungsregime zunehmen. Insbesondere die Diskussionen rund um Rentenreformen und den Umgang mit Pensionsdefiziten in Großbritannien können sich positiv wie negativ auf das Geschäft mit Unternehmenskunden auswirken. Auch die wachsende Konkurrenz im Asset Management – sowohl durch globale Riesen als auch durch spezialisierte Nischenanbieter – zwingt Legal & General dazu, ständig in Technologie, Dateninfrastruktur und Produktentwicklung zu investieren.
Für Aktionäre stellt sich somit die Frage, wie sie das Gesamtbild gewichten: Auf der Habenseite stehen eine im Branchenvergleich überdurchschnittliche Dividendenrendite, eine solide Bilanz und eine strategische Ausrichtung auf Wachstumsfelder wie Altersvorsorge und Infrastrukturfinanzierung. Auf der Sollseite finden sich makroökonomische Unsicherheiten, Markt- und Zinsrisiken sowie mögliche regulatorische Verschärfungen. Wer mit diesen Unwägbarkeiten leben kann und einen mehrjährigen Anlagehorizont mitbringt, könnte Legal & General als Baustein für ein diversifiziertes, einkommensorientiertes Portfolio in Betracht ziehen.
Das aktuelle Kursniveau spiegelt dabei eine gewisse Skepsis des Marktes wider, lässt aber gleichzeitig Spielraum für positive Überraschungen. Sollten künftige Quartalszahlen erneut zeigen, dass Legal & General in der Lage ist, stabile Gewinne zu erwirtschaften, die Dividende zu sichern und gleichzeitig in Wachstumsfelder zu investieren, könnten sich die heute noch verhaltenen Bewertungsmultiplikatoren schrittweise normalisieren. Für langfristig orientierte Investoren könnte dies die Chance eröffnen, von einer möglichen Neubewertung zu profitieren – während die laufenden Dividendenzahlungen gewissermaßen als Puffer gegen kurzfristige Kursschwankungen dienen.
Unabhängig vom individuellen Anlageentscheid bleibt festzuhalten: Die Legal-&-General-Aktie ist kein Spekulationswert für schnelle Kursgewinne, sondern ein klassischer Substanz- und Ertragswert. In einem Marktumfeld, das immer wieder von kurzfristigen Moden und hoher Volatilität geprägt ist, könnte gerade diese Eigenschaft für viele Anleger an Attraktivität gewinnen.


