Bank-Jobs, Künstliche

KI ersetzt 200.000 Bank-Jobs bis 2030

02.01.2026 - 17:53:12

Künstliche Intelligenz führt zu massivem Stellenabbau bei europäischen Banken, vor allem in Risikomanagement und Compliance. Die Branche steht vor einer strukturellen Transformation mit erheblichen Einsparungen.

Die europäische Bankenbranche steht vor einem tiefgreifenden Strukturwandel. Künstliche Intelligenz wird bis 2030 rund 200.000 Stellen vernichten, vor allem in vermeintlich sicheren Bereichen wie Risikomanagement und Compliance. Das prognostiziert eine heute veröffentlichte Analyse von Morgan Stanley.

Das Ende der sicheren Verwaltung

Was lange als unantastbar galt, wird nun radikal automatisiert. Die Studie sagt voraus, dass 35 große europäische Institute ihre Gesamtbelegschaft von 2,12 Millionen bis 2026 um etwa zehn Prozent reduzieren werden. Der Treiber: KI-Systeme, die komplexe Verwaltungsaufgaben übernehmen.

Diese Systeme führen eigenständig Kundenprüfungen (KYC) durch, analysieren Transaktionen auf Geldwäsche (AML) und erstellen regulatorische Berichte – schneller und präziser als menschliche Teams. Die erwartete Effizienzsteigerung in der Verwaltung liegt bei fast 30 Prozent. Frühere Sparrunden trafen vor allem Filialen, jetzt trifft es die hochqualifizierten und teuren Spezialisten in den internen Kontrollabteilungen.

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Große Banken setzen auf Automatisierung

Führende Finanzinstitute setzen diese Prognosen bereits in die Tat um. Deutsche Bank und HSBC haben Pläne für eine vertiefte KI-Integration bekanntgegeben. Das Ziel ist klar: Die Produktivität und Eigenkapitalrendite (ROE) steigern, ohne die Personaldecke zu vergrößern.

Der Trend ist global. Die US-Bank Goldman Sachs kündigte im Oktober 2025 im Zuge ihres Restrukturierungsplans „OneGS 3.0“ einen Einstellungsstopp und mögliche Stellenstreichungen an. Auch die niederländische ABN Amro plant, ihre Belegschaft bis 2028 um etwa ein Fünftel zu reduzieren. Die Botschaft ist eindeutig: Schlankere, KI-gesteuerte Abläufe sind das neue Ziel.

Risiko: Der Verlust von Erfahrungswissen

Doch die Effizienz-Euphorie in den Vorstandsetagen wird von warnenden Stimmen begleitet. Conor Hillery, Co-CEO von JPMorgan Chase für Europa, warnt vor der undifferenzierten Streichung von Junior-Stellen. Sein Argument: KI übernimmt zwar Routineaufgaben, doch der Wegfall des manuellen Einarbeitens schafft eine gefährliche Qualifikationslücke für die Zukunft.

Wenn junge Banker nicht mehr die „Basics“ durch praktische Arbeit lernen, fehlt der nächsten Führungsgeneration das tiefe operative Verständnis, um komplexe KI-Systeme zu überwachen. Auch JPMorgan-Chef Jamie Dimon betont, dass Technologie und Personalentwicklung im Gleichgewicht bleiben müssen, um systemische Schwachstellen zu vermeiden.

Hinzu kommen neue Risiken durch die KI selbst. Automatisierte Systeme können zu „Halluzinationen“ oder verzerrten Ergebnissen neigen, die menschliche Kontrolleure auffangen sollen. Regulierungsbehörden haben noch keine klaren Leitlinien vorgelegt, inwieweit KI menschliches Urteilsvermögen in kritischen Compliance-Entscheidungen ersetzen darf.

Druck der Märkte treibt Transformation an

Der Automatisierungsschub kommt nicht von ungefähr. Europäische Banken stehen unter immensem Druck, ihre Profitabilität zu steigern. Bei stabilen Zinsen und verhaltenem Konjunkturausblick bleibt die Kostensenkung der primäre Hebel für höhere Margen.

Die geplanten Streichungen von 200.000 Stellen erinnern im Ausmaß an die Restrukturierungswellen nach der Finanzkrise 2008. Der Charakter ist jedoch ein anderer: Es handelt sich nicht um einen konjunkturellen Abbau, sondern um eine strukturelle Transformation der gesamten Branche. Die von Morgan Stanley genannten 30 Prozent Effizienzsteigerung bedeuten Milliardeneinsparungen – Kapital, das die Banken wiederum in die ersetzende Technologie investieren wollen.

Was kommt auf die Branche zu?

Das Jahr 2026 wird zum Jahr der Umsetzung und des Personalabbaus. Beobachter rechnen im ersten Quartal mit einer Reihe offizieller Restrukturierungsankündigungen großer europäischer Geldhäuser.

In den kommenden Monaten sind drei Entwicklungen entscheidend:
* Widerstand der Gewerkschaften: Arbeitnehmervertreter in Deutschland und Frankreich werden die automatisierten Stellenstreichungen voraussichtlich massiv bekämpfen. Der Fokus könnte auf einem „Recht auf menschliche Kontrolle“ liegen.
* Eingreifen der Aufsicht: Die Europäische Zentralbank (EZB) und nationale Aufseher könnten strengere Stresstests für KI-gesteuerte Risikomodelle fordern, bevor massive Personalreduktionen in Compliance-Abteilungen erlaubt werden.
* Umschulungsprogramme: Banken könnten Initiativen starten, um betroffene Risikospezialisten zu „KI-Prüfern“ umzuschulen. Dies würde eine neue, wenn auch kleinere Nische in der Branche schaffen.

Die Richtung für 2026 ist vorgezeichnet: Künstliche Intelligenz ist für Europas Banken kein Innovationswerkzeug mehr, sondern der zentrale Motor für eine umstrittene und tiefgreifende Personal-Konsolidierung.

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