KI-Verordnung der EU droht an Umsetzung zu scheitern
27.01.2026 - 17:53:12Die EU-KI-Verordnung droht an mangelnder Vorbereitung zu scheitern. Kurz vor dem Starttermin im August 2026 kritisieren Europaabgeordnete massive Verzögerungen und ungelöste Transparenzprobleme. Das könnte die Glaubwürdigkeit des weltweit ersten umfassenden KI-Gesetzes untergraben.
In einer angespannten Anhörung des Ausschusses für Binnenmarkt und Verbraucherschutz konfrontierten Abgeordnete heute Vertreter der EU-Kommission mit unbequemen Fragen. Im Fokus stand die mangelnde Umsetzungsbereitschaft. Die entscheidenden Säulen der Verordnung – darunter die neue EU-KI-Behörde, eine öffentliche Datenbank für Hochrisiko-Systeme und technische Standards – seien noch immer nicht einsatzbereit.
„Die Uhr tickt unerbittlich“, so die einhellige Meinung im Parlament. Die Verordnung trat zwar bereits im August 2024 in Kraft, wird aber erst in gut sechs Monaten vollständig anwendbar. Sie soll strenge Anforderungen für Hochrisiko-KI-Systeme durchsetzen. Doch der reibungslose Start des Vorzeigeprojekts ist gefährdet.
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Technische Standards: Der kritische Engpass
Ein zentraler Streitpunkt sind die verspäteten harmonisierten technischen Standards. Diese von den europäischen Normungsgremien CEN und CENELEC entwickelten Vorgaben sind der Schlüssel, um rechtliche Prinzipien in klare technische Spezifikationen für Unternehmen zu übersetzen.
Mehrere Abgeordnete zeigten sich alarmiert über Berichte aus dem späten Jahr 2025. Demnach liegt der Prozess so weit hinter dem Zeitplan, dass ein „beispielloses“ Schnellverfahren eingeleitet wurde. Kritiker fürchten, dass diese beschleunigte Timeline die Qualität und Sicherheit der Standards gefährdet. Können unter Zeitdruck erstellte Normen komplexe Probleme wie algorithmische Verzerrungen wirklich angemessen adressieren?
Die Unsicherheit für die Wirtschaft ist enorm. Vor allem kleine und mittlere Unternehmen brauchen klare Vorgaben, um ihre Compliance-Strategien zu finalisieren. Berichte, dass einige große europäische Industrieakteure dem Normungsprozess fernbleiben, verschärfen die Situation zusätzlich.
Zweifel an Transparenz und Durchsetzung
Die zweite Baustelle ist die Einsatzbereitschaft der neuen EU-KI-Behörde. Sie ist das zentrale Durchsetzungsorgan. Doch schon länger kursieren Berichte über erheblichen Personalmangel. Die Behörde konkurriert bei der Anwerbung von Spitzentechnikern mit Gehältern aus der Privatwirtschaft.
Zweifel an ihrer Handlungsfähigkeit sind daher angebracht. Die Behörde muss nicht nur die Regeln für Allzweck-KI-Modelle überwachen, sondern auch die Durchsetzung in den Mitgliedstaaten koordinieren.
Ebenso kritisch wird die geplante öffentliche EU-Datenbank für Hochrisiko-KI-Systeme gesehen. Sie soll Bürgern und Aufsichtsbehörden echte Einsicht ermöglichen. Parlamentarier befürchten jedoch, dass die aktuellen Pläne nicht ausreichen, um echte Rechenschaftspflicht zu gewährleisten. Die Diskussion dreht sich darum, die Datenbank von einem reinen Registrierungsportal zu einem wirksamen Instrument öffentlicher Kontrolle zu machen.
Industrie fordert Planungssicherheit
Aus der Wirtschaft kommen ähnliche Rufe nach Klarheit. Branchenverbände beobachten die Debatte mit Sorge. Die Kombination aus verzögerten Standards und unklarer Durchsetzung erschwert vor allem KMU die Compliance-Planung.
Die KI-Verordnung basiert auf einem risikobasierten Ansatz. Die strengsten Pflichten treffen Anbieter von Hochrisiko-Systemen – also KI, die Gesundheit, Sicherheit oder Grundrechte beeinträchtigen könnte. Dazu zählen Anwendungen in kritischer Infrastruktur, im Personalwesen oder in der Strafverfolgung. Ohne finale Standards fehlt Entwicklern jedoch die praktische Implementierungsanleitung. Das treibt die Compliance-Kosten und -Risiken in die Höhe.
Die heutige Anhörung machte deutlich: Es geht um mehr als Verfahrensfragen. Sie berühren den Kern des europäischen Anspruchs, einen globalen „Goldstandard“ für KI-Regulierung zu setzen. Ein chaotischer Start würde die Glaubwürdigkeit des gesamten Vorhabens beschädigen. Der Druck auf Kommission und KI-Behörde, einen klaren Fahrplan vorzulegen, wächst mit jedem Tag. Die kommenden Monate werden entscheidend sein.
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