KI-Betrug: Weniger Anrufe, größere Gefahr
15.02.2026 - 12:30:11Spam-Anrufe sinken deutlich – doch Kriminelle werden raffinierter. Mit gestohlenen Stimmen und KI-Technologie zielen sie jetzt gezielt auf einzelne Opfer ab. Die Bundesnetzagentur warnt vor einer neuen Bedrohung.
Die Zahlen wirken auf den ersten Blick erfreulich: 2025 meldete die Bundesnetzagentur rund 85.000 Beschwerden über Rufnummernmissbrauch – fast die Hälfte weniger als im Rekordjahr 2024. Doch Sicherheitsexperten schlagen Alarm. Die sinkenden Anrufmengen verschleiern eine gefährlichere Realität: Betrüger setzen nicht mehr auf Masse, sondern auf Qualität.
Stimmdiebe mit AI-Waffen
Statt billiger Bandansagen nutzen Kriminelle jetzt Voice Cloning – die digitale Imitation von Stimmen. Ein paar Sekunden Audiomaterial reichen aus, um aus einem Instagram-Video oder TikTok-Post die Stimme einer Person zu kopieren. Danach ist der Weg frei für den perfekten Enkeltrick: Der Anrufer spricht mit der weinenden, panischen Stimme des eigenen Kindes und fordert dringend Geld.
Diese Technologie sprengt alte Schutzmechanismen. War früher rational: Das ist eine automatische Ansage – ist jetzt die emotionale Komponente überwältigend. Es ist nicht die Stimme eines Fremden, sondern des eigenen Enkels oder der Tochter.
Das Phänomen betrifft längst nicht nur Senioren. Unternehmen geraten ins Visier, wenn Betrüger CEO-Stimmen nachahmen und Überweisungen autorisieren lassen.
Daisy und Hilde: Zwei Strategien gegen Telefon-Betrug
Im Kampf dagegen setzen Telekommunikationsanbieter selbst auf KI – allerdings in völlig unterschiedliche Richtungen.
Daisy in Großbritannien startet seit November 2024 bei Virgin Media O2. Sie nimmt Anrufe von Betrügern an, imitiert eine ältere Dame und verwickelt die Kriminellen in endlose Gespräche über ihre Katze oder Strickmuster. Das Prinzip: Scambaiting. Die Betrüger verschwenden Zeit mit einer KI, statt echte Menschen anzurufen.
Hilde in Deutschland wählte Telefónica einen anderen Weg. Seit Ende 2025 agiert Hilde nicht als Falle, sondern als Trainerin. Deutsche Datenschutzgesetze verbieten das Aufzeichnen von Anrufen ohne Einwilligung – Daisy-ähnliche Methoden sind rechtlich problematisch.
Stattdessen können Nutzer mit Hilde proaktiv üben: Sie simuliert Betrugsszenarien und zeigt, wie man Täuschungen entlarvt. Ein reines Präventionswerkzeug, aber immerhin eines, das funktioniert.
Technische Verteidigung auf mehreren Ebenen
Die sinkenden Beschwerdezahlen resultierten auch aus besseren technischen Filtern. Deutsche Telekom und Vodafone haben Spam-Warner direkt ins Netz integriert, die verdächtige Nummern schon auf dem Display markieren, bevor der Nutzer abhebt.
Google zieht in seinen Android-Updates nach. Die On-Device-KI analysiert jetzt in Echtzeit, ob typische Betrugsphrasen fallen wie „Überweisen Sie Geld“ oder „Kaufen Sie Geschenkkarten“. Eine Warnung erscheint visuell – der Nutzer entscheidet dann selbst.
Viele Android-Nutzer übersehen grundlegende Schutzmaßnahmen gegen raffinierte Scam-Anrufe. Ein gratis Sicherheitspaket erklärt die 5 wichtigsten Schritte – von sicheren Android-Einstellungen über geprüfte Apps bis zu einfachen Prüfungen, um Voice‑Cloning- und CEO‑Fraud-Versuche zu entlarven. Praktische Schritt-für-Schritt-Anleitungen helfen, Ihr Smartphone spürbar sicherer zu machen. Jetzt das kostenlose Android-Sicherheitspaket herunterladen
Das Sicherheitswort als letzte Linie
Technik hilft, aber reicht nicht. Der beste Schutz bleibt die menschliche Aktion: Familien sollten sich auf ein Geheimwort einigen. Wenn jemand behauptet, ein Angehöriger sei in Not, muss dieses Codewort fallen. Kann der Anrufer das nicht liefern, ist es Betrug – egal wie real die Stimme klingt.
Die goldene Regel der Bundesnetzagentur bleibt simpel: Im Zweifelsfall auflegen und die Person unter einer gespeicherten Nummer selbst zurückrufen.
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