KI-Verordnung: EU-Autos müssen ab Sommer KI offenlegen
01.01.2026 - 11:30:11Ab heute gelten in der EU verschärfte Transparenzregeln für künstliche Intelligenz in Fahrzeugen. Während KI-Sicherheitssysteme noch bis 2027 Zeit haben, müssen Sprachassistenten und Chatbots in Autos schon ab August 2026 klar als KI gekennzeichnet werden. Die ersten nationalen Aufsichtsbehörden, wie in Finnland, nehmen heute ihre Arbeit auf.
Die Umsetzung der europäischen KI-Verordnung erreicht eine kritische Phase. Für Hochrisiko-KI in regulierten Produkten wie Sicherheitskomponenten (ABS, Airbags) gilt zwar eine Übergangsfrist bis August 2027. Doch für Interaktions-KI sieht der Zeitplan anders aus.
Die Transparenzpflichten nach Artikel 50 der Verordnung greifen bereits ab 2. August 2026. Das schafft eine gespaltene Compliance-Landschaft für Hersteller:
* Sicherheits-KI: Regulierung ab August 2027.
* Interaktions-KI: Regulierung ab August 2026.
Bis zum zweiten Halbjahr müssen Sprachassistenten, Chatbots und „smarte“ Concierge-Dienste im Auto sich gegenüber Fahrer und Passagieren eindeutig als künstliche Intelligenz zu erkennen geben. Die Ära mehrdeutiger, menschenähnlicher Assistenten ohne klare Kennzeichnung geht zu Ende.
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„Code of Practice“: Jetzt handeln erforderlich
Die Dringlichkeit der Vorbereitungen wird durch eine Entwicklung der letzten 72 Stunden unterstrichen. Nach der Veröffentlichung des ersten Entwurfs für einen Verhaltenskodex (Code of Practice) zur KI-Transparenz Mitte Dezember 2025 schließt sich das Konsultationsfenster rasch.
Rechtsexperten weisen darauf hin, dass die Frist für schriftliche Stellungnahmen zu diesem Entwurf der 23. Januar 2026 ist. Dieser Kodex ist für Automobilhersteller entscheidend, da er die technischen Spezifikationen für folgende Punkte liefert:
* Wasserzeichen: Wie KI-generierte Audio- oder Videoinhalte technisch markiert werden.
* Nutzerhinweise: Die konkreten Methoden, um Nutzer darüber zu informieren, dass sie mit einer Maschine interagieren.
* Deepfake-Kennzeichnung: Protokolle für die Kennzeichnung synthetischer Inhalte, die für Infotainmentsysteme mit generativer KI zur Inhalteerstellung zunehmend relevant sind.
Branchenanalysten betonen: Während die rechtliche Verpflichtung erst im August beginnt, werden die technischen Standards jetzt finalisiert. Hersteller, die sich nicht mit dem Verhaltenskodex befassen, riskieren, auf Standards festgelegt zu werden, die für ältere Infotainment-Architekturen technisch aufwändig umzusetzen sind.
Nationale Aufsicht startet in Finnland
Heute, 1. Januar 2026, markiert auch den Wechsel von der europäischen Gesetzestheorie zur nationalen Vollzugswirklichkeit. Finnland ist der erste EU-Mitgliedstaat, der seine nationalen Aufsichtsgesetze für die KI-Verordnung vollständig aktiviert hat.
Diese Entwicklung signalisiert den Beginn der „Vollzugsära“. Weitere Mitgliedstaaten werden voraussichtlich im ersten Quartal 2026 folgen und die für die Compliance-Überwachung zuständigen Behörden einrichten. Für den Automobilsektor bedeutet das: Die „zuständigen Behörden“, die ihre Transparenzmaßnahmen prüfen werden, nehmen nun ihre Arbeit auf. Diese Behörden können Bußgelder verhängen, die bei Verstößen gegen Transparenzregeln bis zu 15 Millionen Euro oder 3 % des weltweiten Umsatzes erreichen können.
„Chatbots“ vs. „Autopilot“: Die große Unterscheidung
Eine große Herausforderung für den Automobilsektor 2026 ist die klare Unterscheidung zwischen KI-Kategorien.
* Generative KI & Chatbots: Systeme wie der virtuelle Assistent von Mercedes-Benz oder die ChatGPT-Integration von VW fallen unter die Transparenzregeln (Art. 50), die 2026 gelten. Nutzer müssen zu Beginn einer Interaktion informiert werden, dass sie mit einer KI sprechen.
* Hochriskante Sicherheitssysteme: KI für autonomes Fahren (Level 3/4) oder Fahrerüberwachung fällt unter Anhang II (regulierte Produkte). Wie der VDA (Verband der Automobilindustrie) in früheren Positionspapieren feststellte, sind diese Systeme in die Typgenehmigung für Fahrzeuge integriert und haben bis August 2027 Zeit für die volle Compliance.
Dieser gestaffelte Zeitplan schafft eine komplexe Compliance-Matrix für Modelle des Jahres 2026. Ein Fahrzeug, das Ende 2026 verkauft wird, könnte die Sicherheitsregeln für 2027 erfüllen, aber dennoch Strafen riskieren, wenn sein Sprachassistent die Transparenzprüfungen für 2026 nicht besteht.
Branchenreaktion: Eilige Software-Updates
Die Automobilindustrie reagiert mit beschleunigten Software-Updates. Berichte vom Ende Dezember 2025 deuten darauf hin, dass große OEMs ihre HMI-Software (Human-Machine Interface) eilig aktualisieren, um die obligatorischen KI-Hinweise vor der August-Frist einzubauen.
Der TÜV-Verband wies in einem Bericht vom 22. Dezember darauf hin, dass die Transparenzregeln der KI-Verordnung neben den neuen Euro-7-Abgasnormen und Cybersicherheitsgesetzen (NIS2) eine der „drei großen“ Compliance-Hürden für 2026 darstellen. Der Verband warnt, dass „KI-generierte Inhalte klar gekennzeichnet werden müssen“ – eine Anforderung, die über das Armaturenbrett hinaus auch Marketingmaterialien und Bedienungsanleitungen betrifft.
Ausblick: Weitere Leitlinien im Frühjahr 2026
Für das erste Quartal 2026 erwartet die Branche, dass das europäische KI-Büro weitere Leitlinien zur praktischen Umsetzung von Artikel 50 veröffentlicht. Die Rückmeldungen aus der aktuellen Konsultation zum Verhaltenskodex (bis 23. Januar) werden die finalen technischen Standards voraussichtlich im Frühjahr 2026 prägen.
Für Verbraucher wird die Veränderung ab Mitte des Jahres sichtbar. Neue Fahrzeugmodelle, die für das Modelljahr 2027 (typischerweise Ende 2026) auf den Markt kommen, werden deutliche visuelle oder akustische Hinweise enthalten – etwa spezifische Symbole oder Sprachansagen – sobald ein KI-System aktiv ist. Dieser Wandel soll Vertrauen schaffen und sicherstellen, dass Fahrer nie unsicher sind, ob sie Ratschläge von einem menschlichen Support-Mitarbeiter oder einem generativen KI-Algorithmus erhalten.
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