KI-Gesetz, Europa

KI-Gesetz: Europa startet Wettlauf um Zertifizierung

02.01.2026 - 19:33:12

Finnland startet als erstes Land die KI-Aufsicht, doch fehlende Prüfstellen könnten zu massiven Verzögerungen bei der Zulassung von Hochrisiko-KI-Systemen führen.

Die ersten nationalen Aufsichtsbehörden für Künstliche Intelligenz nehmen ihre Arbeit auf – und offenbaren ein massives Kapazitätsproblem. Bis August müssen tausende Hochrisiko-Systeme geprüft werden.

Brüssel/Helsinki. Der Countdown für Europas ehrgeiziges KI-Gesetz läuft: Ab dem 2. August 2026 benötigen Hochrisiko-KI-Systeme eine offizielle Zertifizierung, um in der EU vermarktet werden zu dürfen. Doch die Infrastruktur für diese Prüfungen steht gerade erst am Anfang. Während Finnland diese Woche als erster Mitgliedstaat seine nationale Aufsicht aktivierte, warnen Branchenexperten vor einem drohenden Zertifizierungs-Engpass, der den europäischen KI-Markt lahmlegen könnte.

Finnland setzt ersten Meilenstein

Im Rennen um die Umsetzung des EU-KI-Gesetzes hat Finnland die Nase vorn. Seit dem 1. Januar 2026 ist das nationale Aufsichtsrecht in Kraft, die Verkehrsbehörde Traficom übernimmt die Rolle der „Benannten Stelle“. Dieser Schritt ist entscheidend, denn erst nach Bewertung durch solche nationale Behörden können unabhängige Prüforganisationen wie TÜV oder DEKRA offiziell KI-Systeme zertifizieren.

Finnlands frühe Aktivierung setzt andere große Mitgliedstaaten wie Deutschland und Frankreich unter Druck. „Wenn Deutschland seine ‘KI-Kompetenzverordnung’ nicht bis Ende des ersten Quartals finalisiert, riskieren wir, dass sein umfangreiches Netz an Prüfinstituten blockiert bleibt“, analysiert ein Branchenbeobachter. Finnische Prüfstellen können nun sofort Anträge stellen und könnten sich so einen Vorsprung in der EU-weiten NANDO-Datenbank sichern.

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Freiwillige Vorab-Zertifikate als Notlösung

Die Uhr tickt laut: Bis zur Frist im August bleiben nur sieben Monate. Offiziell benannte Prüfstellen gibt es europaweit jedoch noch kaum. Um einen kompletten Marktstillstand zu verhindern, setzen große Prüfkonzerne auf Übergangslösungen.

TÜV SÜD etwa bietet seit November 2025 ein „freiwilliges Konformitätszertifikat“ an. Der Service prüft technische Dokumentationen bereits jetzt gegen die Anforderungen des KI-Gesetzes. „Diese Zertifikate ersetzen nicht das erforderliche CE-Kennzeichen“, erklärt ein Unternehmenssprecher, „aber sie ermöglichen Herstellern eine Vorab-Validierung.“ Das Ziel: Die spätere offizielle Prüfung deutlich zu beschleunigen und so eine Art Fast Lane für vorbereitete Unternehmen zu schaffen.

Parallelen zur Medizinprodukte-Verordnung

Die aktuelle Situation erinnert unangenehm an die Einführung der Medizinprodukte-Verordnung (MDR), wo ein Mangel an Prüfstellen zu erheblichen Produktverzögerungen führte. Das Zeitfenster für die KI ist jedoch noch knapper – bei einer Technologie, die sich rasant entwickelt.

Rechtsexperten der Kanzlei DLA Piper betonen, dass die Phase des Abwartens für Anbieter Hochrisiko-KI vorbei ist. Transparenz- und Risikomanagement-Dokumentationen müssten jetzt vorliegen, um sofort einen Prüftermin ergattern zu können, sobald die ersten Stellen benannt sind. Der komplexe Akkreditierungsprozess, der Kompetenz in KI-Technologien, Risikomanagement und Grundrechten erfordert, dürfte zunächst nur eine Handvoll offizieller Prüfstellen hervorbringen.

Was kommt als Nächstes?

Die kommenden Wochen werden entscheidend sein. Die Branche erwartet eine Reihe wichtiger Schritte:
* Die ersten offiziell benannten Prüfstellen sollen im ersten Quartal 2026 in der NANDO-Datenbank erscheinen.
* Deutschland muss seine nationale Umsetzung finalisieren, um Prüfkapazitäten freizuschalten.
* Die EU-Kommission arbeitet unter Hochdruck an der Finalisierung harmonisierter Standards, die als Grundlage für alle Bewertungen dienen.

Die Botschaft an die Wirtschaft ist klar: Die theoretische Phase des KI-Gesetzes ist beendet. Der operative Wettlauf um die Zertifizierung hat begonnen – und er wird eng.

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