KI-Gesetz: EU verschärft Transparenz-Regeln für KI-Modelle
29.01.2026 - 13:54:12Die EU-Kommission verschärft den Druck auf Anbieter generativer KI. Neue Richtlinien sollen Transparenz erzwingen.
Brüssel – Während sich die Europäische Union der vollständigen Anwendung ihres wegweisenden KI-Gesetzes nähert, verschärft die Kommission die Transparenzanforderungen für universelle KI-Modelle. Rechtsexperten und Branchenanalysten verweisen auf beschleunigte Bemühungen der Behörde, die Einhaltung durch neue Leitlinien und die „Digital Omnibus“-Verordnung durchzusetzen. Ziel ist ein schlankeres digitales Regelwerk, das zugleich Compliance-Lücken für große KI-Anbieter schließt.
Strengerer Verhaltenskodex für KI-Transparenz
Im Zentrum des aktuellen Durchsetzungsdrangs steht der „Verhaltenskodex für die Transparenz KI-generierter Inhalte“. Er zielt auf die Pflichten aus Artikel 50 des KI-Gesetzes ab. Bisher lag der Fokus der Branche vor allem auf den technischen Dokumentationsanforderungen von Artikel 53. Jetzt deutet sich eine Kehrtwende hin zu strikterer Durchsetzung von Inhaltskennzeichnung und Wasserzeichen-Standards für Anbieter allgemeiner KI-Modelle (GPAI) an.
Eine am 26. Januar 2026 veröffentlichte Rechtsanalyse zeigt: Die Konsultationsfrist für den Entwurf des Transparenzkodex läuft ab. Die Kommission steht unter erheblichem Druck, die Regeln bis Juni 2026 zu finalisieren. Experten betonen, dass die Behörde besonders prüft, wie GPAI-Modellanbieter – und nicht nur nachgelagerte Nutzer der Systeme – Artikel 50(2) einhalten. Diese Vorschrift verpflichtet Anbieter von Modellen, die synthetische Audio-, Bild-, Video- oder Textinhalte erzeugen können, sicherzustellen, dass ihre Ausgaben maschinenlesbar gekennzeichnet und als künstlich manipuliert identifizierbar sind.
Beobachter vermuten, dass einige GPAI-Anbieter diese Anforderungen unterschätzt haben. Sie gingen offenbar davon aus, dass ihre Haupt-Compliance-Last mit den Modell-Dokumentationsregeln endet, die im August 2025 in Kraft traten. Der neue Entwurf des Kodex macht jedoch klar: Wasserzeichen- und Metadaten-Standards wie C2PA werden de facto zur Marktanforderung. Große, globale KI-Entwickler werden diese Technologien direkt in ihre Basismodelle integrieren müssen.
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„Digital Omnibus“ passt Zeitplan an
Parallel zum Transparenzkurs feilt die Kommission am regulatorischen Gesamtbild durch das „Digital Omnibus“-Paket. Analysen von Baker McKenzie vom 29. Januar 2026 zeigen, wie dieser Ende 2025 eingebrachte Gesetzesvorschlag nun den Implementierungszeitplan neu justiert, um praktische Durchsetzbarkeit zu gewährleisten.
Der „Digital Omnibus“ soll das KI-Gesetz mit anderen Digitalvorschriften wie der DSGVO und Cybersicherheitsgesetzen harmonisieren, um eine einheitliche Meldeschnittstelle zu schaffen. Entscheidend sind aktualisierte Compliance-Fristen für einen reibungsloseren Übergang. Anbieter generativer KI-Systeme erhalten demnach eine sechsmonatige Übergangsfrist, um erforderliche technische Nachbesserungen umzusetzen. Dies soll Unternehmen den nötigen Spielraum geben, komplexe Transparenzmechanismen einzubetten, ohne den Betrieb zu stören. Gleichzeitig signalisiert die Kommission, dass sie nach Ablauf dieser Schonfrist keine Nichteinhaltung dulden wird.
Branche unter Druck vor August-Deadline
Da die vollen Durchsetzungsbefugnisse des KI-Gesetzes am 2. August 2026 aktiviert werden, kämpft die Branche um die Anpassung an die sich entwickelnden Standards. Das „Digital Package“ und die bevorstehende Finalisierung des Transparenzkodex sind die letzten regulatorischen Hürden, bevor die Kommission die Befugnis erhält, hohe Geldbußen zu verhängen.
Rechtsexperten betonen: Die Uhr tickt. Während die Governance-Regeln für GPAI-Modelle seit August 2025 gelten, beginnt die Befugnis der Kommission, Geldbußen bis zu 3 % des globalen Jahresumsatzes bei Transparenzverstößen zu verhängen, erst im August 2026 offiziell. Die aktuelle „Forcierung“ der Transparenzregeln wird als präventive Maßnahme gesehen, um systemische Risiken zu mindern, bevor das volle Sanktionsregime startet.
Die Erwartung der Kommission ist klar: „Big Tech“-Anbieter sollen mit gutem Beispiel vorangehen. Sie werden voraussichtlich die ersten sein, die den finalisierten Transparenzkodex unterzeichnen und damit den technischen Standard für den gesamten Markt setzen. Kleinere Anbieter dürften es dann schwer haben, von diesen etablierten Protokollen abzuweichen. So entsteht effektiv ein einheitliches Transparenz-Ökosystem im EU-Markt.
Globale Debatte und Marktauswirkungen
Der EU-Vorstoß für KI-Transparenz findet vor dem Hintergrund einer globalen Debatte über KI-Sicherheit und Urheberrecht statt. Durch strenge Wasserzeichen- und Dokumentationsregeln will die Kommission die Rechte von Content-Erstellern schützen und sicherstellen, dass Nutzer zwischen menschlichen und maschinell generierten Inhalten unterscheiden können. Der „Digital Omnibus“ spiegelt die Erkenntnis wider, dass die ursprünglichen Zeitpläne für bestimmte technische Aspekte zu ambitioniert waren. Eine pragmatische Anpassung soll eine erfolgreiche Umsetzung sichern.
Doch die „Neujustierung“ bedeutet keine Aufweichung der Regeln. Im Gegenteil: Die Konzentration regulatorischer Aktivitäten im Januar 2026 deutet darauf hin, dass das EU-KI-Büro die Zwischenzeit nutzt, um Schlupflöcher zu schließen und präzise technische Leitlinien auszugeben. Dieser Ansatz stellt sicher, dass Unternehmen zum Stichtag der Durchsetzung keine Grundlage haben, Unklarheiten über ihre Pflichten zu behaupten.
Nächste Schritte und Ausblick
Der nächste kritische Meilenstein ist die Veröffentlichung des zweiten Entwurfs des Transparenzkodex, erwartet um März 2026, gefolgt von der finalen Version im Juni. Unternehmen, die GPAI-Modelle in der EU betreiben, wird dringend geraten, sich strikt an den laufenden Konsultationen zu beteiligen und sofort mit der Integration robuster Wasserzeichen-Lösungen zu beginnen.
Die Kommission wird voraussichtlich auch ihre Überwachung der Unterzeichner des „KI-Pakts“ verstärken. Die freiwillige Compliance in dieser Übergangsphase dient als Lackmustest für die Bereitschaft der Branche. Wenn sich die August-2026-Deadline nähert, verlagert sich der Fokus von der Regelsetzung zur aktiven Aufsicht – das EU-KI-Büro ist bereit, seine vollen Aufsichtsbefugnisse über allgemeine KI-Modelle auszuüben.
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