Krankenstand, Deutschland

Krankenstand in Deutschland bleibt auf hohem Niveau

29.01.2026 - 06:31:12

Die Krankenstände in Deutschland bleiben trotz leichter Verbesserung auf hohem Niveau und verursachen massive wirtschaftliche Schäden. Politik und Wirtschaft suchen nach Lösungen wie einem nationalen Gipfel.

Die deutschen Arbeitnehmer sind weiterhin überdurchschnittlich oft krank. Neue Daten großer Krankenkassen zeigen einen nur minimal gesunkenen Krankenstand, der die Wirtschaft Milliarden kostet und eine hitzige Debatte über Ursachen und Lösungen entfacht. Unternehmen, Gewerkschaften und die Politik suchen dringend nach neuen Strategien.

Daten zeigen besorgniserregendes Plateau

Die aktuellen Analysen der beiden großen Kassen Techniker Krankenkasse (TK) und DAK-Gesundheit zeichnen ein klares Bild: Zwar gehen die Fehltage durch Atemwegserkrankungen leicht zurück, doch der stetige Anstieg bei psychischen Erkrankungen verhindert eine deutliche Entspannung. Die TK meldete für 2025 im Schnitt 18,6 Krankentage pro Versichertem – nur eine leichte Verbesserung gegenüber 19,1 Tagen im Vorjahr. Die DAK verzeichnete mit 19,5 Tagen ein ähnlich hohes Niveau. Die drei Haupttreiber sind eindeutig: Atemwegsinfekte, psychische Leiden und Muskel-Skelett-Erkrankungen wie Rückenleiden.

Milliardenschaden und Ruf nach dem „Krankenstands-Gipfel“

Die wirtschaftlichen Folgen sind massiv. Der Verband forschender Pharma-Unternehmen (vfa) schätzt den verlorenen Wirtschaftsoutput der vergangenen Jahre auf bis zu 160 Milliarden Euro. Seit 2022 liege der Anteil erkrankter Arbeitnehmer konstant etwa 50 Prozent höher als in den Jahren zuvor.

Diese Zahlen haben hochrangige Forderungen ausgelöst. DAK-Chef Andreas Storm verlangt einen „Krankenstands-Gipfel“ im Kanzleramt, bei dem Arbeitgeber, Gewerkschaften, Ärzte und Kassen eine nationale Strategie erarbeiten sollen. Eine innovative Idee ist die „Teilkrankschreibung“, die es Arbeitnehmern ermöglichen würde, bei eingeschränkter Gesundheit stundenweise zu arbeiten, statt komplett auszufallen.

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Politisches Gerangel um die telefonische Krankschreibung

Das Thema ist auch politisch hochgradig aufgeladen. Bundeskanzler Friedrich Merz hatte die hohen Krankentage kritisiert und die seit der Pandemie etablierte telefonische Krankschreibung infrage gestellt. Daraufhin kündigte Gesundheitsministerin Nina Warken eine Überprüfung dieser Regelung an, um möglichem Missbrauch nachzugehen. Während Teile der Wirtschaft strengere Kontrollen fordern, warnen Gewerkschaften vor einem Generalverdacht gegen wirklich erkrankte Beschäftigte.

Unternehmen und Gewerkschaften in der Pflicht

Abseits der politischen Debatte zwingen die Zahlen die Betriebe zum Handeln. Die IG Metall kündigte eine eigene Gesundheitsoffensive für 2026 an. Für Personalabteilungen verschiebt sich der Fokus von der reinen Abwesenheitsverwaltung hin zu präventiven Maßnahmen.

Experten fordern einen Ausbau des Betrieblichen Gesundheitsmanagements (BGM). Entscheidend sind: der leichtere Zugang zu psychologischer Hilfe, Schulungen für Führungskräfte zur Burnout-Erkennung, flexible Arbeitsmodelle zur Stressreduktion und eine ergonomische Arbeitsumgebung. Der anhaltende Anstieg psychischer Erkrankungen zeigt deutlich, dass Unternehmen eine Kultur schaffen müssen, die seelische Probleme entstigmatisiert und klare Unterstützungswege bietet.

Ausblick: Eine strukturelle Herausforderung

Die Daten belegen, dass der hohe Krankenstand in Deutschland ein komplexes, strukturelles Problem ist. Es geht nicht mehr nur um saisonale Erkältungswellen, sondern zunehmend um chronische und psychische Leiden.

Die Weichen für 2026 werden jetzt gestellt. Die politische Überprüfung der Krankschreibungsregeln könnte noch in diesem Jahr zu Änderungen führen. Gleichzeitig könnte das Modell der Teilkrankschreibung an Bedeutung gewinnen. Der Druck auf die Unternehmen bleibt hoch: Jene, die in ganzheitliche, datengestützte Gesundheitsstrategien und eine supportive Führungskultur investieren, werden langfristig im Vorteil sein.

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